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Kieler Nanowissenschaften fördern Nachwuchsforschende

CAU-Forschungsschwerpunkt KiNSIS setzt fachübergreifendes Förderprogramm für wissenschaftliche Nachwuchsprojekte auf

Fünf junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Chemie, Physik, Ingenieurwissenschaften und Life Science erhalten in diesem Jahr eine Förderung des Forschungsschwerpunkts „Kiel Nano, Surface and Interface Science“ (KiNSIS) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Sie sind Teil eines zum Sommersemester erstmals aufgelegten Programms, mit dem KiNSIS Forschende aus den Kieler Nanowissenschaften und der Oberflächenforschung am Beginn ihrer Karriere unterstützen will. Gefördert werden herausragende interdisziplinäre oder unkonventionelle Forschungsprojekte sowie nationale und internationale Forschungsaufenthalte. Bei der Mitgliederversammlung wurden heute (Freitag, 12. Juni), die ersten, mit insgesamt 15.000 Euro geförderten Projekte verkündet. Sie spiegeln die fachübergreifende Breite der Kieler Nanoforschung wider und reichen von effizienter Lichttechnologie und künstlichen Zellumgebungen über neue physikalische Messmethoden bis zu den Grundlagen für neue Datenspeicher oder eine gezielte Abgabe von Arzneistoffen. Zusätzlich vergibt der Schwerpunkt jedes Jahr Preise für die besten Dissertationen, die im Laufe des Jahres verliehen werden sollen.

Als Teil des Förderprogramms erhält in diesem Jahr die Chemikerin Dr. Anna McConnell den mit 5.000 Euro dotierten KiNSIS Early Career Award für ihre besonders innovative und interdisziplinäre Forschung. Die Juniorprofessorin forscht am Institut für Organische Chemie der CAU zu molekularen Käfigen, die andere Moleküle aufnehmen und gezielt freigeben sollen, zum Beispiel um medizinische Wirkstoffe zu transportieren. McConnell, die vor vier Jahren von der University of Cambridge nach Kiel kam, arbeitet in ihrer Forschung mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Fachgebieten der Chemie und Physik zusammen, um spezielle neue Nanostrukturen zu entwickeln. Die Förderung will sie unter anderem nutzen, um ein internationales Nachwuchs-Netzwerk zu ihrem Forschungsthema aufzubauen.

Förderprogramm ab jetzt jährlich

Neben dem Early Career Award umfasst das KiNSIS-Nachwuchsprogramm außerdem die Förderung einzelner Forschungsprojekte („Micro Proposals“) mit je 2.000 Euro. Gefördert werden in diesem Jahr Dr. Chao Li (Physik) mit dem Thema schaltbare Moleküle, Dr. Anna McConnell (Chemie) zu molekularen Käfigen, Dr.-Ing. Fabian Schütt (Ingenieurwissenschaft) zu neuen Beleuchtungskonzepten mit Laserlicht und Dr. Shane Scott (Life Science) zum mechanischen Druck auf Zellen. Dr. Judith Golda (Physik) erhält 2.000 Euro für einen zweimonatigen Forschungsaufenthalt an der University of Minnesota, um eine neue Untersuchungsmethode für Plasmen zu entwickeln. Bewerben konnten sich die Nachwuchsforschenden selbst oder auf Vorschlag eines KiNSIS-Mitglieds, über die Anträge entscheidet die sechsköpfige Sprechergruppe. Das Förderprogramm richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der CAU, die ihre Promotion in den Nanowissenschaften oder der Oberflächenforschung abgeschlossen haben, und soll künftig jedes Frühjahr ausgeschrieben werden.

„Wir freuen uns, dass wir gleich in der ersten Förderrunde so hochkarätige Bewerbungen erhalten haben“, erklärt KiNSIS-Sprecher Professor Jeffrey McCord. Mit den Maßnahmen wollen sie dazu beitragen, möglichst gute Forschungsbedingungen für talentierte Nachwuchskräfte am Standort Kiel zu schaffen. „Gleichzeitig stärken die frischen Impulse unseren Forschungsschwerpunkt und bilden eine wichtige Grundlage für unsere Zusammenarbeit und die Ausrichtung in den nächsten Jahren“, so Professor Kai Rossnagel, ebenfalls KiNSIS-Sprecher. Seit 2014 fördert KiNSIS an der CAU die fachübergreifende Forschung an Strukturen mit einer Größe von zum Teil nur wenigen Nanometern. Aus den Erkenntnissen könnten zum Beispiel molekulare Maschinen, neuartige Sensoren und Materialien, Quantencomputer oder fortschrittliche Therapien entstehen.

Sprechergruppe um Nachwuchsvertreter erweitert

Um Anregungen von Nachwuchsforschenden noch mehr Raum zu geben, wurde außerdem die KiNSIS-Sprechergruppe zu diesem Sommersemester erweitert: Ingenieur Juniorprofessor Dr.-Ing. Andreas Bahr und Physiker Dr. Manuel Gruber vertreten in dem Gremium ab sofort die Interessen der jungen Forschenden aus den Kieler Nanowissenschaften. „Aus unserer Sicht bietet das Nachwuchsprogramm wertvolle Unterstützung, um innovative Projektideen auf den Weg zu bringen und größere gemeinsame Projekte anzustoßen“, sagt Bahr. „Wir freuen uns, dass wir als neue Mitglieder der Sprechergruppe bei der Auswahl der Förderungen gleich mit eingebunden wurden“, ergänzt Gruber.

 

Die geförderten Nachwuchsforschenden im Überblick:

Early Career Award (5.000 Euro)
Dr. Anna McConnell (Chemie): “Functional Stimuli-Responsive Supramolecular Systems”

Microproposals (je 2.000 Euro)
Dr. Anna McConnell (Chemie): “Functional Stimuli-Responsive Cages”
Dr. Chao Li (Physik): “Controllable spin-state switching of single-molecule magnets”
Dr. Shane Scott (Life Science): “Towards Cellular Scaffolds with Dynamic Viscoelastic Properties”
Dr. Fabian Schütt (Ingenieurwissenschaft): “Solid dispersions of luminescent materials as laser-powered white light source”

Lab Exchange (2.000 Euro)
Dr. Judith Golda (Physik): „Developing a new plasma diagnostic technique: phaseresolved optical absorption spectroscopy (PROAS)“, Forschungsaufenthalt an der University of Minnesota, Arbeitsgruppe von Prof. Peter J. Bruggeman

 

Weitere Informationen zu den geförderten Projekten:

www.kinsis.uni-kiel.de/de/Wissenschaftliche-Qualifizierung/nachwuchs2020

 

Über KiNSIS

Details, die nur Millionstel Millimeter groß sind: Damit beschäftigt sich der Forschungsschwerpunkt »Nanowissenschaften und Oberflächenforschung« (Kiel Nano, Surface and Interface Science – KiNSIS) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Im Nanokosmos herrschen andere, nämlich quantenphysikalische, Gesetze als in der makroskopischen Welt. Durch eine intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Physik, Chemie, Ingenieurwissenschaften und Life Sciences zielt der Schwerpunkt darauf ab, die Systeme in dieser Dimension zu verstehen und die Erkenntnisse anwendungsbezogen umzusetzen. Molekulare Maschinen, neuartige Sensoren, bionische Materialien, Quantencomputer, fortschrittliche Therapien und vieles mehr können daraus entstehen. www.kinsis.uni-kiel.de
 

 

Portrait Judith Golda
© Hendrik Bahre

Physikerin Dr. Judith Golda will eine neue Untersuchungsmethode für Plasmen entwickeln.

Portraitfoto Chao Li
© Chao Li

Physiker Dr. Chao Li erforscht eine neue Klasse von Molekülen auf Oberflächen, die die Voraussetzungen liefern könnten für kleinere Datenspeicher und Quantencomputer.

Portrait Anna McConnell
© CAU

Chemie-Juniorprofessorin Dr. Anna McConnell forscht zu molekularen Käfigen, die andere Moleküle aufnehmen und gezielt freigeben können, zum Beispiel um medizinische Wirkstoffe zu transportieren.

Portrait Fabian Schütt
© CAU

Materialwissenschaftler Dr. Fabian Schütt entwickelt neue Beleuchtungskonzepte für Laserlicht.

Portraitbild Shane Scott
© Gitanjali Kolhatkar

Biophysiker Dr. Shane Scott untersucht den mechanischen Druck auf Zellen.

Kontakt

Prof. Dr. rer. nat. Kai Roßnagel
KiNSIS-Sprecher
Institut für Experimentelle und Angewandte Physik
+49 431 880-3876
rossnagel@physik.uni-kiel.de
www.ieap.uni-kiel.de/surface
 

Prof. Dr. Jeffrey McCord
KiNSIS-Sprecher
Institut für Materialwissenschaft
+49 431 880-6123
jemc@tf.uni-kiel.de
www.tf.uni-kiel.de/matwis/nmm/en

Julia Siekmann
Referentin für Wissenschaftskommunikation, Forschungsschwerpunkt Kiel Nano Surface and Interface Sciences (KiNSIS)