Mit Crowdsourcing Spuren der deutsch-dänischen Vergangenheit entschlüsseln

Die UB Kiel auf der Nacht der Wissenschaft

Vor 100 Jahren stimmte das Volk über den heutigen Grenzverlauf zwischen Dänemark und Deutschland ab. In Schleswig-Holstein entstand in der Folge die dänische, in Dänemark die deutsche Minderheit. Aus diesem Anlass stellen auf der in diesem Jahr online stattfindenden Nacht der Wissenschaft am 27. November 2020 die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft, die Universitätsbibliothek (UB) Kiel und die Bibliothek der dänischen Partnerstadt Aarhus ihre digitalisierten Bestände zum Thema bereit. Dabei können in spannenden Workshops und Mitmachaktionen erste Erfahrungen im Text-Mining und in Visualisierungsoptionen gewonnen werden. Andere Materialien laden dazu ein, sich selbst ein Bild zu machen und in die Geschichte der deutsch-dänischen Beziehung einzutauchen. Die beteiligten Bibliotheken wollen damit zeigen, was Open Science leisten kann.

Die UB Kiel, deren traditioneller Schwerpunkt auf Nordeuropa liegt, reiht sich mit gleich zwei Einladungen zum gemeinsamen Stöbern in digitalen Quellen in das abwechslungsreiche Angebot ein. Zum einen sollen gemeinsam Teile der „Wenker-Bögen“, einer Dialektumfrage aus dem 19. Jahrhundert, entziffert werden, zum anderen geht es um die gemeinsame Arbeit an und mit den Kieler Adressbüchern von 1920.

Die Wenker-Bögen

Ende des 19. Jahrhunderts sammelte der deutsche Sprachwissenschaftler Georg Wenker (1852–1911) Dialekte im gesamten Deutschen Reich und nutzte dies als Grundlage für einen Sprachatlas. Konkret verschickte er Fragebögen an die Lehrerinnen und Lehrer in den Schulorten des damaligen Deutschen Reichs. Diese Fragebögen, die sogenannten Wenker-Bögen, enthielten von ihm formulierte Beispielsätze, die durch lokale Sprecherinnen und Sprecher in ihren Dialekt übersetzt werden sollten. Aus den Antworten leitete er die geographische Verteilung bestimmter Merkmale der Dialekte ab. Daneben untersuchte Wenker auch die nichtdeutschen Dialekte auf damals deutschem Territorium. Folglich gibt es neben anderen Minderheitensprachen auch Wenker-Bögen für Dänisch auf dem Gebiet des ehemaligen Herzogtums Schleswig (heute Südjütland und nördliches Schleswig-Holstein). Diese meist handschriftlichen dänischen Fragebögen wurden durch das Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas in Marburg digitalisiert und mit automatischer Texterkennung (OCR) lesbar gemacht. Bei diesem Verfahren kommt es immer wieder zu Erkennungsfehlern, die entdeckt und verbessert werden müssen. Und hier kommen die Teilnehmenden der Veranstaltung ins Spiel. Mit ihrer Hilfe sollen die Korrekturen vorgenommen und der Text verbessert werden. Dabei unterstützt sie das Team der UB Kiel beim gemeinsamen Entschlüsseln und Transkribieren im digitalen Raum.

Die Kieler Adressbücher

Die UB Kiel hat verschiedene historische Ausgaben der „Kieler Adressbücher“ digitalisiert und auf ihrer Plattform „Digitale Bestände der Universitätsbibliothek Kiel“ verfügbar gemacht. Der Zeitraum reicht von der zweiten Hälfte des 19. bis ins frühe 20. Jahrhundert. Auch bei diesen Digitalisaten sollen Fehler aus der Texterkennung korrigiert und Lücken ergänzt werden. Darüber hinaus besteht hier die Möglichkeit, Personen, Orte, Institutionen oder andere interessante Fundstücke zu markieren, die dann zukünftig leichter gefunden werden können. Zusätzlich hat sich das UB-Team einige knifflige Quizfragen ausgedacht – Fragen, mit denen eine Erforschung der Texte beginnen könnte.

  Anmeldung unter https://67km.eu/.

Das Wichtigste in Kürze:

Was: Spuren einer langen Nachbarschaft entdecken. Die deutsch-dänische Grenze digital.
Wann: 27. November 2020, 17–20 Uhr
Wo: Programm und Anmeldung unter https://67km.eu/

Logo
© UB Kiel

Das Angebot der Universitätsbibliothek Kiel zur Digitalen Nacht der Wissenschaft.

Screenshot einer Internetseite.
© UB Kiel

Teilnehmende können die Transkriptionen online bearbeiten.

Deckblatt eines Buches in Altdeutscher Schrift.
© UB Kiel

Ein Kieler Adressbuch steht digital zur Bearbeitung bereit.

Kontakt:

Dr. Rüdiger Schütt
Universitätsbibliothek Kiel
 0431/880-5419
schuett@ub.uni-kiel.de

Stabsstelle Presse, Kommunikation und Marketing der Kieler Universität
Sachgebiet Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation