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Kieler Chemiker erhält Wilhelm-Klemm-Preis

Gesellschaft Deutscher Chemiker würdigt die Forschung von CAU-Professor Wolfgang Bensch mit bedeutender Auszeichnung

Professor Wolfgang Bensch vom Institut für Anorganische Chemie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) erhielt gestern den Wilhelm-Klemm-Preis. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) zeichnete den Kieler Festkörperchemiker beim Kongress „Wissenschaftsforum Chemie“ aus, der vom 15. bis 18. September in Aachen stattfindet. Mit dem Preis würdigt die GDCh Benschs wissenschaftliches Engagement für Festkörperchemie und Materialforschung, insbesondere seine innovative Forschung zur Verbindungsklasse der Chalkogenide, chemische Verbindungen mit den Elementen Sauerstoff, Schwefel, Selen und Tellur. Die alle zwei Jahre verliehene Auszeichnung gilt international als eine der wichtigsten auf dem Gebiet der Anorganischen Chemie.

Mit dem Wilhelm-Klemm-Preis zeichnet die GDCh vor allem Benschs Arbeit im Bereich neuer Syntheseverfahren und der in situ-Untersuchung der Bildung kristalliner Phasen aus. Bensch war vor rund zwanzig Jahren einer der ersten Wissenschaftler weltweit, der begann, den Verlauf chemischer Reaktionen in Echtzeit („in situ“) zu beobachten. Ziel war es, zu untersuchen, wie sich kristalline chemische Verbindungen in Materialien bilden. Dafür entwickelte Bensch zunächst geeignete Apparaturen, später auch in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) und anderen Arbeitsgruppen. „Ich freue mich sehr über diese Anerkennung meiner Arbeit. Beim Blick auf die bisherigen Preisträger wird man schon sehr stolz“, sagte Bensch. Zu seinen weiteren Forschungsgebieten gehören Elektrodenmaterialien für Batterien, Thermoelektrika, optische Datenspeicher oder Katalysatoren für verschiedene Anwendungen.

Bis jetzt blickt Bensch auf über 570 wissenschaftliche Publikationen in referierten internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften zurück. „An der Chemie fasziniert mich besonders, dass man immer wieder Neues entdeckt und seinen Horizont dauernd erweitert. Chemische Reaktionen überraschen uns häufig, und gerade das Unerwartete, das man im ersten Moment als Rückschlag für eine eigene Theorie auffassen könnte, bringt uns oft weiter“, so der anorganische Chemiker. 

Wolfgang Bensch, geboren 1953, studierte und promovierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach seiner Promotion 1983 arbeitete er als Postdoktorand an der Universität Zürich, bevor er zwischen 1986 und 1989 in der Industrie bei der Firma Siemens tätig war. Anschließend wechselte Bensch in die Forschung und habilitierte sich 1993 an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Seit 1997 ist er Professor für anorganische Festkörperchemie an der CAU.

Für seinen Einsatz in der Hochschuldidaktik erhielt Bensch 1999 außerdem zusammen mit zwei Kollegen den Lehrpreis des Landes Schleswig-Holstein. Er war Beiratsmitglied verschiedener Fachzeitschriften und von 2011 bis 2014 Berater der International Union of Crystallography (IUCr)-Kommission für Strukturchemie. Von 2010 bis 2017 war Bensch Vorsitzender der Fachgruppe „Festkörperchemie und Materialforschung“ der GDCh, seit 2012 vertritt er die Anorganische Chemie und Materialchemie als Kollegiat bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Über den Wilhelm-Klemm-Preis

Der Wilhelm-Klemm-Preis erinnert an den Münsteraner Professor Wilhelm Klemm, der mit seiner Forschung die anorganische Chemie voranbrachte. Alle zwei Jahre zeichnet die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) mit dem Preis Persönlichkeiten aus, die hervorragende Arbeit auf dem Gebiet der Anorganik leisten.Die GDCh gehört mit rund 31.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Alle zwei Jahre veranstaltet sie an wechselnden Orten in Deutschland das GDCh-Wissenschaftsforum Chemie.

Über den Forschungsschwerpunkt KiNSIS

Details, die nur Millionstel Millimeter groß sind: Damit beschäftigt sich der Forschungsschwerpunkt »Nanowissenschaften und Oberflächenforschung« (Kiel Nano, Surface and Interface Science – KiNSIS) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Im Nanokosmos herrschen andere, nämlich quantenphysikalische, Gesetze als in der makroskopischen Welt. Durch eine intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Physik, Chemie, Ingenieurwissenschaften und Life Sciences zielt der Schwerpunkt darauf ab, die Systeme in dieser Dimension zu verstehen und die Erkenntnisse anwendungsbezogen umzusetzen. Molekulare Maschinen, neuartige Sensoren, bionische Materialien, Quantencomputer, fortschrittliche Therapien und vieles mehr können daraus entstehen. Mehr Informationen auf www.kinsis.uni-kiel.de

Weitere Informationen:

www.wifo2019-aachen.de

Kontakt:
Prof. Dr. Wolfgang Bensch
Institut für Anorganische Chemie
Universität Kiel
+49 431 880-2091
E-Mail:  wbensch@ac.uni-kiel.de
www.ac.uni-kiel.de/bensch

Julia Siekmann
Referentin für Wissenschaftskommunikation, Forschungsschwerpunkt Kiel Nano Surface and Interface Sciences (KiNSIS)