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Vom kirchlichen Widerspruch zum politischen Widerstand im Nationalsozialismus

Ausstellung in der Kieler Universitätsbibliothek

Der evangelische Theologe Hans Asmussen gehörte während des Nationalsozialismus zu den führenden Köpfen der Bekennenden Kirche. Als Pastor in Schleswig-Holstein geriet er früh mit den Nationalsozialisten in Konflikt. Ab Freitag, 19. Oktober, präsentiert die Universitätsbibliothek der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) einen plastischen Ausschnitt evangelischer Kirchengeschichte aus dieser Zeit. Die Ausstellung „Wir klagen uns an‘ – Pastor Hans Asmussen inmitten des Nationalsozialismus“ gibt Einblicke in den Weg vom kirchlichen Widerspruch zum politischen Widerstand.

Asmussen wirkte maßgeblich an der berühmten „Barmer Theologischen Erklärung“ von 1934 und anderen Manifesten der kirchlichen Opposition mit. Nach der Befreiung 1945 gehörte er zu den Autoren der „Stuttgarter Schulderklärung“. Obwohl ihre Verfasser unter dem Regime gelitten hatten, sprachen sie von eigenem Versagen: „Wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“ Diesen Satz greift der Titel der Ausstellung auf: Er stellt nicht das Heldentum, sondern das eigene Schuldbekenntnis in den Vordergrund.

Die Ausstellung wurde von Kieler Theologiestudierenden unter Anleitung von Tim Lorentzen, Professor für Neuere Kirchengeschichte an der CAU, zusammengestellt und mit selten gezeigten Exponaten des Landeskirchlichen Archivs der Nordkirche, des Kieler Stadtarchivs und privater Leihgeber ergänzt. Die Ausstellung wird am Donnerstag, 18. Oktober, um 19 Uhr mit einer historischen Einführung von Professor Thomas Martin Schneider aus Koblenz eröffnet.Die Ausstellung richtet sich an alle Interessierten.

 

Das Wichtigste in Kürze:
Was:  Ausstellung „Wir klagen uns an“
Wann: 19. Oktober bis 30. Dezember, Eröffnung am Donnerstag, 18. Oktober um 19:00 Uhr, Öffnungszeiten der Universitätsbibliothek: Montag bis Freitag 9-22 Uhr, Samstag 9-20 Uhr und Sonntag 10-18 Uhr
Wo: Leibnizstraße 9, Foyer der Hauptabteilung der CAU-Universitätsbibliothek, 24118 Kiel

 

Über das Wirken von Pastor Hans Asmussen:

Hans Asmussen, 1898 in Flensburg geboren, gehörte zu den führenden Köpfen der Bekennende Kirche, einer Oppositionsbewegung evangelischer Christen zu Zeiten des Nationalsozialismus. Asmussen geriet als konservativer evangelischer Pastor in Dithmarschen früh in Konflikt mit den Nationalsozialisten. Auf eine blutige Straßenschlacht im „Roten Altona“ reagierten er und seine Kollegen noch vor Hitlers Machtantritt 1933 mit dem „Altonaer Bekenntnis“. An der berühmten „Barmer Theologischen Erklärung“ der Bekennenden Kirche von 1934 war er ebenso beteiligt wie an einer kritischen Denkschrift an Hitler im Jahr 1936. Die Kirchliche Hochschule Berlin leitete er trotz Verbots im Untergrund weiter. In der Bundesrepublik war Asmussen für einige Jahre Propst an der Kieler Nikolaikirche. Er starb vor 50 Jahren, im Dezember 1968.

Kontakt:

Prof. Dr. theol. Tim Lorentzen
Institut für Kirchengeschichte
Lorentzen@email.uni-kiel.de
www.theol.uni-kiel.de/de/institute-lektorate-einrichtungen/kg


Dr. Klára Erdei
Universitätsbibliothek
Telefon: 0431/880-2723
erdei@ub.uni-kiel.de
www.ub.uni-kiel.de