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Ehrendoktorwürde für Bundespräsident a.D. Joachim Gauck

Die Theologische Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) hat Bundespräsident a.D. Joachim Gauck am Montag, 29. Oktober, den Ehrendoktortitel der Theologie verliehen. Bei einer akademischen Feier in Kiel würdigten hochrangige Vertreter der schleswig-holsteinischen Landespolitik, der Landeskirche und der Landesuniversität, darunter Ministerpräsident Daniel Günther und Landesbischof Gerhard Ulrich, der Dekan der Theologischen Fakultät Professor Enno Edzard Popkes sowie CAU-Präsident Professor Lutz Kipp Gauck als Fürstreiter für die Freiheit als Grundbestand demokratischer und rechtsstaatlicher Ordnung. Musikalisch begleitet wurde die Festveranstaltung durch die Vokalpop-Gruppe EMMA. Zuvor trug sich Joachim Gauck in das Gästebuch der Universität ein.

Joachim Gauck habe darüber, „welche Haltungen wir vertreten und welche Rolle wir übernehmen möchten als Menschen, als Mitbürgerinnen und Mitbürger, als Gesellschaft im Miteinander anderer Gesellschaften in einer globalisierten Welt“ vielen Menschen durch sein theologisches und politisches Wirken wichtige Orientierung gegeben, begrüßte CAU-Präsident Kipp etwa 500 Gäste im Audimax der Kieler Universität. „Auch die Universitäten betrachten die Zukunft als eine Aufgabe, die aktiv gestaltet werden kann. Deshalb freue ich mich ganz besonders zu erleben, wie groß das Interesse unserer Studierenden an disziplinübergreifenden Themen wie Nachhaltigkeit, Sozialunternehmertum, globaler Ethik und Umweltgerechtigkeit und besonders auch an der Toleranzforschung ist“, so Kipp weiter.

Für die Deutschen sei es ein Glücksfall, dass Gauck sie als Bundespräsident vertreten habe, betonte Ministerpräsident Daniel Günther. Gauck sei ein Verfechter der Demokratie und ein Freund Europas. „Sie haben immer Überparteilichkeit gewahrt. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stand die Idee der Würde des Menschen als Voraussetzung für die Demokratie. Ich hoffe, dass sich die Politik immer wieder an ihr Wirken erinnern und sich daran ausrichten wird. Mit dem, wie Sie gewirkt haben, passen Sie zu diesem Land. Ihr Optimismus eröffnet Wege in die Zukunft“, so Günther.

Mit Blick auf die Arbeit Gaucks in Mecklenburg würdigte Landesbischof Gerhard Ulrich dessen Lebensleistung als Seelsorger, Bürgerrechtler und Politiker: „Sie bestechen durch einen weiten Horizont im Denken und Respekt vor dem Fremden und Anderen. Im Bewusstsein der Grenzen des Machbaren sind Sie ein Mann der klaren Worte und erdverbunden. Als Geistlicher haben Sie sich der gerechten Sache wegen mit den Mächtigen angelegt.“ Nach der Wende habe Gauck das DDR-Unrecht beim Namen genannt. Für ihn sei die Erinnerung daran Vorbedingungen für Vergebung und Versöhnung gewesen, so Ulrich weiter. Damit habe der Geehrte wichtige ideelle Weichen für den Prozess der deutschen Wiedervereinigung gestellt.

In seiner Laudatio bezeichnete der Prodekan der Kieler Theologischen Fakultät, Professor Andreas Müller, Joachim Gauck als Politiker und Menschen, „der in entscheidenden Positionen unserer Gesellschaft tätig war und es auch heute noch ist.“ So habe sich Gauck unschätzbare Verdienste um die deutsche Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit erworben, indem er sich als Bundespräsident politisch brisanter Themen wie des Genozids an den Armeniern um das Jahr 1915 oder der Exzesse der Wehrmacht in Griechenland angenommen habe. Müller: „Wir ehren ihn aber vor allem als Theologen, weil die Theologische Fakultät der festen Überzeugung ist, dass Theologie, genauer Theologinnen und Theologen, auch weit über die Grenzen von Kirche hinaus unsere Gesellschaft in konstruktiver Weise zu prägen vermögen, auch wenn sie nicht im Dienste der Kirche stehen, und weil wir der Überzeugung sind, dass Joachim Gauck dies als homo theo-politicus in ganz besonderer Weise erkennbar macht.“  

Nach der Verleihung der Ehrendoktorwürde durch den Dekan der Theologischen Fakultät Professor Enno Edzard Popkes beleuchtete Gauck in seiner Ansprache den Zusammenhang zwischen Angst, Freiheit und Zukunftsbewältigung. „Es ist erstaunlich, wie viele Menschen in Zeiten vorhandener Freiheit Furcht vor der Freiheit entwickeln“, sagte Gauck. Daher lohne es, die Gesellschaft unter dem Aspekt der Angst näher zu betrachten. Schneller gesellschaftlicher Wandel durch Entwicklungen wie Migration, Globalisierung oder Digitalisierung erzeuge zunehmend existentielle Angst bei vielen Menschen, so der ehemalige Bundespräsident. Dies werfe Fragen auf, die die Gesellschaft beantworten müsse. Geschehe dies nicht, würden politische Verführer das Bedürfnis nach Sicherheit, Eingebundenheit und Heimat erfüllen. Dagegen kann die Zivilgesellschaft jedoch etwas tun, so Gauck: „Wir sollten den Menschen die Wahrheit zumuten. Der Wandel, der schnelle Wandel, wird das Momentum der Zukunft sein. Es geht jetzt deshalb darum, die Menschen zu ermächtigen, ihr Leben zu bewältigen, im Bewusstsein, Akteur ihres eigenen Lebens zu sein. Dafür muss Politik den Rahmen schaffen, bei Migration, Wohnen, Bildung oder Globalisierung. Das ist eine schwierige Aufgabe für alle, die es gewohnt sind, Zukunft zu gestalten. Die Argumente der Demokraten sind dabei gar nicht so schlecht.“

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