Uni Kiel zeichnet herausragende Dissertationen und Abschlussarbeiten aus

Verleihung der Fakultätspreise, der Genderforschungspreise und der Aenne-Liebreich Preise für Diversitätsforschung

Feierstunde für den wissenschaftlichen Nachwuchs – in diesem Jahr endlich wieder in Präsenz: Am Dienstag, 17. Mai, hat die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) die besten Dissertationen und Abschlussarbeiten aus 2021 gewürdigt. CAU-Präsidentin Professorin Simone Fulda und Vizepräsidentin Professorin Nele Matz-Lück gratulierten den 14 Preistragenden, die ihre ausgezeichneten Arbeiten vorstellten. Gemeinsam mit den Betreuerinnen und Betreuern, den Dekanen, Familien und Freunden wurde der feierliche Moment im kleinen Hörsaal des Audimax begangen. Weitere Gäste waren per Videokonferenz zugeschaltet.

„Heute ist ein großer Tag, denn es geht um Sie, den Nachwuchs unserer Universität und die Würdigung Ihrer herausragenden Arbeiten. Eine besondere Freude ist diese Feier auch deshalb, weil wir wieder in Präsenz zusammenkommen können. Erstmals seit meinem Amtsantritt habe ich Gelegenheit, die Preise persönlich zu übergeben“, eröffnete CAU-Präsidentin Professorin Simone Fulda die Zeremonie. „Unsere Fakultätspreise zeigen erneut: Wir haben exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der CAU, das breite Forschungsspektrum an unserer Volluniversität ist eine große Stärke. Ich möchte Sie ermuntern, bleiben Sie dabei – gehen Sie ihren Weg!“, fügte Simone Fulda hinzu.

Anschließend überreichte Professorin Nele Matz-Lück, Vizepräsidentin für Internationales, Nachwuchs, Gleichstellung und Diversität, vier Sonderpreise. Die Genderforschungspreise für hervorragende Doktor- und Masterarbeiten mit Bezug zu Geschlechterfragen sowie die Aenne-Liebreich Preise für ausgezeichnete Leistungen in der Diversitätsforschung. „Geschlechtergerechtigkeit, Gleichstellung und Diversität liegen unserer Universität sehr am Herzen. Ich freue mich deshalb besonders, heute diese wichtigen Preise zu überreichen. Und ich blicke dabei vor allem auf die beiden Studierenden, die für ihre Masterarbeiten ausgezeichnet werden:  Ich hoffe, dass Sie uns weiterhin in der Wissenschaft erhalten bleiben und vielleicht in einigen Jahren auf dieser Bühne auch für Ihre Promotionen ausgezeichnet werden.“

Preise für Dissertationen sind mit jeweils 1.000 Euro, Auszeichnungen für Masterarbeiten mit je 500 Euro dotiert.

Gruppenfoto der Preistragenden vor dem Audimax der CAU
© Christina Kloodt, Uni Kiel

Wieder in Präsenz: Die Fakultäts- und Sonderpreise wurden von CAU-Präsidentin Prof. Simone Fulda und Vizepräsidentin Prof. Nele Matz-Lück überreicht.

Theologische Fakultät

Portraitfoto von Saskia Eisenhardt
@ Licht Artistin Melanie Eltermann

Dr. Saskia Eisenhardt | Betreuerin: Prof. Dr. Uta Pohl-Patalong

„Ich glaube nicht an Gott. Gott ist meiner Meinung nach ein Gefühl, welches unbeschreiblich ist.“ Theologisieren mit religionsfernen Jugendlichen im Religionsunterricht

