Warum Evolutionsforschung so wichtig ist

Internationale Tagung „Schnelle Evolutionäre Anpassung“ an der Universität Kiel

Seit gestern tagen rund 80 internationale Forschende im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Schwerpunktprogramms (SPP) 1819 „Schnelle Evolutionäre Anpassung“ im Kieler Wissenschaftspark. Das von der Universität Hohenheim geleitete SPP beschäftigt sich mit der Erforschung der Mechanismen und Auswirkungen schneller evolutionärer Anpassungen zwischen verschiedenen Organismen, von der Pflanze bis zum Menschen. Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), die sich unter dem Dach des Kiel Evolution Center (KEC) mehr und mehr zu einem Schwerpunkt der deutschen Evolutionsbiologie entwickelt, ist mit mehreren Arbeitsgruppen an diesem umfangreichen Forschungsprojekt beteiligt. Die evolutionären Wechselwirkungen zwischen Nutzpflanzen und Schädlingen, die Entwicklung von Behandlungsresistenzen verschiedener Krankheitserreger oder die Auswirkungen einer sich verändernden Meeresumwelt auf die Zusammensetzung der dort lebenden Mikroorganismen sind nur einige der Themen, die an den drei Konferenztagen diskutiert werden.

Organisiert wird die Konferenz federführend von Professorin Eva Stukenbrock von der CAU, die mit ihrer Arbeitsgruppe Umwelt-Genomik ebenfalls Teil des Schwerpunktprogramms ist. Besonderes Augenmerk legt das Kieler Organisationsteams darauf, bei der Tagung auf das Potenzial der Evolutionsforschung zur Lösung aktueller Probleme in Gesundheit, Ernährung und Umwelt aufmerksam zu machen. „Der Mensch greift mit seinem Handeln in die natürlichen Selektionsprozesse in der Umwelt ein, oft mit sehr negativen Folgen für Organismen und ganze Ökosysteme“, betont Stukenbrock. „Zugleich beinhaltet die genaue Kenntnis der dabei ablaufenden evolutionären Prozesse aber auch die Möglichkeit, diesen Problemen entgegenzuwirken und künftig vom Pflanzenschutz bis hin zur Behandlung von Infektionen nachhaltige Lösungen zu entwickeln“, so KEC-Mitglied Stukenbrock weiter.

Insgesamt beschäftigt sich das SPP 1819 mit der gesamten Bandbreite der schnellen Evolution in verschiedenen Organismen und Lebensräumen. Sowohl anhand theoretischer Analysen als auch empirischer Studien untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Verbundes Mechanismen der schnellen Adaptation und Evolution. Dazu verwenden sie interdisziplinäre Ansätze aus der Evolutionsbiologie, Populationsgenetik und Ökologie, genauso wie moderne DNA-Sequenzierungstechnologien und bioinformatische Methoden. „Die Übertragung unserer Erkenntnisse in die Anwendung ist ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit“, sagt Professor Karl Schmid vom Institut für Pflanzenzüchtung, Saatgutforschung und Populationsgenetik an der Universität Hohenheim, der das SPP leitet. „Ein ebenso zentrales Ziel unseres Forschungsverbundes ist es zudem, das konzeptionelle Verständnis der evolutionären Prozesse immer weiter zu verbessern und so die Grundlagenforschung in der Evolutionsbiologie voranzutreiben“, ergänzt Schmid.

Weitere Gäste der Tagung sind unter anderem Professor Michael Brockhurst von der Universität Sheffield, der die evolutionären Anpassungen von Krankheitserregern bei chronischen Infektionskrankheiten des Menschen untersucht, und Dr. Maud Tenaillon vom französischen Centre National de la Recherche Scientifique, die sich mit der evolutionären Veränderung der Gene von Nutzpflanzen wie Mais beschäftigt. Zusammen mit weiteren Rednerinnen und Rednern tragen sie dazu bei, die internationale Vernetzung der Forschenden des SPP und der Kieler Evolutionsforschung als Teil des Forschungsschwerpunkts Kiel Life Science an der CAU zu stärken.

Über das KEC
Das Kiel Evolution Center (KEC) als interaktive Wissenschaftsplattform an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) setzt sich zum Ziel, Evolutionsforscherinnen und -forscher in der Region Kiel besser zu koordinieren. Daneben sollen unter dem Schlüsselbegriff „Translationale Evolutionsforschung“ gezielt Brücken zwischen Grundlagenforschung und Anwendung geschlagen werden. Neben der Förderung der Wissenschaft stehen ausdrücklich auch Lehre und Öffentlichkeitsarbeit im Fokus des Kiel Evolution Center. Daran beteiligt sind neben der CAU auch Forschende vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, dem Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön (MPI EB) und dem Forschungszentrum Borstel (FZB), Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften.

Wissenschaftlicher Kontakt:

Prof. Eva Stukenbrock
Arbeitsgruppe Umwelt-Genomik, Botanisches Institut, CAU Kiel:
Tel.:     0431-880-6368
E-Mail:     estukenbrock@bot.uni-kiel.de

Pressekontakt:

Christian Urban
Wissenschaftskommunikation Kiel Life Science
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