Professor Rob Knight mit Kieler Möbius-Preis geehrt

CAU-Sonderforschungsbereich 1182 zeichnet renommierten Mikrobiologen aus San Diego für seine Pionierarbeit in der Mikrobiomforschung aus

Am gestrigen Mittwoch, 7. September, verlieh der Sonderforschungsbereich (SFB) 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) erneut seinen wichtigsten Wissenschaftspreis, das sogenannte Karl August Möbius-Fellowship. Nachdem die feierliche Zeremonie Corona-bedingt verschoben werden musste, konnte der neuseeländisch-amerikanische Mikrobiologe Professor Rob Knight von der University of California in San Diego (UCSD) die Auszeichnung nun persönlich in Kiel entgegennehmen. Knight zählt zu den einflussreichsten Persönlichkeiten in der Mikrobiomforschung und befindet sich regelmäßig in den weltweiten Top 100 der meistzitierten Forschenden aller wissenschaftlichen Disziplinen.

Der international angesehene Wissenschaftler erhält die mit 10.000 Euro dotierte Kieler Auszeichnung für seine Pionierarbeit auf dem Gebiet der Mikrobiomforschung und die damit verbundenen besonderen Verdienste für ein besseres Verständnis des Zusammenhangs von Mikrobenbesiedlung des Körpers und menschlicher Gesundheit. Knight, Gründungsdirektor des „Center for Microbiome Innovation“ an der UCSD, gilt weltweit als einer der bedeutendsten Experten auf dem Gebiet der menschlichen Mikrobiomforschung. Im Rahmen einer Feierstunde im CAU-Zentrum Molekulare Biowissenschaften (ZMB) übergab SFB 1182-Sprecher Professor Thomas Bosch den Möbius-Preis an Knight, der in seinem anschließenden Plenarvortrag mit dem Titel "Neuausrichtung der Mikrobiomforschung und Ressourcen im Kampf gegen die COVID-19-Pandemie" über aktuelle Perspektiven des Forschungsgebiets berichtete.
 

Vordenker der Mikrobiomforschung

Rob Knight hat in den vergangenen Jahren zahlreiche, auf umfangreichen Genom-Sequenzierungsstudien beruhende, Forschungsergebnisse vorgelegt, die Abweichungen in der Mikrobiomzusammensetzung bei gesunden und kranken Menschen belegen. So hat er unter anderem Unterschiede zwischen den Darmmikroben fettleibiger und schlanker Menschen aufgedeckt, gezeigt, dass sich das menschliche Mikrobiom je nach geografischer Herkunft drastisch verändert, oder dass per Kaiserschnitt geborene Babys eine abweichende Mikrobenbesiedlung aufweisen. Aktuell arbeitet Knight daran, die Zusammenhänge von Mikrobiom und COVID-19 zu erforschen und die Überwachung neuer Coronavirus-Varianten zu verbessern. Insgesamt hat der Mikrobiologe entscheidenden Anteil daran, die Mikrobiomforschung als elementaren Bestandteil der modernen Lebenswissenschaften und Medizin zu etablieren.

„Knights Arbeiten zeigen vorbildhaft, welche fundamentale Rolle die Beziehungen von Wirtslebewesen und Mikroorganismen für die menschliche Gesundheit spielen. In einer beispiellosen Bandbreite hat er wichtige Erkenntnisse über den Einfluss verschiedenster Faktoren etwa aus Umwelt, Medizin oder Ernährung auf die Zusammensetzung und Störung des menschlichen Mikrobioms geliefert. Für die Krankheitsursachenforschung sind seine Erkenntnisse von unschätzbarem Wert und werden künftig dabei helfen, zivilisatorisch bedingte Erkrankungen wie Diabetes, Morbus Crohn oder chronische Entzündungskrankheiten behandeln oder sogar heilen zu können“, erklärt Gastgeber Bosch vom SFB 1182. „Für unseren Sonderforschungsbereich sind Knights wissenschaftliche Leistungen daher von zentraler Bedeutung und machen ihn in besonderer Weise zu einem verdienten Träger des Kieler Möbius-Preises“, so Bosch weiter.
 

Das Mikrobiom und die Corona-Pandemie

Obwohl die COVID-19-Pandemie durch ein einziges Virus und seine fortwährende evolutionäre Anpassung verursacht wird, vermuten Forschende, dass auch das menschliche Mikrobiom insgesamt den Verlauf von Infektionsgeschehen und Krankheit beeinflussen könnte. Die Erforschung dieser Zusammenhänge verspricht zum Beispiel ein besseres Verständnis der Wirksamkeit von Impfstoffen oder Perspektiven für mögliche Mikrobiom-basierte Therapien. Knight untersucht zurzeit gemeinsam mit seinem Forschungsteam verschiedene Facetten der Wechselwirkungen zwischen menschlichem Mikrobiom und COVID-19, zum Beispiel, ob und wie sich verschiedene Zusammensetzungen der mikrobiellen Besiedlung auf den Krankheitsverlauf auswirken.

In Knights Labor entwickelten Forschende zudem innovative Methoden, um im Abwasser frühe Hinweise auf die Entstehung und mögliche schnelle Verbreitung neuer SARS CoV-2-Varianten erkennen zu können - lange bevor sich diese im klinischen Alltag bemerkbar machen. Abwasserüberwachungen werden bereits weltweit eingesetzt, um die Zu- oder Abnahme von Infektionsfällen unabhängig von Bevölkerungstests zu beobachten. Knight und seinen Kolleginnen und Kollegen gelang es nun jedoch, die Analyse der viralen Erbinformationen aus solchen Proben so zu verbessern, dass auch unterschiedliche und neue Coronavirus-Varianten und ihre Häufigkeit herausgelesen werden können. Damit liefern sie einen bedeutenden Beitrag, um die Reaktion des öffentlichen Gesundheitswesens in der Pandemie zu beschleunigen und so mit der anhaltenden Virusevolution Schritt halten zu können.
 

Renommierte Preisträgerinnen und Preisträger

Rob Knight reiht sich als Kieler Möbius-Fellow in den Kreis bedeutender internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Mikrobiomforschung ein, die seit 2016 vom Kieler SFB 1182 geehrt wurden. Dazu zählen unter anderem Professorin Angela Douglas von der Cornell University, in Ithaca, USA, Professor Martin Blaser von der Rutgers University in New Jersey, USA, und Professor Eugene Rosenberg gemeinsam mit Dr. Ilana Zilber-Rosenberg von der israelischen Universität Tel Aviv. Die Mitglieder des Kieler Sonderforschungsbereichs hoffen, dass ihr Wissenschaftspreis dazu beiträgt, die zentrale Bedeutung der Erforschung des Zusammenspiels von Wirtslebewesen und Mikroorganismen für Gesundheit und Krankheit auch in der Öffentlichkeit bekannter zu machen.

Über den Namensgeber Karl August Möbius:
Der Zoologe und Ökologe entdeckte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Kiel mit dem Konzept der Biozönose die gegenseitige Abhängigkeit von unterschiedlichen Lebewesen innerhalb einer Lebensgemeinschaft. Die heutigen Metaorganismus-Forschenden in Kiel und ihre Partnerinnen und Partner weltweit führen die von Möbius geschaffene Forschungsrichtung fort, indem sie das Konzept der multiorganismischen Beziehungen und seine Bedeutung für Gesundheit und Krankheit von Mensch, Tier und Pflanze weiterentwickeln.

 

Zwei Männer präsentieren eine Urkunde
© Christian Urban, Uni Kiel

Prof. Rob Knight von der University of California San Diego erhielt das Kieler Möbius-Fellowship für seine Pionierarbeit auf dem Gebiet der Mikrobiomforschung, rechts im Bild: SFB 1182-Sprecher Prof. Thomas Bosch.

Ein Mann spricht vor Publikum.
© Christian Urban, Uni Kiel

In seinem Plenarvortrag berichtete Prof. Knight über Perspektiven des Forschungsfeldes, unter anderem die Nutzung von Abwasserüberwachungen zur frühen Erkennung neuer SARS CoV-2-Varianten.

Zwei Männer schütteln sich die Hand.
© Christian Urban, Uni Kiel

Prof. Bosch (links) gratulierte Prof. Knight zum Gewinn des mit 10.000 Euro dotierten Wissenschaftspreises des Sonderforschungsbereichs 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ an der CAU.

Weitere Informationen:

 

Wissenschaftlicher Kontakt:

Prof. Thomas Bosch
Sprecher SFB 1182
„Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“, CAU
0431-880-4170
tbosch@zoologie.uni-kiel.de

Über den SFB 1182

Der Sonderforschungsbereich „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ ist ein interdisziplinäres Netzwerk unter Beteiligung von rund 80 Forschenden, das die Interaktionen spezifischer Mikrobengemeinschaften mit vielzelligen Wirtslebewesen untersucht. Es wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt und beschäftigt sich mit der Frage, wie Pflanzen und Tiere einschließlich des Menschen gemeinsam mit hoch spezifischen Gemeinschaften von Mikroben funktionale Einheiten (Metaorganismen) bilden. Ziel des SFB 1182 ist es, zu verstehen, warum und wie mikrobielle Gemeinschaften diese langfristigen Verbindungen mit ihren Wirtsorganismen eingehen und welche funktionellen Konsequenzen diese Wechselwirkungen haben. Im SFB 1182 sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus fünf Fakultäten der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, dem Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie Plön, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, dem Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und der Mathematik und der Muthesius Kunsthochschule zusammengeschlossen.

Pressekontakt:

Christian Urban
Wissenschaftskommunikation
„Kiel Life Science", CAU
0431-880-1974
curban@uv.uni-kiel.de