Kieler Uni mit MARISPACE-X erfolgreich bei europäischer GAIA-X Initiative

Großprojekt zur Digitalisierung des Ozeans gehört zu den 16 Gewinnerkonsortien des Bundes-Förderwettbewerbs

Mit „MARISPACE-X: Smart Maritime Sensor Data Space X“ die Digitalisierung des Ozeans vorantreiben – das hat sich ein Konsortium aus Wissenschaft und Wirtschaft zum Ziel gesetzt. Allein die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist mit sieben Arbeitsgruppen unter Federführung von Matthias Renz, Archaeoinformatics - Data Science (Institut für Informatik), vertreten. Das Projekt ist eingebettet in die europäische digitale Infrastrukturinitiative Gaia-X. Erst kürzlich hatte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI) aus mehr als 130 Anträgen 16 Leuchtturmprojekte aus Deutschland ausgewählt, die zu dem europäischen Großprojekt einen signifikanten Beitrag leisten können. Darunter befindet sich auch MARISPACE-X, das von der EGEOS GmbH in Kiel koordiniert wird.

Im Rahmen des Projektes soll eine neue Art der digitalen Zusammenarbeit in der Meeresforschung realisiert werden. Durch die Entwicklung eines intelligenten maritimen Data Space im Kontext von Edge-, Fog- und Cloud-Computing werden zukünftig Impulse für ganz Europa in der notwendigen Digitalisierung und damit auch in der Entwicklung neuer wirtschaftlicher Chancen im marinen Bereich gesetzt. Dafür sollen maritime (Geo)-Daten nutzbar gemacht, miteinander verknüpft und über intelligent vernetzte Objekte (Internet of Underwater Things) verarbeitet werden.

Gemeinsam mit der EGEOS GmbH sowie dem maritimen Big Data Startup TrueOcean GmbH mit Sitz im Wissenschaftszentrum und unter Leitung von IONOS SE (United Internet-Konzern), sollen unterschiedliche Arbeitsgruppen der Universität Kiel aus der Informatik, der Geographie und den Geowissenschaften dazu beitragen, eine vertrauenswürdige Dateninfrastruktur zu entwickeln, die Auskunft gibt beispielsweise über die Verteilung von Seegraswiesen. Darüber hinaus soll das Projekt helfen, Munitionsaltlasten in der Ostsee zu kartieren. Kenntnisse darüber, wo die toxischen Altlasten aus den Weltkriegen liegen, sind beispielsweise entscheidend für den Ausbau der Windenergie und andere Infrastrukturmaßnahmen in der Ostsee. Auch Schiffsrouten, die sich stärker nach den Strömungen richten, können über innovative IT-Anwendungen optimiert werden. Vor allem neue Technologien und Möglichkeiten der Fernerkundung oder die Erfassung von Seegrasfeldern mit neuen Methoden der Sensorik führen dazu, dass das Datenvolumen exponentiell steigt und erst mit Hilfe von KI (Künstlicher Intelligenz) sinnvoll verarbeitet werden kann.

Das Projekt soll im Januar 2022 mit einer Laufzeit von drei Jahren starten. Das Gesamtbudget des Konsortiums, zu dem neben der Universität Kiel und der EGEOS GmbH auch die TrueOcean GmbH, die IONOS SE, die Stackable GmbH, das GEOMAR Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung, die Fraunhofer IGD, die MacArtney Germany GmbH und die Universität Rostock gehören, beträgt rund 15 Mio. Euro.

Wissenschaftlicher Kontakt:

Prof. Dr. Matthias Renz
Archaeoinformatics — Data Science
Dept. Computer Science, CAU
mr@informatik.uni-kiel.de

Unterwasseraufnahme eines verrosteten Fasses.
© Jana Ulrich

Die Digitalisierung von Meeresgebieten, in den Munitionsaltlasten wie dieser Torpedokopf liegen, ist ein Ziel von MARISPACE-X.

Aufnahme einer Küste von oben.
© Felix Gross/Kilian Etter, Uni Kiel

Seegraswiesen wie an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste vor Heidkate sind wertvolle CO2-Speicher. Bei der zentimetergenauen Erfassung entstehen große Datenvolumina.

Über Kiel Marine Science (KMS)

Kiel Marine Science (KMS) ist das Zentrum für interdisziplinäre Meereswissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). KMS bildet die organisatorische Einheit für alle natur-, geistes- und sozialwissenschaftlich arbeitenden Forscherinnen und Forscher, die sich mit den Meeren, Küsten und den Einfluss auf die Menschheit beschäftigen. Die Expertise der Gruppen kommt beispielsweise aus den Bereichen der Klimaforschung, der Küstenforschung, der Physikalischen Chemie, der Botanik, aus der Mikrobiologie, der Mathematik, der Informatik, der Ökonomie oder aus den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Insgesamt umfasst KMS über 70 Arbeitsgruppen an sieben Fakultäten und aus über 26 Instituten. Gemeinsam mit Akteuren außerhalb der Wissenschaft arbeiten sie weltweit und transdisziplinär an Lösungen für eine nachhaltige Nutzung und den Schutz des Ozeans.

Pressekontakt:
Friederike Balzereit
Wissenschaftskommunikation | Öffentlichkeitsarbeit | Kiel Marine Sciences (KMS) | Future Ocean Netzwerk