„Im Zentrum der Arbeit steht der religionsdidaktische Ansatz des Theologisierens, einer Form der Lai*innentheologie, die schon Kindern und Jugendlichen zutraut, theologische Fragen zu reflektieren und Theologie zu betreiben. Das Theologisieren wird gerade im Religionsunterricht breit rezipiert. Dieser zeichnet sich mittlerweile durch eine große Heterogenität aus und insbesondere die Teilnahme religionsferner Schüler*innen, bei denen eine christlich-religiöse Sozialisation nicht einfach vorausgesetzt werden kann, war konzeptionell nicht bedacht worden. Diesem Desiderat folgend wurde in einem qualitativ-empirischen Zugang gefragt, wie religionsferne Schüler*innen theologisieren. Dahinter steht die größere Frage nach dem religionspädagogischen Umgang mit einem grundlegenden Phänomen religiöser Bildung in der Spätmoderne – der zunehmenden Heterogenität und Ausdifferenzierung individueller Zugangsweisen zu Religion."

Rechtswissenschaftliche Fakultät

Dr. Lena-Marie Nath | Betreuer: Prof. Dr. Joachim Jickeli

Schadensersatz bei Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung - Eine Studie über das Private Enforcement unter Berücksichtigung der digitalen Märkte

„Die Anzahl marktbeherrschender Unternehmen nimmt insbesondere in der digitalen Wirtschaft (Google, Facebook, Amazon, Apple, u.a.) erheblich zu. Damit einher geht, dass durch den Missbrauch von Marktmacht der Wettbewerb auf den ohnehin schon geschwächten Märkten weiter beeinträchtigt oder gar insgesamt unterbunden wird: Unternehmen werden vom Markt verdrängt und die Preise steigen. Bei der Durchsetzung des Missbrauchsverbots im Kartellrecht gewinnt insbesondere die private Rechtsdurchsetzung an Bedeutung: Nach der Schadensersatzrichtlinie 2014/104/EU sollten Geschädigte umfassende Rechte bekommen, um ihre durch Kartellverstöße entstandenen Schäden kompensiert zu bekommen und so das Kartellrecht effektiv durchzusetzen. Ob und wie aufgrund eines Marktmachtmissbrauchs geschädigte Unternehmen und Verbraucher ihre Schäden effektiv ersetzt verlangen können und ob der bestehende rechtliche Rahmen hierfür ausreicht, ist der Untersuchungsgegenstand meiner Doktorarbeit.“

Portraitfoto von Lena Marie Nath
© Robert Könnecke

Medizinische Fakultät

Portraitfoto von David Radke
© privat

Dr. David Imanuel Radke | Betreuerin: Prof. Dr. Anna Trauzold

TRAIL-Rezeptoren als Modulatoren der miRNA-Expression und ihre Interaktion mit dem TGFβ-Signaling System 

„Trotz beachtlicher Fortschritte in der molekularen und klinischen Onkologie bleibt Bauchspeicheldrüsenkrebs einer der bösartigsten Tumore mit einer eingeschränkten Prognose für Erkrankte. Dies liegt unter anderem an der Vielzahl an Mutationen, die die Zellen des Bauchspeicheldrüsenkrebs erfahren. Diese betreffen häufig Signalwege, die an der Auslösung des Zelltods oder an Entzündungsreaktionen beteiligt sind. Zwei dieser häufig veränderten Signalwege ist der zelltodauslösende TRAIL-Signalweg und der entzündungs- und metastasierungsfördernde TGFβ-Signalweg. In der vorliegenden Arbeit konnte gezeigt werden, dass diese beiden Signalwege in Bauchspeicheldrüsenkrebszellen miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen. Es entstehen somit neue Möglichkeiten für Angriffspunkte neuer Krebstherapien.“

Philosophische Fakultät

Dr. Helge-Fabien Hertz | Betreuer: Prof. Dr. Manfred Hanisch

Die ev.-luth. Landeskirche Schleswig-Holsteins im Nationalsozialismus (1930-1945): Kollektivbiografische Volluntersuchung einer Pastorenschaft zwischen NS-Aktivismus, Selbstbehauptung und Widerstand

„Die Stellung der evangelischen Kirche im „Dritten Reich“ wird bis heute sehr kontrovers diskutiert. Am Fallbeispiel Schleswig-Holsteins erfolgte nun erstmalig in drei Bänden die Positionsbestimmung aller 729 Geistlichen einer Landeskirche. Dazu wurde der Blick über den innerkirchlichen „Kampf“ zwischen der „Bekennenden Kirche“ und den „Deutschen Christen“ hinaus auf das Verhältnis der Pastorenschaft zu Staat und NS-Bewegung geweitet. Die Zusammenführung von Kirchengeschichte und NS-Forschung zeigt, wie stark Kreuz und Hakenkreuz miteinander verschmolzen waren. Trotz eines bemerkenswerten Handlungsspielraums leisteten nur sehr wenige Pastoren Widerstand oder wurden Opfer des Regimes. Die schleswig-holsteinische Kirche fungierte somit primär als NS-herrschaftsbereitender und dann NS-herrschaftstragender Faktor. Biografische und NS-bezogene Informationen zu allen 729 schleswig-holsteinischen Pastoren sind auch im Netz abrufbar unter https://pastorenverzeichnis.de

Portraitfoto von Helge Fabien Hertz
© privat
Portraitfoto von Jill Thielsen
© Schön! Fotografie Axel Schön

Dr. Jill Thielsen | Betreuer: Prof. Dr. Claus-Michael Ort

„Nun geht der Unsinn an“ – Zur semantischen Funktion und feldtheoretischen Dimension kommunikativer Rahmen avantgardistischer und humoristischer Texte

„Die Studie fokussiert Texte, die unter den Termini ‚Unsinns-‘ und ‚Nonsenspoesie‘ rubriziert werden. Da diese Kategorien allerdings auf Wertungshandlungen basieren und sowohl ästhetisch als auch literaturhistorisch heterogene Texte zusammenfassen, entwickelt die Arbeit ein alternatives, semiotisch und literatursoziologisch perspektiviertes Vorgehen. Auf Basis semantischer Analysen von z. B. Peritexten wie Vorworten, die den vermeintlichen ‚Unsinn‘ rahmen, und mit Bezug auf feld- und systemtheoretische Theorieangebote wird aufgezeigt, wie genau diese Texte in den literarischen Kommunikationsprozess eingespeist werden, welche rekurrenten Semantiken und Funktionen sich anhand kommunikativer Rahmungen extrapolieren lassen und dass ein Zusammenhang zwischen diesen Publikationspraktiken und der Position im jeweils zeitgenössischen Literaturbetrieb besteht.“

Agrar- und Ernährungswissenschaftliche Fakultät

Dr. Christin Schmidtmann | Betreuer: Prof. Dr. Georg Thaller

Genomic characterization of Red dairy cattle in Northern Europe and the optimization of their breeding programs

„In Nordeuropa existieren zahlreiche lokale Rotviehpopulationen, die sich durch gute funktionale Zuchteigenschaften auszeichnen und eine wichtige tiergenetische Ressource darstellen. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich jedoch die Tierzahlen dieser Rassen stark reduziert, da sie durch Milchviehrassen mit höherem Leistungspotential ersetzt wurden. Geeignete Zuchtstrategien sind notwendig, um das Rotvieh wirtschaftlich wettbewerbsfähiger und somit für Landwirte attraktiver zu machen. Meine Dissertation untersucht unterschiedliche Optimierungsansätze für Zuchtprogramme und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Förderung und Erhaltung lokaler Rotviehpopulationen.“

Portraitfoto von Christin Schmidtmann
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Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät

Portraitfoto von Mareike Wolff
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Dr. Mareike Wolff | Betreuer: Prof. Dr. Walter Bergweiler

Lebesgue measure of Julia, Fatou and non-escaping sets

„In meinem Forschungsgebiet, der komplexen Dynamik, geht es um die wiederholte Anwendung einer Funktion auf das jeweils vorherige Ergebnis. Beispielsweise erhält man für die Funktion f(z)=z*z und den Startwert z=2 die Folge 2, 2*2=4, 4*4=16, 16*16=256,… Zu einer gegebenen Funktion lassen sich die Startwerte in zwei Mengen unterteilen. In der Fatoumenge verhält sich die Dynamik stabil in dem Sinne, dass kleine Änderungen des Startwerts die Folge nur wenig verändern. In der Juliamenge hingegen ist die Dynamik chaotisch, d.h. schon kleinste Veränderungen des Startwerts führen zu komplett anderen Folgen. In meiner Doktorarbeit untersuche ich die Größe von Fatou- und Juliamengen.“

Dr. Johan Lauritz von Forstner | Prof. Dr. Robert Wimmer-Schweingruber

Multipoint observations of ICMEs in the inner heliosphere - Forbush decreases and remote sensing

„Das Weltraumwetter beschreibt verschiedene Phänomene in der Heliosphäre, die gefährlich für Astronauten, Satelliten oder die Bevölkerung auf der Erde werden können. Ein Beispiel dafür sind Sonneneruptionen (Coronal Mass Ejections) – riesige Plasmawolken, die ins Sonnensystem geschleudert werden und beim Aufprall das Erdmagnetfeld stören können. Das sorgt zwar für eindrucksvolle Polarlichter, hat aber auch im Februar 2022 zum Absturz von 40 SpaceX-Satelliten geführt. Meine Arbeit nutzt unter anderem die Kieler Instrumente auf dem Marsrover Curiosity und der Raumsonde Solar Orbiter, um diese Eruptionen gleichzeitig von mehreren Orten zu detektieren und damit in Zukunft ihre Ausbreitung besser vorhersagen zu können.“

Portraitfoto von Johan von Forstner
© privat

Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät

Portraitfoto von Nils Hoffmann
© privat

Dr. Nils Christian Hoffmann | Betreuer: Prof. Dr. Stefan Hoffmann

Essays on (Un-)Ethical Consumption and the Ethics of Consumption in a Global Marketplace

„In meiner Dissertation beschäftige ich mich Fragen der sogenannten „Marketplace Morality“ und beleuchte diese aus verschiedenen Blickwinkeln und mit Hilfe mehrerer verwandter Disziplinen (Psychologie, Philosophie und Konsumethik). Ich habe vor dem Hintergrund aktueller Probleme unserer Konsumgesellschaft untersucht, welche Rolle Moral in unserem globalen Wirtschaftssystem spielt, worauf sich diese gründet, aus welchen Gründen Akteure in unserem Wirtschaftssystem (un-)moralisch handeln und was dies zur Folge haben kann. Speziell konnte ich unter anderem zeigen, dass das unmoralische Verhalten von Unternehmen nicht nur negative Folgen für die Unternehmen selbst hat, sondern darüber hinaus auch die individuelle Moralität von uns als Konsumierende negativ beeinflussen kann.“

Technische Fakultät

Dr. Leonard Siebert | Betreuer: Prof. Dr. Rainer Adelung

Additive and Self-Organised Manufacturing

„Die Entwicklung der additiven Fertigung mit der Industrie 4.0 wird oft als wesentlicher Teil einer neuen industriellen Revolution angesehen. Die automatisierte Steuerung zur Herstellung hochkomplexer Geometrien aus fast allen gängigen Konstruktionswerkstoffen ermöglicht eine bis dahin unzugängliche Designfreiheit. Obwohl diese Konstruktionswerkstoffe ein breites Spektrum an vorteilhaften Eigenschaften abdecken, gibt es noch andere mögliche Designtechniken, die noch zu erforschen sind. Selbstorganisationsphänomene wurden zum Beispiel genutzt, um komplizierte Strukturen auf der Nanoskala zu schaffen, und um mikro- und nanoskalige Materialeigenschaften auszunutzen. Daher ist die Kombination der makroskopischen Gestaltungsfreiheit der additiven Fertigung gepaart mit den nanoskaligen Gestaltungsmöglichkeiten von Selbstorganisationsphänomenen sehr vielversprechend. Ein breites Spektrum an Demonstrationen des Konzepts verdeutlicht das noch zu erkundende Potenzial der Selbstorganisation und die in dieser Arbeit aufgeführten Beispiele können als Grundlage für noch anspruchsvollere Anwendungen der Selbstorganisation in der additiven Fertigung dienen.“

