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Ethik in der Polizei: Entscheidungen zwischen Grenzbereich und Alltag

Ethik-Salon der Theologischen Fakultät

46 Polizistinnen und Polizisten, Ethikerinnen und Ethiker sowie Interessierte aus Politik und Gesellschaft waren Dienstagabend (9. Juli) an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) gekommen, um im Ethik-Salon der Theologischen Fakultät über Ethik in der Polizei zu diskutieren.

Wie sehen ethische Entscheidungen von Polizistinnen und Polizisten aus? Woher bekommen sie einen moralischen Kompass? Viele polizeiliche Entscheidungen erfolgen vor Ort und spontan. Dies erfordert eine hohe Flexibilität und Auffassungsgabe sowie Rechts- und Menschenkenntnisse. Ziel des Ethik-Salons war eine erste Begegnung mit diesen Themen – und hatte somit Experimentiercharakter. Im Verlauf der Veranstaltung sind verschiedene Konfliktlinien erkundet worden.

Die Referenten führten hervorragend in die ethischen Fragen ein: Volker Struve, seit sechs Jahren Polizeipastor der Landespolizei und Dozent für Ethik, stellte die alltäglichen ethischen Entscheidungen heraus, die bei jedem Einsatz erfolgen. Er begleitete Polizistinnen und Polizisten beispielsweise beim G20-Gipfel 2017 in Hamburg. Der Leiter der Polizeidirektion Lübeck, Norbert Trabs, hat bereits mehrfach als sogenannter Polizeiführer Verantwortung getragen und erfolgreich Einsätze koordiniert. Seit drei Jahren ist er Leiter einer der größten Polizeidirektionen des Landes mit einem Zuständigkeitsbereich für Lübeck und Ostholstein. Er zeigte in seinem Vortrag die Herausforderungen der Mitarbeiterführung in ethischer Hinsicht auf.

Klar und anschaulich stellte Ulrich Kropp, erfahrener und langjähriger Revierleiter, die ethische Urteilsbildung der Polizeibeamtinnen und -beamten heraus – von der Verkehrskontrolle bis zur Festnahme mit Widerstand. Diese oft konfliktbehafteten Themen reflektierte er aus seiner Perspektive als Dozent für Ethik an der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung in Altenholz. Professor Ino Augsberg, Inhaber des Lehrstuhls für Rechtsphilosophie und Öffentliches Recht an der CAU, konnte darüber hinaus für die weitreichenden gesellschaftlichen Fragen der Polizeiarbeit sensibilisieren. Gleichzeitig veranschaulichte er die Leistungskraft rechtsphilosophischer Reflexion.

„Der Abend war ein voller Erfolg“, resümiert der Veranstalter, Professor André Munzinger. „Es besteht Gesprächsbedarf zwischen Universität und Polizei. Und hier haben sich Theorie und Praxis wechselseitig neu wahrgenommen.“

Über den Ethik-Salon:

Der Ethik-Salon an der Uni Kiel bietet die Möglichkeit, neue ethische Herausforderungen zu diskutieren, Perspektiven zu verbinden und auf die unterschiedlichen Berufsfelder zu beziehen. Er fand bereits zum dritten Mal statt und wird als jährliche Veranstaltung mit wechselnden Themenschwerpunkten fortgeführt.

 

Kontakt

Prof. Dr. André Munzinger
Theologische Fakultät
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
0431/880-3483
andre.munzinger@email.uni-kiel.de