Forschung | Geisteswissenschaft | Naturwissenschaft

Öffentliche Ausgrabung: Spurensuche hinterm Supermarkt

Am Ortsrand von Bornhöved erforschen Kieler Archäologinnen seit Mitte Juli einen jungsteinzeitlichen Grabhügel

In unmittelbarer Nachbarschaft von Supermärkten und Wohnhäusern graben Wissenschaftlerinnen und Studierende des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der CAU nach den Überresten eines rund 4.000 Jahre alten Bestattungsplatzes, der geplanten Baumaßnahmen im Wege steht. An diesem Sonntag, 16. September, können Interessierte von 10 bis 16 Uhr die Ausgrabungsstätte besichtigen und Einblick in die Arbeitsweise der Archäologinnen nehmen. Neben Führungen gibt es auch eine Mitmachaktion für Kinder.

Den Forscherinnen verriet sich der Grabhügel nur durch eine flache Erhebung auf dem Feld, unseren steinzeitlichen Vorfahren dagegen bot sich ein ganz anderes Bild. Der Hügel war von einem Graben umgeben und im Abstand von drei Metern mit einer Pfostenreihe eingefasst. „Möglicherweise umgab sogar eine Palisade die Hügelaufschüttung. Die Konstruktion war weithin sichtbar – ein eindrucksvolles Bauwerk zu seiner Zeit, was die eher flache Hügelschüttung sicherlich wettmachte“, erläutert Projektleiterin Dr. Jutta Kneisel.

Die Ausgrabung hat bereits viel Interessantes zutage gefördert: „Schon jetzt wissen wir, dass der Hügel immer wieder aufgesucht wurde. Nachbestattungen aus dem ersten Jahrtausend vor Christus und sogenannte Kochsteingruben belegen dies. Der jüngste Fund besteht aus einer renaissancezeitlichen Abfallgrube“, so Kneisel, die im Rahmen des Sonderforschungsbereiches (SFB) 1266 „TransformationsDimensionen“ der CAU den Fundplatz untersucht.

Noch suchen die Archäologinnen nach dem Zentralgrab und hoffen, dass es die Zeit ungestört überdauert hat. Denn bereits in den vergangenen Jahrhunderten waren Neugierige, Sammler und Altertumsforscher in der Gegend unterwegs, um die Grabhügel zu „trichtern“ und nach interessanten Funden zu suchen. Dabei wurde viel zerstört und die Funde aus dem Kontext gerissen. Das ist ärgerlich, denn erst der Kontext,der Aufbau des Hügels, seine verschiedenen Nutzungsphasen mit Nachbestattungen und den Überbleibseln festlicher Aktivitäten am Hügelrand, ermöglicht es, die Vergangenheit zu rekonstruieren und damit die Besiedlungsgeschichte der Region über die Jahrtausende zu erzählen. Noch bis Ende Oktober haben die Archäologinnen Zeit, alle Befunde, Gruben, Nachbestattungen und den Hügel auszugraben.

Das Wichtigste in Kürze:
Was: Öffentliche Besichtigung der Ausgrabung in Bornhöved
Wann: Sonntag, 16. September 2018, 10:00 bis 16:00 Uhr
Wo: Bornhöved, Zufahrt vom Kornkamp aus

Mehr Informationen:
www.sfb1266.uni-kiel.de

Über den SFB 1266:
Der „SFB 1266: TransformationsDimensionen - Mensch-Umwelt Wechselwirkungen in Prähistorischen und Archaischen Gesellschaften“ vereint transdisziplinäre Forschungstätigkeiten an acht Instituten der CAU Kiel (Geographie, Geowissenschaften, Klinische Molekularbiologie, Ökosystemforschung und Informatik, Ur- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie, Philosophie) und der Johanna-Mestorf-Akademie sowie dem Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie und dem Landesmuseum Schloss Gottorf. Der SFB profitiert von langjährigen wissenschaftlichen und inhaltlichen Kooperationen der Graduiertenschule „Human Development in Landscapes“ und dem DFG- Schwerpunktprogramm „Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung“ (1400). Mit dem Fokus auf prähistorischen und archaischen Transformationsprozessen im Mensch-Umwelt-Wirkungsfeld ist er ein Element des Forschungsschwerpunktes SECC (Socio-Environmental-Cultural Change) der CAU Kiel, in dem die komplexen Zusammenhänge, Muster und Folgen menschlicher Aktion und veränderter Umwelt erforscht werden.

Wissenschaftlicher Kontakt:

Dr. Jutta Kneisel
Institut für Ur- und Frühgeschichte
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Telefon: 0431/880-5925
jkneisel@ufg.uni-kiel.de

Pressekontakt:

Sachgebiet Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation
0431/880-2104
Details