Portraitfoto von Leonard Siebert
© Julia Siekmann

Genderforschungspreise

Der Genderforschungspreis wird an der CAU seit 2010 an herausragende Dissertationen und Abschlussarbeiten mit einem Bezug zur Genderforschung verliehen. Antragsberechtigt sind Wissenschaftler*innen aller Fakultäten, die Entscheidung über den Preis fällt der zentrale Gleichstellungsausschuss des Senats.

Portraitfoto von Raphael Rössel
© privat

Dr. Raphael Rössel | Betreuerin: Prof. Dr. Gabriele Lingelbach

Dissertation: ‘Behinderte‘ Familien? Aufgabenverteilung und Rollenzuweisungen im Alltag westdeutscher Familien mit behinderten Kindern zwischen 1945 und den 1980er Jahren

„Wer leistet Sorge- und Pflegearbeit an Heranwachsenden mit Behinderungen? Im Rahmen meiner Doktorarbeit habe ich mich mit innerfamiliären Rollenzuweisungen und geschlechtsspezifischen Aufgabenverteilungen in westdeutschen Familien mit behinderten Kindern zwischen 1945 und den 1980er Jahren auseinandergesetzt. Meine Studie stützt sich vor allem auf Selbstzeugnisse behinderter Menschen und der sie pflegenden Angehörigen, insbesondere auf Tagebücher und Briefwechsel mit Behörden und Vereinen. Als Ergebnis konnte meine Dissertationsschrift unter anderem zeigen, dass die Kinderpflege in diesen Familien nochmals stärker und länger unhinterfragt Frauen zugewiesen wurde, als es in Haushalten mit nichtbehinderten Kindern der Fall war.“

Kim-Charlott Blümel | Betreuerin: Prof. Dr. Béatrice Jakobs

Masterarbeit: «On ne naît pas femme: on le devient.» - der moderne Französischunterricht zwischen traditionellen Geschlechtervorstellungen und Diversitätsbewusstsein

„„Man wird nicht als Frau geboren, sondern zur Frau gemacht“ – der Einfluss der Gesellschaft auf die geschlechtliche Identität, welchen die Feministin Simone de Beauvoir äußert, prägt auch das Bildungsgeschehen und somit Chancen sowie Potenziale von Schüler:innen. Mit einem Fokus auf das Fach Französisch, welches oftmals als ‚Mädchenfach‘ empfunden wird, erfolgte in der vorliegenden Masterarbeit eine Untersuchung, inwieweit sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Unterrichtsgeschehen berücksichtigt, bestärkt bzw. unterdrückt werden. Basierend auf Lehrbuchanalysen und Befragungen ließ sich konstatieren, dass die mangelnde Verankerung von Diversität in Lehrplänen, unzureichend vielfaltsfreundliches Material und fehlende Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen hierzu eine geschlechterreflektierte Pädagogik erschweren, während zugleich die Relevanz dieser durch Lehrkräfte bestätigt wurde.“

Portraitfoto von Kim-Charlott Blümel
© Drazen Celner

Aenne-Liebreich-Preise

Der Aenne-Liebreich-Preis für Diversitätsforschung wird dieses Jahr zum vierten Mal an der CAU vergeben. Er erinnert an das Leben von Aenne Liebreich und an ihre Zugehörigkeit zur Universität. Der Preis fördert die Sichtbarmachung und Anerkennung von Vielfalt an der Uni Kiel und ist eine Maßnahme aus dem Audit „Vielfalt gestalten“, in dem die CAU im Februar 2019 erfolgreich zertifiziert wurde. Gefördert werden Abschlussarbeiten mit Themen, die einen Bezug zu Fragen gesellschaftlicher Vielfalt und/oder sozialer Gerechtigkeit aufweisen.

Portraitfoto von Sonja Krämer
© Studioline

Dr. Sonja Krämer | Betreuerin: Prof. Dr. Friederike Zimmermann

Dissertation: Effekte der Inklusion von Schüler*innen mit sonderpädagogischen Förderbedarfen – Kognitive und psychosoziale Effekte sowie der Einfluss von Leistungsbeurteilungen

„In meiner Dissertation habe ich mich mit den Auswirkungen eines inklusiven Schulsystems beschäftigt, in dem Schüler:innen mit und ohne sonderpädagogische Förderbedarfe gemeinsam lernen. In einer Meta-Analyse habe ich zum einen geprüft, welche Auswirkungen eine inklusive Beschulung von Schüler:innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich des Lernens auf Schüler:innen mit und ohne Förderbedarf hat. Zum anderen habe ich in zwei experimentellen Studien in einem inklusiven, simulierten Klassenraum untersucht, inwieweit ein sonderpädagogischer Förderbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung als Schüler:innenmerkmal in Leistungsbeurteilungen über tatsächlich gezeigte Leistungen hinaus einfließt und welche Rolle Merkmale der Lehrpersonen (Stereotype, Stress) dabei spielen.“

Alexander Brück | Betreuerin: Prof. Dr. Katharina Wesselmann

Masterarbeit: Der Umgang mit Fremdheit in lateinischen Unterrichtswerken - Lehrwerkanalyse der Identifikationsangebote für Lateinlernende

„Eurozentrismus und die Ausblendung von ethnischer und kultureller Diversität prägen nach wie vor die Lehrbücher deutscher Schulen im 21. Jahrhundert: In meiner Masterarbeit analysiere ich aktuelle deutschsprachige Lateinlehrwerke dahingehend, inwieweit sie die kulturelle und ethnische Diversität der Antike didaktisch und fachwissenschaftlich angemessen thematisieren und den heterogenen Lernenden vielfältige Identifikationsangebote zur Verfügung stellen, die ihnen – auch im Sinne der Förderung interkultureller Kompetenzen – einen individuellen und multiperspektivischen Zugang zur Auseinandersetzung mit der antiken Lebenswelt ermöglichen. Ergänzend habe ich eine empirische Erhebung der Vorstellungen und Kenntnisse von Lateinschüler*innen zur gesellschaftlichen Vielfalt im antiken Römischen Reich und zur Identität der Römer*innen durchgeführt.“

Portraitfoto von Alexander Brück
© privat

Aenne-Liebreich-Preise

Über Aenne Liebreich
Dr. Aenne Liebreich arbeitete von 1927 bis 1933 als außerplanmäßige Assistentin am Kunsthistorischen Institut in Kiel. Mit ihrer Forschung zu dem Bildhauer Claus Sluter will sie sich dort als eine der ersten Frauen im Fach Kunstgeschichte habilitieren. Doch nach der Machtergreifung wird sie am 30. April 1933 zuerst beurlaubt und schließlich mittels des rassistischen „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ entlassen. Es ist ihr nicht mehr möglich, ihr Habilitationsverfahren in Deutschland zu Ende zu bringen. Aufgrund ihrer Kontakte zu französischen Kolleg*innen und ihrer Sprachkenntnisse erhält sie eine Assistentenstelle bei Henri Focillon am Institut d'art et d'archéologie an der Sorbonne in Paris. Neben der Lehre übersetzt sie das Sluter-Manuskript, das Buch erscheint 1936 und wird positiv aufgenommen. Trotz dieses Erfolges nimmt sich die vertriebene Wissenschaftlerin nach Kriegsbeginn im Winter 1939/40 im Pariser Exil das Leben. Weitere Informationen.

Pressekontakt:

Anna-Kristina Pries
Sachgebiet Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation