10 Jahre auf dem Mars

Was die Uni Kiel über den roten Planeten gelernt hat

Preview

Bitte beachten Sie: Sobald Sie sich das Video ansehen, werden Informationen darüber an Youtube/Google übermittelt. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Google Datenschutzerklärung.

Vor genau zehn Jahren, in der Nacht zum 6. August 2012, landete der NASA-Rover „Curiosity” auf dem Mars. Mit an Bord ein Strahlenmessgerät, das an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) entwickelt wurde, genannt: „Radiation Assessment Detector” (RAD). Bereits auf der Reise sammelte das Instrument erste Daten. Seither sendet es zuverlässig Messdaten von unserem Nachbarplaneten. Mit den Forschungsdaten will das Team um Prof. Dr. Robert Wimmer-Schweingruber herausfinden, welche Strahlenbelastung bei bemannten Marsmissionen auftreten. Herausgefunden haben die Kieler Forschenden bislang, dass zwar die Strahlungsbelastung auf dem Mars etwa hundertmal höher ist als auf der Erde, die Strahlung aber je nach Region stark schwankt. Astronautinnen und Astronauten wären also in bestimmten topographischen Lagen deutlich weniger Strahlung ausgesetzt. Und auch der Reisezeitraum spielt eine Rolle.

Überraschende Messdaten

„Unsere Resultate lassen sich in zwei Kategorien einteilen: erwartete und überraschende”, sagt der Kieler Astrophysiker Wimmer-Schweingruber. Erwartbar war die genaue Bestimmung der Strahlendosis auf dem Weg zum Mars und auf dem Planeten selbst. „Überrascht waren wir dann aber vom Ausmaß der Schwankungen und Veränderungen, die durch die veränderliche Atmosphärendichte und Topographie verursacht werden.“ Je nach Phase der Sonne, dem sogenannten Sonnenzyklus, stellten die Forschenden beispielsweise sehr unterschiedliche Strahlungswerte fest. Das wird Auswirkungen darauf haben, wann eine bemannte Marsmission genau stattfinden sollte.

Auch überrascht „waren wir von der Bedeutung der Sekundärstrahlung“, so der Forscher. Die Sekundärstrahlung entsteht durch die Wechselwirkung der Weltraumstrahlung mit dem Marsboden und variiert je nach Beschaffenheit des Geländes, das der Marsrover bisher erkundet hat. Sie vernichtet jeglichen Nachweis von eventuell früherem Leben auf dem Mars und ist auch für Astronautinnen und Astronauten schädlich. „Dank unserer Forschungsergebnisse wissen wir jetzt aber, dass sie sich zum Beispiel an Abhängen vor sehr hoher Strahlung schützen könnten.“

Auf die nächsten zehn Jahre

Aus dem andauernden Datenfluss gewinnen die Kieler Forschenden immer neue Erkenntnisse. „Aktuell widmen wir uns Störungen, sogenannte koronale Massenauswürfe, die sich durch das Sonnensystem ausbreiten”, meint Wimmer-Schweingruber. „Das wird mit der zunehmenden Aktivität der Sonne bestimmt noch interessanter.”

Das RAD wurde gemeinsam mit dem Southwest Research Institute (SwRI) in San Antonio (Texas) und Boulder (Colorado) entwickelt und gebaut. Es wird von beiden Instituten betrieben. Der Kieler Beitrag wurde durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gefördert (FKZ: 50 QM 1701).

Der Marsrover in der Marslandschaft.
© NASA/JPL-Caltech/MSSS

NASA-Marsrover „Curiosity“ schießt ein Selfie auf dem „Vera Rubin Ridge“. Direkt dahinter ist der Mount Sharp zu sehen.

Hände halten das Instrument.
© NASA/JPL-Caltech

Der Radiation Assessment Detector (RAD) vor dem Einbau in den Rover “Curiosity”.

Pressekontakt:

Claudia Eulitz
Sachgebietsleitung Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation