Drei leere Kojen vor Spitzbergen

Forschungsteam der Uni Kiel vergibt freie Plätze auf Arktisexpedition

Walross am arktischen Strand
© Marc Lucas

Die Route der Expedition führt auch an Brutstränden und Walrosskolonien vorbei.

Wer schon immer die raue Schönheit der Arktis bewundert hat und vielleicht sogar eine passende Projektidee für die Polarregion mitbringt, hat im kommenden Jahr die Chance auf ein einmaliges Erlebnis: Im Rahmen der Timeless Arctic Expedition im August 2021 (TA2021) bietet das Forschungsteam um Dr. Frigga Kruse vom Institut für Ökosystemforschung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) Plätze auf einem Expeditionsschiff vor Spitzbergen an. Knapp drei Wochen lang wird die Crew Küsten der Inselgruppe zwischen Norwegen und Nordpol anfahren. Zentraler Forschungsgegenstand werden archäologische Tierknochensammlungen sein. „Wir können die Ziele des Timeless Arctic Projekts mit unserem Kernteam erreichen“, sagt Projektleiterin Kruse, „da das Schiff aber mehr Kojen hat, möchten wir uns noch unbekannten Menschen diese Chance bieten.“ Die drei leeren Betten sollen an je eine Forscherin oder einen Forscher, Schülerin oder Schüler sowie Studentin oder Studenten gehen.

Knochen in der Landschaft
© Frigga Kruse

Im Zentrum der Expedition Timeless Arctic 2021 stehen Untersuchungen von Knochenansammlungen an Spitzbergens Stränden.

Es ist äußerst selten, dass Außenstehende die Möglichkeit erhalten, an einer Arktisexpedition teilzunehmen – darüber hinaus ist eine solche Reise normalerweise mit hohen Kosten verbunden. Für die Teilnahme an TA2021 beläuft sich die Selbstbeteiligung lediglich auf den Hin- und Rückflug nach und die Unterkunft in Longyearbyen, dem Verwaltungszentrum Spitzbergens. Enthalten sind Transport, Logie und Mahlzeiten auf dem Expeditionsschiff MS Ulla Rinman sowie die Exkursionen mit Guide. Bewerberinnen und Bewerber müssen volljährig sein und eine Projektidee einreichen. Eigene Feldstudien sind möglich, sofern sie in die Logistik der Tour passen. Einsendeschluss ist der 15. Januar 2021. Kruse: „Die Liste möglicher Forschungsfragen und Methoden, die in den Rahmen der Expedition passen, ist lang. Es bieten sich vor allem Projekte an, die sich mit Umwelt, Artenvielfalt oder der menschlichen Dimension in der Region befassen.“ Die Route orientiert sich insbesondere an früheren Walrossschlachtplätzen und Fuchsfallen, die Fundorte geben Aufschluss über Mensch-Tier-Umwelt-Beziehungen vergangener Zeiten.  

Fit für eine Polarexpedition?

Portrait
© Annie Crawley

Forschungsleiterin Frigga Kruse begleitet die Exkursionen auch als Guide und ausgebildete Bärenwache.

Die Inselgruppe ist nur wenige Wochen im Jahr schneefrei, daher startet die Expedition voraussichtlich am 7. August bei Durchschnittstemperaturen unter 5 Grad Celsius. Grundsätzlich sind Erfahrungen in der Region für eine Bewerbung nicht notwendig. Interessierte sollten jedoch physisch und psychisch den polaren Herausforderungen gewachsen sein – dazu gehört auch das Risiko von Eisbärbegegnungen bei Landgängen. „Die größte Umstellung ist nicht etwa die Mitternachtssonne. Für Erwachsene ist es immer ungewohnt, sich nicht mehr als 30 Meter von einem Aufpasser entfernen zu dürfen“, erklärt Kruse, die selbst als Guide und Bärenwache qualifiziert ist und deren Forschungsvorhaben im Rahmen eines Freigeist-Fellowships der Volkswagenstiftung gefördert wird.

An Bord werden neben der vierköpfigen Schiffscrew sieben Projektbeteiligte sein: Von Archäozoologinnen über einen Naturfotografen, einen wissenschaftlichen Illustrator, einen Drohnenpiloten, einen Mitarbeiter der Öffentlichkeitsarbeit und eine expeditionserfahrene Autorin zum Thema Plastikmüll sind ganz verschiedene Arbeitsbereiche dabei vertreten. Von möglichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern wird erwartet, dass sie sich ins Expeditionsvorhaben einbringen und die Öffentlichkeitsarbeit von TA2021 unterstützen. Es ist dem Forschungsprojekt ein besonderes Anliegen, die Gesellschaft kreativ einzubeziehen, etwa über Social Media. Zum Facebookaccount des Projekts

Wer sich bewerben möchte, sollte zunächst das Informationspaket mit allen weiteren Details zur Bewerbung anfordern unter timelessarctic@gmail.com. Hier gibt es auch Hilfestellung zur Entwicklung des eigenen Projekts. Im Anschluss wird es die Möglichkeit geben, in einem Workshop offene Fragen zu klären und die Beteiligten kennenzulernen. Das Projektteam bittet ausdrücklich darum, nur ernstgemeinte Bewerbungen und Projektentwürfe einzusenden. Mehr zur Timeless Arctic Expedition 2021

Forscherin gräbt Knochen aus
© Frigga Kruse

Archivbild: Archäologin Rosanne van Bodegom bei Knochenuntersuchungen auf Spitzbergen 2019.

Menschen auf einem Schiff
© Norlengs GmbH

Mit an Bord: Die Schiffscrew der MS Ulla Rinman. Das Forschungsschiff mit Heimathafen Longyearbyen ist regelmäßig in Nordeuropa und der Arktis unterwegs.

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Wissenschaftlicher Kontakt:

Dr. Frigga Kruse
Ökosystemforschung und Ökosystementwicklung
fkruse@ecology.uni-kiel.de 

Pressekontakt:

Anna-Kristina Pries
Sachgebiet Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation