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Wehret dem Papierzerfall

Universitätsbibliothek erhält 100.000 Euro, um Bücher und Zeitschriften zu erhalten

Seit über 100 Jahren pflegt die Universitätsbibliothek Kiel (UB) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) eine Sondersammlung in- und ausländischer Werke aus dem nordeuropäischen Kulturkreis. Doch zahlreiche dieser wertvollen Kulturgüter sind von irreparablen Schäden bedroht. Um diesem Papierzerfall entgegenzuwirken, fördert die Landesregierung Schleswig-Holstein seit einigen Jahren den Erhalt des schriftlichen Kulturgutes. Zusammen mit Sondermitteln des Bundes von der „Koordinierungsstelle für die Erhaltung schriftlichen Kulturguts“ wurden der Universitätsbibliothek jetzt 100.000 Euro speziell für die Sondersammlung aus Nordeuropa übergeben.

„Wie in allen Bibliotheken und Archiven nagt auch an den Schätzen der UB Kiel der Säurefraß. Nahezu alles zwischen 1850 und 1990 zu Papier Gebrachte ist davon bedroht“, erklärt die für die Bestandserhaltung an der UB verantwortliche Mitarbeiterin Anja Steinhauer. „In dieser Zeitspanne wurde fast ausschließlich säurehaltiges Papier beschrieben und bedruckt. Das löst sich nun allmählich auf. Ein Blatt im Endstadium zerfällt bei der leichtesten Berührung zu Staub und mit ihm die Informationen, die es transportiert. Den Säurefraß aufzuhalten, ist eine große Aufgabe“, beschreibt Steinhauer ihre Arbeit.

Das Verfahren zur sogenannten Massenentsäuerung ist aufwändig und kostspielig. Nur wenige Spezialfirmen in Deutschland nehmen sich überhaupt dieser Aufgabe an. Dabei werden die als schützenswert erkannten Bücher und Zeitschriften in einem Vakuum in ein Entsäuerungsbad getaucht, das die Säure neutralisiert. Anschließend wird das Lösungsmittel entzogen und die Bücher werden „rekonditioniert“, also wiederaufbereitet.

„Nachdem in den vergangenen Jahren schon große Bestände auf diese Weise entsäuert wurden, können wir mit der neuerlichen Förderung nun mehrere Tausend Bände aus Nordeuropa schützen“, freut sich Steinhauer über die erneute Förderung.

Hintergrundinformationen:

Die historisch gewachsenen engen Beziehungen zu den nordischen Ländern haben die Bestandsgeschichte der Universitätsbibliothek Kiel nachhaltig beeinflusst. Nach der 1773 erfolgten Anbindung des gottorfischen Anteils des Herzogtums Holstein an Dänemark profitierte die Bibliothek durch Dublettenabgaben der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen und nicht zuletzt durch zahlreiche Geldgeschenke des Königs. 1811 wurden erstmals Sondermittel für die Beschaffung dänischer Bücher bewilligt. Die erste ordentliche Professur für nordische Philologie wurde 1865 mit Theodor Möbius (1821-1890) besetzt. Ihm verdankt die Bibliothek einen Grundstock von etwa 1.100 Bänden ihrer vor dem Zweiten Weltkrieg sehr bedeutenden Sammlung an Islandica.

Im Zweiten Weltkrieg fielen 250.000 Bände – die Hälfte des damaligen Gesamtbestandes der Bibliothek – den Bomben zum Opfer, darunter auch etwa 30 Prozent des Bestandes an Islandica. Die Kontakte der Bibliothek mit den nordischen Ländern erleichterten die Wiederaufnahme der Sammeltätigkeit und die nach den Kriegsverlusten notwendigen Ergänzungen des Altbestandes. 

Im Rahmen des bundesweiten Förderprogramms „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft“ wurde das Sondersammelgebiet (SSG) im Jahr 2016 durch den Fachinformationsdienst Nordeuropa (FID) abgelöst, der Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen in Deutschland zukünftig einen weitgehend standortunabhängigen Zugriff auf Literatur und Onlineressourcen zum Raum Nordeuropa ermöglicht. Zu diesem Zweck wird nicht nur der umfangreiche Bestand des SSG weitergeführt, sondern der Fokus vermehrt auch auf die Erschließung von online verfügbaren Datenbanken, Zeitschriften, Volltexten und anderen digitalen Ressourcen gelegt. Pflege und Erhalt dieses einzigartigen Bestandes zählen aber weiterhin zu den zentralen Aufgaben der Kieler UB.

Kontakt:

Anja Steinhauer
Leitung Bestandserhaltung / Restaurierung
Universitätsbibliothek Kiel
0431/880-2704
steinhauer@ub.uni-kiel.de

Pressekontakt:

Claudia Eulitz
Sachgebietsleitung Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation