Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert Digitalisierung der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung

Kooperationsprojekt von Universitätsbibliothek Kiel und Stadtarchiv Rendsburg macht wichtige regionalgeschichtliche Quelle zugänglich

Mit rund 95.000 Euro fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Digitalisierung der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung von ihrer ersten Ausgabe 1808 bis 1945. Damit wird eine der auflagenstärksten Zeitungen Landes Schleswig-Holstein zukünftig online frei verfügbar und komfortabel nutzbar sein. Umgesetzt wird das Gemeinschaftsprojekt durch das Stadtarchiv Rendsburg, wo die Druckausgabe der Zeitung fast vollständig archiviert ist, und durch die Universitätsbibliothek (UB) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), die die Digitalisierung und Erschließung übernimmt.

„Über die Unterstützung der DFG freuen wir uns sehr, da mit der digitalen Bereitstellung der Landeszeitung hochrelevantes Text- und Quellenmaterial für Studium, Lehre und Forschung sowie für die interessierte Öffentlichkeit weltweit rund um die Uhr verfügbar und zugänglich sein wird“, so die Direktorin der UB Kiel Dr. Kerstin Helmkamp. Stefan Farrenkopf, stellvertretender Direktor und Leiter der IT-Abteilung der UB Kiel, freut sich in insbesondere über die Möglichkeiten, die die Volltexterkennung bietet: „Gerade bei der gezielten Suche, etwa nach Personen, Ereignissen oder Orten, entsteht daraus ein erheblicher Mehrwert. Die Originalausgaben, die dem kulturellen Erbe Schleswig-Holsteins zuzurechnen sind, werden durch die alternative Nutzungsmöglichkeit unter konservatorischen Gesichtspunkten geschützt. Die modernen und standardisierten Schnittstellen des Portals bieten außerdem eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Nachnutzung und Einbindung der Digitalisate in externen, digitalen Forschungs- und Präsentationsumgebungen.“

Durch die Bereitstellung auf der Digitalisierungsplattform der CAU „DIBIKI“ wird es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ebenso wie Studierenden zukünftig auch möglich sein, im Rahmen von Forschungsvorhaben oder Lehrveranstaltungen, digitalisierte Texte und Quellen im Team zu bearbeiten. „So könne durch die gemeinsame, kollaborative Arbeit die Schleswig-Holsteinische Landeszeitung inhaltlich noch besser erschlossen werden“, ergänzt Farrenkopf.

Stefan Hans Kläsener, Chefredakteur des sh:z Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag: „Wir freuen uns sehr über die leichtere Zugänglichmachung unserer historischen Ausgaben, denn keine Zeitungsgruppe bildet die komplizierte und facettenreiche Geschichte unseres Landes besser ab als die 22 Zeitungstitel des sh:z und des A. Beig-Verlages. Die spannungsgeladene Geschichte in der Auseinandersetzung mit Dänemark ist heute einem guten Miteinander gewichen. Das ist ein großes Glück, auch publizistisch.“

Historisch relevant: Schleswig-Holsteinische Landeszeitung

Mit Erteilung eines königlich-dänischen Patents im Jahre 1807 an den Buchdrucker Friedrich Wendell (1774-1836) aus Altona begann die Geschichte der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung. Ihre erste Ausgabe ging im Januar 1808 in Druck. Im Stile der damaligen Intelligenzblätter präsentierte das wöchentlich erscheinende „Gemeinnützige Wochenblatt für Rendsburg und die umliegende Gegend“ seinen Leserinnen und Lesern eine Mischung aus amtlichen und privaten Nachrichten sowie Nachrichten des königlich-dänischen Hofes, angereichert mit Lyrik und Prosa. Aus dem Blatt entwickelte sich die heutige Schleswig-Holsteinische Landeszeitung.

In Rendsburg als Sitz der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung kristallisieren sich verschiedene Wendepunkte der Schleswig-Holsteinischen Geschichte heraus. Nicht nur war Rendsburg die südlichste Grenzstadt und zweitgrößte Festung des dänischen Reiches, sie war 1848 auch Sitz der provisorischen Schleswig-Holsteinischen Regierung. Damit ist die Landeszeitung mit ihrer Berichterstattung direkt vom Brennpunkt des Geschehens eine unverzichtbare Quelle zum Beispiel für das Verständnis der Schleswig-Holsteinischen Erhebung und des deutsch-dänischen Krieges 1864. Auch die Volksabstimmung 1920 findet in der Landeszeitung ihren breiten Widerhall.

Den wissenschaftlichen Wert des Projekts unterstreicht auch Dr. Dagmar Hemmie, Leiterin des Stadtarchivs Rendsburg: „Die Einsatzmöglichkeiten der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung in Forschung und Lehre sind wirklich sehr vielfältig. Ohne die Landeszeitung könnten beispielsweise viele Fragestellungen zur Zeit des Nationalsozialismus vor Ort nicht beantwortet werden, da viele Akten vernichtet wurden.“ Gerade entsteht eine über die VHS Rendsburg kuratierte Ausstellung „Von der Bücherverbrennung zur Reichspogromnacht – Jüdisches Leben in Rendsburg im NS-Staat“ unter Rückgriff auf die Landeszeitung. Ein weiteres, gerade laufendes Projekt ist die Erforschung der frühen Fotografie in Schleswig-Holstein unter Zuhilfenahme der in der Landeszeitung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschalteten Annoncen. Hemmie: „Durch eine Digitalisierung dieser hervorragenden Quelle und damit einhergehender Nutzungserleichterung erhoffen wir uns eine noch breitere Resonanz und stärkere Verbreitung auch über engere Regionalbezüge hinaus.“ Dass die Zeitung schon jetzt, in ihrer gedruckten Form, ein wahrer Dauerbrenner und für die Forschung von großem Interesse ist, beweise die Tatsache, dass sie zu den am meisten genutzten Beständen des Stadtarchivs Rendsburg überhaupt zähle, so die Leiterin. Umso erfreulicher sei es, dass sie zukünftig in digitaler Form greifbar und ihr Inhalt frei recherchierbar sein werde.

Abbildung der Erstausgabe der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung.
© D. Hemmie / Stadtarchiv Rendsburg

Abbildung der Erstausgabe der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung.

Magazinraum des Stadtarchivs Rendsburg, rechts in rot das Archiv der Landeszeitung.
© D. Hemmie / Stadtarchiv Rendsburg

Magazinraum des Stadtarchivs Rendsburg, rechts in rot das Archiv der Landeszeitung.

Kontakt:

Dr. Rüdiger Schütt
Referent für Öffentlichkeitsarbeit der UB
schuett@ub.uni-kiel.de  
www.ub.uni-kiel.de

Kontakt:

Claudia Eulitz
Sachgebietsleitung Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation