Studium & Lehre

Soziale Interaktionen im Unterricht besser gestalten

Lehramtsstudierende der Uni Kiel absolvieren Online-Training für sozial-emotionale Kompetenzen

Interaktionen zwischen Lehrkräften und ihren Schülerinnen und Schülern spielen im Schulalltag eine wichtige Rolle – im Schnitt sind es bis zu 600 verschiedene soziale Situationen pro Arbeitswoche, dazu gehören beispielsweise das Reagieren auf Unterrichtsstörungen oder die Motivation zur mündlichen Mitarbeit. Um die Lehramtsstudierenden der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) bei der Entwicklung der für den Unterricht notwendigen sozial-emotionalen Kompetenzen zu unterstützen, haben Dr. Bastian Carstensen und Professorin Uta Klusmann vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) und Dr. Michaela Köller von der CAU vor vier Jahren ein Training konzipiert. Ursprünglich als Präsenzveranstaltung geplant, wurde es im Sommersemester 2020 erstmals online umgesetzt.

Das Training für Lehramtsstudierende aller Fächer umfasst die drei Kernbereiche sozial-emotionaler Kompetenz: Emotionales Wissen, Emotionales Management und Soziale Fähigkeiten. Neben der theoretischen Basis vermitteln Köller und Carstensen als Kursleitende anwendungsorientierte Strategien für gelungene Interaktionen im Unterricht. Denn diese wirken sich maßgeblich auf das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler, aber auch der Lehrkräfte aus. Eine achtsame Grundhaltung, die Analyse von Verhaltensmustern, ein Perspektivwechsel oder ein angemessenes Durchsetzungsverhalten können Konflikte vermeiden und die Lehr-Lern-Beziehung positiv beeinflussen. „Videoanalysen und Fallbeispiele haben im Seminar den Bezug zur Berufspraxis hergestellt und Rollenspiele in festgelegten Tandems haben geholfen, das Wissen in der Praxis zu erproben“, erklärt Köller. Mithilfe eines Emotionstagebuches konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich darüber hinaus bewusst mit den eigenen Emotionen auseinanderzusetzen.

Selbstsicher in die Lehrpraxis 

Für die Lehramtsstudierenden kann das Training eine wichtige Ergänzung zu den fachlichen und didaktischen Inhalten ihrer Ausbildung sein. „Von Lehrkräften wird in Bezug auf ihre Arbeit ein großes Maß an Objektivität erwartet und es entsteht das Gefühl, dass Emotionen im Klassenraum keinen Platz haben. Natürlich ist das aber nicht möglich“, sagt Master-Student Moritz Schuler. Das Onlineformat habe eine besonders vertrauensvolle Atmosphäre geschaffen und eine enge Betreuung ermöglicht. „Im Mittelpunkt des Seminars stand klar die Erfahrung und Auseinandersetzung mit den eigenen Emotionen. Dieses Thema ist per Definition sehr persönlich.“ Wie wichtig das Thema für die Ausbildung von Lehrenden ist, betonte auch Masterstudentin Lou Keil: „Als zukünftige Lehrerin ist es mir wichtig professionell und selbstbewusst im Unterricht zu handeln, in stressigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren und einen guten Draht zu meinen Schülerinnen und Schülern zu haben. Auch Achtsamkeit und Empathie spielen für mich eine wichtige Rolle im Umgang mit Emotionen und Bedürfnissen, seien es nun die eigenen oder die von anderen Personen.“ 

Student filmt sich bei Übung
© Moritz Schuler

Für Lehramtsstudent Moritz Schuler ein klarer Vorteil des Onlineformats: die sehr persönliche Auseinandersetzung mit den eigenen Emotionen konnten die Teilnehmenden in vertrauter Umgebung durchführen.

Student am Schreibtisch vor Laptop
© Moritz Schuler

Seit vier Jahren wird das Training von IPN und Uni Kiel angeboten, in diesem Jahr erstmals als Onlineformat.

Lehrende vor Präsentation
© Michaela Köller/Bastian Carstensen

Michaela Köller, CAU, und Bastian Carstensen, IPN, haben das Training zur Verbesserung der sozial-emotionalen Kompetenzen im Unterricht für Lehramtsstudierende konzipiert und führen es durch.

Kontakt:

Dr. Michaela M. Köller
Institut für pädagogisch-psychologische Lehr- und Lernforschung (IPL)
mkoeller@ipl.uni-kiel.de

Anna-Kristina Pries
Sachgebiet Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation