Schnelles Netz für die Kieler Förde

Autonome Fähren und Wassertaxis für Pendelverkehr

Vier Millionen Euro vom Bundesverkehrsministerium für das CAPTN-Innovationsprojekt „Förde 5G“

Ein ganz besonderes Beispiel für die Digitalisierung in Deutschland soll auf der Kieler Innenförde umgesetzt werden: Dank des neuen Mobilfunkstandards 5G könnten in Zukunft Passagierfähren zunächst teilautonom, später sogar autonom zwischen den Fördeufern kreuzen. Das Bundesverkehrsministerium unterstützt das Zukunftsprojekt „Förde 5G“ mit vier Millionen Euro. Angekündigt war die Summe bereits im April dieses Jahres, endgültig zugesprochen wurde die Millionenhilfe am Donnerstag, 18. November. Den Antrag für die Bundesfördergelder hatte die Landeshauptstadt Kiel gestellt.

„Förde 5G“ ist ein Projekt im Rahmen der CAPTN-Initiative und des ebenfalls vom Bundesverkehrsministerium geförderten „Green City Plan Kiel“. CAPTN steht für „Clean Autonomous Public Transport Network“. Ziel ist die Entwicklung einer integrierten innerstädtischen Mobilitätskette autonomer sauberer Verkehrsträger zu Wasser und zu Land, gekoppelt mit Wasser-Land-Schnittstellen für den öffentlichen Personennahverkehr.

Entstehen sollen am Ende so innovative, systemfähige und nachhaltige Produkte und Dienstleistungen, dass sie zukünftig Chancen auf dem Weltmarkt haben. Mit der erfolgreichen Bewerbung der Landeshauptstadt Kiel und den weiteren Projektpartner*innen bekommt nicht nur das Gesamtprojekt CAPTN erheblichen Rückenwind. „Die intelligente Steuerung maritimer Mobilität durch 5G am Beispiel einer autonomen maritimen Personenfähre ist auch ein positives Signal des Nordens für eine hochqualifizierte und effiziente Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft“, freut sich Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz.

Für Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer ist „Kiel einfach der richtige Ort für dieses Projekt: als moderne Großstadt mit einer Förde im Herzen, als Stadt der Wissenschaft und Hochschulen, als Hafenstadt und wichtiges Tor zum Ostseeraum. Smart mobility verstehen wir als integralen Bestandteil einer lebenswerten Stadt. ‚Förde 5G‘ zeigt das große Potenzial, das neue Technologien für die Mobilität an Land und zu Wasser haben.“

Partner*innen des Projektes sind neben der Landeshauptstadt Kiel die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die Wissenschaftszentrum Kiel GmbH, die Kieler ADDIX Internet Services GmbH, die AVL Deutschland GmbH, das Kölner Unternehmen HHVISION, die Kieler Raytheon Anschütz GmbH, die Seehafen Kiel GmbH & Co. KG und die Vodafone Deutschland GmbH.

„Eine autonome Fähre arbeitet mit viel Sensorik und wird hohe Datenmengen produzieren. Um diese an Land zu schicken, brauchen wir nicht nur hohe Bandbreiten und eine hohe Zuverlässigkeit der Übertragung, sondern auch niedrige Latenzen – also kurze Reaktionszeiten,“ erklärt Olaf Landsiedel, Informatikprofessor an der Christian-Albrechts-Universität (CAU).

Auch wenn das 5G-Netz zunächst nur auf der Kieler Förde genutzt werden kann, ist der Ausbau des schnellen Internets ein wichtiger Schritt in die Zukunft, meint auch Professor Eckhard Quandt, CAU-Vizepräsident für Forschung, Transfer, wissenschaftliche Infrastruktur und Digitalisierung. „Für die CAU ist es extrem wichtig, regionale Innovationsimpulse zu generieren und damit zur wirtschaftlichen Entwicklung von Kiel und Schleswig-Holstein beizutragen. Die CAPTN-Initiative ist hierbei eines unserer zentralen Projekte und die neue Förderung stellt einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zu einem autonomen Fährverkehr auf der Kieler Förde dar.“

