Klimawandelanpassung im Küstenschutz

Forschungsprojekt GoCoase stellt Ergebnisse öffentlich zur Diskussion

Am morgigen Donnerstag, 25. November, findet die öffentliche Abschlussveranstaltung des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Förderschwerpunkt „Ökonomie des Klimawandels II“ geförderten Projektes GoCoase statt. Unter dem Titel „Küstenschutzstrategien zur Anpassung an den Klimawandel: Institutionelle Steuerung und gesellschaftlicher Umgang“ werden die Ergebnisse des interdisziplinären Forschungsprojektes online vorgestellt. Das Projekt widmet sich vornehmlich dem Küstenschutz in Mecklenburg-Vorpommern, bezieht jedoch bundesweite Einstellungen der Bevölkerung zum Küstenschutz mit ein. Am Projekt beteiligt sind das Institut für Volkswirtschaftslehre an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), die Technische Universität Berlin, das Ludwig-Franzius-Institut für Wasserbau, Ästuar- und Küsteningenieurwesen an der Leibniz Universität Hannover (LuFI), das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IöW) sowie die EUCC-Die Küsten Union Deutschland.

„Die kommenden Jahre werden in Norddeutschland, ob in Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein, entscheidend sein, um Maßnahmen zur Anpassung an den fortschreitenden Klimawandel einzuleiten“, sagt Professorin Katrin Rehdanz vom Institut für Volkswirtschaftslehre an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Koordinatorin des Projektes GoCoase. „Dabei müssen wir Maßnahmen priorisieren und dazu auch in den Dialog mit der Bevölkerung treten, die letztendlich die Kosten für die Maßnahmen trägt. Ein vollständiges Abwenden aller Schäden an den Küsten, die durch Meeresspiegelanstieg, Sturmfluten oder Extremwetter-Ereignisse passieren können, wird nach meiner Einschätzung nicht mehr möglich sein.“

Im Rahmen des Projektes GoCoase beschäftigt sich die Expertin für Umwelt- und Ressourcenökonomie mit der Bereitschaft der Bevölkerung, für Küstenschutzmaßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu zahlen und fragt individuelle Präferenzen etwa für Deicherhöhungen, Sandvorspülungen oder die Rückverlegung von Deichen und Dünen ab. Die individuelle Zahlungsbereitschaft ist für Ökonomen ein wichtiger Indikator für den Nutzen von Maßnahmen und für die Akzeptanz von Anpassungsmaßnahmen. Der Nutzen kann anschließend im Rahmen einer volkswirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Analyse von öffentlichen Investitionen verwendet werden. Gemeinsam mit Andrea Wunsch, Doktorandin am Institut für Umwelt-, Ressourcen- und Regionalökonomik und Dr. Jürgen Meyerhoff von der TU Berlin, hat sie eine deutschlandweite Online-Befragung von rund 2.000 Menschen durchgeführt. Neben den Präferenzen für unterschiedliche Anpassungsmaßnahmen wurden auch Fragen zur Verteilung der finanziellen Lasten in Deutschland und zu den Ansichten und Einstellung zum Klimawandel gestellt. Die Befragungsergebnisse sollen politischen Entscheidern bei der Priorisierung von Maßnahmen helfen. „Wir müssen uns schon heute fragen, wie wir die Gesellschaft mitnehmen - auch bei konfliktären Maßnahmen wie beispielsweise dem Rückbau von Siedlungen oder Anlagen in besonders gefährdeten Gebieten“, erläutert Rehdanz. „Jedes Bauwerk, ob Deich, Ferienanlage oder Hafen, bedeutet langfristig auch Kosten für jeden Einzelnen. Dabei gilt es natürlich, gemeinsam abzuwägen, wo und welche Schutzmaßnahme sinnvoll ist.“

In der Abschlussveranstaltung werden zunächst die Bedürfnisse und Anforderungen des Küstenschutzes an der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern aus ingenieurwissenschaftlicher Sicht bewertet (LuFI). Daran anschließend werden die Ergebnisse der bundesweiten Befragung zur Ermittlung der Nutzen von Küstenschutzmaßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel in Mecklenburg-Vorpommern vorgestellt und diese mit den Kosten, die aus bereits durchgeführten Maßnahmen abgeleitet wurden, in einer Nutzen-Kosten-Analyse verglichen. Abschließend werden die Veränderung der Leitbilder des Küstenschutzes angesichts des Klimawandels dargestellt (IÖW) und die Bedeutung der Ergebnisse aus der Bevölkerungsumfrage und der Nutzen-Kosten-Analyse zur Diskussion gestellt.

Wissenschaftlicher Kontakt:

Professorin Katrin Rehdanz
Instituts für Umwelt-, Ressourcen- und Regionalökonomik
Telefon: +49 431/880-3289
rehdanz@economics.uni-kiel.de

Projektkommunikation:

Nardine Stybel
EUCC-Die Küsten Union Deutschland e.V.
Telefon: +49 381/5196422
stybel@eucc-d.de

Steilküste mit Warnschild
© Nardine Stybel, EUCC

Die norddeutschen Küsten wie hier in Mecklenburg-Vorpommern stehen unter Druck. Der fortschreitende Klimawandel erfordert Anpassungsmaßnahmen.

Düne mit Infoschild
© Stephanie Maack

Küstenschutzdünen bewahren das Land vor Uferrückgang und sind Puffer etwa für Häuser bei Sturmfluten.

Über Kiel Marine Science (KMS)

Kiel Marine Science (KMS), das Zentrum für interdisziplinäre Meereswissenschaften an der CAU widmet sich der interdisziplinären Erforschung der Meere an der Schnittstelle von Mensch und Ozean. Dabei bündeln die Forschenden ihre Expertise aus unterschiedlichen natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen und untersuchen die Risiken und Chancen, die das Meer für den Menschen bereithält und bilden die nächste Generation fachübergreifend aus. Gemeinsam mit Akteuren außerhalb der Wissenschaft arbeiten sie weltweit und transdisziplinär an Lösungen für eine nachhaltige Nutzung und den Schutz des Ozeans.

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