Kiel vertritt deutsche Evolutionsforschung auf größter europäischer Fachtagung

Auf Einladung der DFG präsentiert das Kiel Evolution Center aktuelle Trends aus der Evolutionsbiologie auf der ESEB-Tagung 2018.

Einmal im Jahr kommt die umfangreiche Gemeinschaft der internationalen Evolutionsforschenden zusammen, um sich über aktuelle Entwicklungen und neue Ergebnisse auf ihrem wissenschaftlichen Feld auszutauschen: An der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Evolutionsbiologie (Englisch: European Society for Evolutionary Biology, ESEB) vom 19. bis 22. August nehmen in diesem Jahr rund 2.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Europa und der ganzen Welt teil. Auch ein Team des Kiel Evolution Center (KEC) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist bei der gestern im französischen Montpellier gestarteten Konferenz vertreten. Diese europäische Bühne nutzen die Kieler Forschenden im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), um stellvertretend für den Wissenschaftsstandort Deutschland ihre Arbeiten und insbesondere auch Karriereperspektiven für Nachwuchsforschende in der deutschen Evolutionsbiologie vorzustellen. Eine Besonderheit des ESEB-Meetings ist in diesem Jahr, dass die vier weltweit größten akademischen Vereinigungen in der Evolutionsbiologie die Tagung gemeinsam veranstalten. Daher richten auch die wichtigsten US-amerikanischen Partnerverbände die Konferenz mit aus. Diese besondere Konstellation, die nur alle sechs Jahre zustande kommt, zeigt sich im deutlich größeren Umfang der Veranstaltung mit rund 800 Vorträgen an vier Konferenztagen.

Die ESEB-Konferenz kann sich in diesem Jahr daher einem besonders breiten Themenspektrum zum Beispiel von Grundlagenaspekten der Evolutionstheorie, über das evolutionäre Zusammenspiel von Organismen und Symbionten bis hin zum Einfluss der Evolution auf die globale Biodiversität widmen. Ein wichtiger Aspekt darunter ist auch die schnelle Evolution von Resistenzen bei Bakterien, Viren und vielen weiteren Organismen gegenüber Medikamenten, Pflanzenschutzmitteln oder anderen Wirkstoffen. Die Resistenzevolution spielt in vielen gesellschaftlich bedeutenden Bereichen von der Medizin über die Landwirtschaft bis hin zur Umwelt eine wichtige Rolle, da sie etwa die Wirksamkeit von Therapien und Schutzmaßnahmen gefährdet. Forschende weltweit und ebenso an der CAU untersuchen sie an zahlreichen Beispielen, um den Ablauf evolutionärer Anpassungen im Detail studieren zu können. Sie streben nach einem umfassenden konzeptionellen Verständnis der Resistenzevolution, um künftig ihre Ausbildung und Verbreitung kontrollieren und eindämmen zu können.

Von ganz besonderer Bedeutung für die Forschenden ist zudem der Einfluss des Mikrobioms auf die Evolution von Organismen. Zu diesem Thema richten zwei Kieler Forschungsinitiativen, das KEC gemeinsam mit dem Sonderforschungsbereich (SFB) 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ ein Symposium innerhalb der Tagung aus. „Unser Verständnis der Evolution ist derzeit im Umbruch“, sagt der CAU-Evolutionsbiologe Professor Hinrich Schulenburg, KEC-Sprecher und Vertreter des SFB 1182. „Erst vor kurzem wurde klar, dass die in jedem Lebewesen existierenden Mikroorganismen einen enormen Einfluss auf seine Eigenschaften und Merkmale und somit auch auf die Evolution von Mensch, Tier und Pflanze insgesamt haben“, so Schulenburg weiter. „Die Zusammensetzung des Mikrobioms wird dabei stark von ökologischen Prozessen bestimmt, deren Rolle für die Evolution von Tieren und Pflanzen wir bisher jedoch nur unzureichend verstehen“, ergänzt Professor Brendan Bohannan von der Universität Oregon, Gastredner des Symposiums. Direkt vor der Evolutionstagung besuchte Bohannan die CAU in Kiel, um sich vor Ort mit den Arbeitsgruppen des SFBs auszutauschen.

Ein wichtiger Bestandteil der Konferenz in Montpellier ist zudem das umfangreiche Beratungsangebot für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler: Dazu tragen auch die deutschen Evolutionsforschenden mit einem gemeinsamen Stand unter dem Dach von „Research in Germany“, einer Initiative des Bundesforschungsministeriums (BMBF) zur Stärkung der internationalen Sichtbarkeit des Forschungsstandorts Deutschland, bei. Im Verbund mit Vertreterinnen und Vertretern der DFG und verschiedener anderer deutscher Förderorganisationen schaffen sie einen Überblick über aktuelle Forschungsinitiativen und Fördermöglichkeiten in der bundesweiten Evolutionsforschung. „Die CAU hat sich in den letzten Jahren gemeinsam mit ihren Partnerinstitutionen in der Region zu einem Hotspot der Evolutionsbiologie entwickelt. Diese Stärke werden wir herausstellen, um für die Kieler Universität zu werben“, betont Schulenburg. Für die Kieler Evolutionsforschenden stellt die ESEB-Tagung damit eine ideale Gelegenheit dar, um den Standort Kiel und seine ambitionierten Forschungsaktivitäten weltweit bekannt zu machen.

Weitere Informationen:

Arbeitsgruppe Evolutionsökologie und Genetik, Zoologisches Institut, CAU Kiel
www.uni-kiel.de/zoologie/evoecogen

Forschungszentrum „Kiel Evolution Center“, CAU Kiel:
www.kec.uni-kiel.de

Evolution Montpellier 2018, Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Evolutionsbiologie
www.evolutionmontpellier2018.org/home

Europäische Gesellschaft für Evolutionsbiologie (ESEB):
www.eseb.org

Über das KEC

Das Kiel Evolution Center (KEC) als interaktive Wissenschaftsplattform an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) setzt sich zum Ziel, Evolutionsforscherinnen und -forscher in der Region Kiel besser zu koordinieren. Daneben sollen unter dem Schlüsselbegriff „Translationale Evolutionsforschung“ gezielt Brücken zwischen Grundlagenforschung und Anwendung geschlagen werden. Neben der Förderung der Wissenschaft stehen ausdrücklich auch Lehre und Öffentlichkeitsarbeit im Fokus des Kiel Evolution Center. Daran beteiligt sind neben der CAU auch Forschende vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, dem Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön (MPI EB) und dem Forschungszentrum Borstel (FZB), Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften.

Kontakt:

Prof. Hinrich Schulenburg
Sprecher „Kiel Evolution Center“ (KEC), CAU Kiel
Telefon: 0431/880-4141
E-Mail: hschulenburg@zoologie.uni-kiel.de

Pressekontakt:

Christian Urban
Referent für Wissenschaftskommunikation