Den Förderbescheid entgegengenommen haben am Donnerstag, 18. November, der Chief Digital Officer (CDO) der Kieler Stadtverwaltung, Jonas Dageförde, und Björn Schwarze von der ADDIX Internet Services GmbH. Schwarze freut sich, „einen wesentlichen Beitrag zur CO2-Vermeidung in der Zukunft leisten zu können. Der Ausbau des 5G-Netzes schafft die Grundlage für Innovationen: Die von ADDIX entwickelte Lösung zur Datenübertragung für die Steuerung der autonomen Fähre ermöglicht eine umweltfreundliche Schnittstelle des Kieler Verkehrs zwischen Wasser und Land.“

Daniel Sommerstedt, verantwortlich für strategische Entwicklung und Technologie-Roadmaps bei Raytheon Anschütz, fügt hinzu: „Das 5G-Kontrollzentrum bietet neue Möglichkeiten zur Situationsanalyse, automatisierten Steuerung und Navigation in einem anspruchsvollen Seegebiet wie der Kieler Förde. Diese werden wir zusammen mit ADDIX und der CAU umsetzen und auf dem Versuchsträger MS WaveLab erproben. Wir werden im Kontrollzentrum eine völlig neue, zukunftsorientierte Lösung entwerfen, die sichere Navigation und Steuerung von morgen ermöglicht.“

Unabdingbar ist das 5G-Netz auch für das digitale Arbeitsfeld auf dem Versuchsträger, der in der Kieler Werft Gebrüder Friedrich gebaut und dann probeweise auf der Kieler Förde eingesetzt wird. Bereits 2022 soll der Neubau fertig sein. Auf diese Weise können verschiedene Szenarien getestet werden: Wie funktionieren digitale Seezeichen und welche Informationen sind nötig, damit in Zukunft autonome Fähren und Wassertaxis nicht mit anderen Schiffen kollidieren?

Dieser Meinung ist auch Hannes Ametsreiter, CEO Vodafone Deutschland. Sein Unternehmen wird das schnelle Internet einrichten: „Wenn Sensoren und Schiffe in Echtzeit Daten austauschen, kann der Schiffsverkehr künftig sicherer und effizienter werden. Das CAPTN-Projekt in Kiel wird der gesamten Binnenschifffahrt 4.0 einen Schub verleihen. Auch die Hafenlogistik und Segelsport-Veranstaltungen werden von der neuen 5G-Mobilfunk-Technik profitieren.“

Dr. Dirk Claus, Geschäftsführer PORT OF KIEL: „Für den Kieler Hafen ist 5G ein wichtiger Entwicklungsschritt im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung operativer Prozesse. Wir werden nachhaltig von CAPTN profitieren und arbeiten an Teilprojekten, um 5G-basierte innovative Ortungstechnologien in der maritimen Logistik nutzbar zu machen.“  

Weitere Informationen zu CAPTN

Skizzierte Karte der Kieler Förde
© Grafik: TEAMS Design Hamburg GmbH

CAPTN-Innovationsprojekt „Förde 5G“

Olaf Landsiedel
© Jürgen Haacks, Uni Kiel

„Eine autonome Fähre arbeitet mit viel Sensorik und wird hohe Datenmengen produzieren. Um diese an Land zu schicken, brauchen wir nicht nur hohe Bandbreiten und eine hohe Zuverlässigkeit der Übertragung, sondern auch niedrige Latenzen – also kurze Reaktionszeiten,“ erklärt Olaf Landsiedel, Informatikprofessor an der Christian-Albrechts-Universität (CAU).

Porträt
© Jürgen Haacks, Uni Kiel

Der Ausbau des schnellen Internets ist ein wichtiger Schritt in die Zukunft, meint auch Professor Eckhard Quandt, CAU-Vizepräsident für Forschung, Transfer, wissenschaftliche Infrastruktur und Digitalisierung: „Für die CAU ist es extrem wichtig, regionale Innovationsimpulse zu generieren und damit zur wirtschaftlichen Entwicklung von Kiel und Schleswig-Holstein beizutragen."

Kontakt:

Kerstin Graupner
Pressesprecherin
Landeshauptstadt Kiel
0431/901-1007
presse@kiel.de

Pressekontakt:

Stabsstelle Presse, Kommunikation und Marketing der Kieler Universität
Sachgebiet Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation