SPP 2002 „Kleine Proteine in Prokaryoten“: Auftakt zur zweiten Förderphase

Hybrid-Konferenz des DFG-Schwerpunktprogramms zur Charakterisierung prokaryotischer Proteine an der Universität Kiel

Vergangene Woche fand unter dem Titel „Entdeckung, Verstehen und Charakterisierung von kleinen Proteinen“ die Auftaktkonferenz zur zweiten Förderphase des Schwerpunktprogramms (SPP) „Kleine Proteine in Prokaryoten, eine unbekannte Welt“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) statt. Insgesamt gut 100 Forschende, aus Kiel, von den bundesweiten Partnerinstitutionen und internationale Gäste, diskutierten an drei Tagen über ihre jeweiligen Fachgebiete. Jeweils etwa zur Hälfte konnten sie in Präsenz am Tagungsort und online an der Konferenz teilnehmen. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt verfolgt das Ziel, die neu entdeckten, besonders kleinen Proteine der Prokaryoten zu erforschen. Prokaryoten sind eine Gruppe einzelliger Lebewesen ohne Zellkern, die Bakterien und die auch als Urbakterien bezeichneten Archaeen umfasst. Von der Untersuchung der Funktionen und den molekularen Mechanismen der prokaryotischen Proteine erhoffen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bislang unbekannte Ansätze für die Anwendung in Biotechnologie und Medizin. Die Koordination des interdisziplinären Forschungskonsortiums mit seinen rund 30 Arbeitsgruppen - unter anderem an den Universitäten Würzburg, Freiburg, Bochum, München, Greifswald, Frankfurt und Braunschweig und am Weizmann Institute of Science in Rehovot, Israel - liegt beim Institut für Allgemeine Mikrobiologie der CAU.

Im Rahmen der Kieler Tagung stellten die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in rund 30 Vorträgen ihre Forschungen an unterschiedlichen prokaryotischen Lebewesen vor. Neben den Mitgliedern des SPP 2002 trugen zudem acht internationale Gäste zur Konferenz bei, die in Plenarvorträgen ihre Arbeiten auf dem Gebiet der kleinen Proteine präsentierten. Prokaryoten kommen in großer Anzahl in den verschiedensten Umgebungen vor und spielen eine wichtige Rolle zum Beispiel für Gesundheit und Umwelt. Die Forschenden arbeiten zum Beispiel mit Organismen wie den als Blaualgen bekannten Cyanobakterien, verschiedenen Krankheitserregern, Bakteriophagen oder so wie die Kieler Mikrobiologie mit Archaeen. Grundsätzlich geht es darum, die darin existierenden kleinen Proteine zu identifizieren und ihre zelluläre Funktion zu entschlüsseln. Dass solche sogenannten Mikroproteine überhaupt erforscht werden können, ist erst in jüngster Zeit durch Fortschritte in den Analysetechniken möglich geworden. „Mit unserer Kieler Konferenz zur Erforschung der kleinen Proteine können wir nun endlich mit allen beteiligten Institutionen den Beginn unserer zweiten Förderphase feiern und die gemeinsame Arbeit im persönlichen Gespräch vorantreiben. Unser Ziel ist es, auf der erfolgreichen Arbeit der vergangenen Jahre aufzubauen und die Erforschung dieser völlig neuartigen Klasse von Proteinen durch weitere entscheidende Schritte voranzubringen. Neu in dieser Phase sind jetzt die Analysen von kleinen Proteinen in Mikrobiomen und deren Funktionen“, betont Professorin Ruth Schmitz-Streit, Mikrobiologin an der CAU, die weiterhin das Schwerpunktprogramms leitet.

Im vergangenen Jahr gelang es den Forschenden, eine zweiten Förderphase für das Schwerpunktprogramm 2002 unter Leitung der CAU einzuwerben. Die DFG stellt ihnen für die nächsten drei Jahre rund 6,5 Millionen Euro zur Verfügung, um ihre bisherigen Erkenntnisse zu vertiefen und damit das Wissen in diesem neuartigen Forschungsgebiet zu erweitern. Wegen der Corona-Einschränkungen konnte ein Auftakttreffen bisher nicht stattfinden. Dies holten die am SPP beteiligten Forschenden nun in einer Hybrid-Veranstaltung nach, die es zumindest einem großen Teil der Beteiligten aus der Mikrobiologie, Infektionsforschung Biochemie und Bioinformatik ermöglichte, wieder in persona zusammenzukommen. Insbesondere für die Nachwuchsforschenden ist dieser persönliche Kontakt besonders wichtig. Sie erhielten nun erstmals in der zweiten Förderphase die Möglichkeit, ihre Netzwerke zu knüpfen und zudem an einem speziell für sie zugeschnittenen „Talent Management“-Workshop zur individuellen Karriereförderung teilzunehmen.

Wissenschaftlicher Kontakt:

Prof. Ruth Schmitz-Streit
Molekularbiologie der Mikroorganismen,
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
0431 880-4334 
rschmitz@ifam.uni-kiel.de

Dr. Lisa Nickel
Molekularbiologie der Mikroorganismen,
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
0431 880-1649
lnickel@ifam.uni-kiel.de

Forschende bei einer Podiumsdiskussion
© Prof. Ruth Schmitz-Streit

Im Rahmen des SPP 2002 an der CAU stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in rund 30 Vorträgen ihre Forschungen an unterschiedlichen prokaryotischen Lebewesen vor.


Teilnahme per Videokonferenz
© Dr. Lisa Nickel

Die insgesamt gut 100 Forschende diskutierten an drei Tagen über ihre jeweiligen Fachgebiete, jeweils etwa zur Hälfte am Tagungsort und per online-Teilnahme.


Tagungsposter

© SPP 2002

Die Tagung unter dem Titel „Entdeckung, Verstehen und Charakterisierung von kleinen Proteinen“ bildet den Auftakt zur zweiten Förderphase des Schwerpunktprogramms.

Weitere Informationen:

Über Kiel Life Science (KLS)

Das interdisziplinäre Zentrum für angewandte Lebenswissenschaften – Kiel Life Science“(KLS) – vernetzt an der CAU Forschungen aus den Agrar- und Ernährungswissenschaften, den Naturwissenschaften und der Medizin. Es bildet einen von vier Forschungsschwerpunkten an der Universität Kiel und will die zellulären und molekularen Prozesse besser verstehen, mit denen Lebewesen auf Umwelteinflüsse reagieren. Im Mittelpunkt der Forschung stehen Fragen, wie sich landwirtschaftliche Nutzpflanzen an spezielle Wachstumsbedingungen anpassen oder wie im Zusammenspiel von Genen, dem individuellen Lebensstil und Umweltfaktoren Krankheiten entstehen können. Gesundheit wird dabei immer ganzheitlich im Kontext der Evolution betrachtet. Unter dem Dach des Forschungsschwerpunkts sind derzeit rund 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 40 Instituten und sechs Fakultäten der CAU als Vollmitglieder versammelt.

Zu Kiel Life Science (KLS)

Pressekontakt:

Christian Urban
Wissenschaftskommunikation
„Kiel Life Science", CAU
0431-880-1974
curban@uv.uni-kiel.de