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Mensch-Umwelt-Dynamiken der vergangenen 15.000 Jahre

Internationaler Workshop an der Kieler Universität

Zum sechsten Mal fand Mitte März an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) der internationale Workshop „Socio-Environmental Dynamics Over the Last 15,000 Years: The Creation of Landscapes VI“ statt. Er hat sich damit zum festen Termin im Kalender internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler etabliert. In 19 Sessions mit rund 320 Vorträgen präsentierten Archäologinnen und Archäologen, Umweltwissenschaftlerinnen und Umweltwissenschaftler sowie Expertinnen und Experten anderer Fachrichtungen aktuelle Forschungsergebnisse zu den Wechselwirkungen zwischen Menschen und ihrer Umwelt in den vergangenen 15.000 Jahren.

„Der Workshop bietet einen großartigen Raum für den interdisziplinären Austausch zwischen verschiedenen Fachrichtungen. Die diskutierten Themen reichen von neuesten Studien zu alter DNA über die Veränderung ritueller Praktiken und überregionale sozio-kulturellen Verbindungen bis zu Reaktionen auf Klima- und Umweltwandel“, so Professor Johannes Müller, Archäologe und Sprecher der drei Forschungsverbünde, die den diesjährigen Workshop organisiert haben. Neben Transformations-Themen, die die Mitglieder des Sonderforschungsbereiches 1266 in einer zentralen Veranstaltung mit auswärtigen Gästen beleuchtet haben, hat insbesondere der neue Exzellenzcluster ROOTS mit seinen hochaktuellen Themen schon deutliche Akzente gesetzt und dabei auch globale Perspektiven eröffnet. So gelang es beispielsweise, für unterschiedlichste Zeiten auch weiträumige Migrationen auf ökologische und soziale Probleme zurückzuführen. Dabei wurde deutlich: Die Verwundbarkeit von Gesellschaften hat in vielen Perioden der Urgeschichte und Geschichte oft nach Jahrhunderten der Stabilität zu Zusammenbrüchen geführt. Damit wird auch die Erklärung unserer heutigen Situation aus historischen Prozessen erfahrbar. Thematische Höhepunkte dazu lieferten die öffentlichen „Keynote lectures“, Impulsvorträge renommierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Frankreich und den USA. Neben solchen inhaltlichen Aspekten war auf der Tagung ebenfalls der extreme Methodenfortschritt zu erkennen: einerseits die Integration neuer naturwissenschaftlicher Methoden in die Archäologie, andererseits die Nutzung kultureller Modelle für die Interpretation naturwissenschaftlicher Studien.

Zu den Highlights der Tagung, die in der Tradition der Graduiertenschule „Human Development in Landscapes“ (GSHDL) insbesondere auch ein Forum für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist, zählte die Vergabe des mit 3.000 Euro dotierten Johanna Mestorf Awards für herausragende Dissertationen an Gianpiero Di Maida für seine Arbeit über prähistorische Felszeichnungen in Sizilien. Der von der Johanna-Mestorf-Akademie (JMA) und der GSHDL an der Universität Kiel ausgelobte Preis wird seit 2013 für exzellente Doktorarbeiten in den Bereichen Mensch-Umwelt-Forschung und Landschaftsarchäologie vergeben. Weitere Preise gingen an Mihaela Savu, Joana Seguin und Stefanie Schäfer-Di Maida für die drei besten wissenschaftlichen Poster.

In Erinnerung bleiben wird den Gästen aus ganz Europa, den USA und China nicht nur das konsequent miese Kieler Märzwetter, sondern sicherlich auch das Dinner auf dem Raddampfer Freya sowie die Exkursion zu archäologischen Fundstätten im Norden Schleswig-Holsteins. Der 2009 von der GSHDL ins Leben gerufene Workshop wurde in diesem Jahr erstmals gemeinsam mit dem Sonderforschungsbereich 1266 sowie dem neuen Exzellenzcluster ROOTS organisiert. Nicht zuletzt war er auch eine „Übung“ für die EAA, das Jahrestreffen der European Association of Archaeologists. Diese größte europäische archäologische Tagung wird im September 2021 mit voraussichtlich etwa 2.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Kiel stattfinden.

Mehr Informationen im Internet:
www.workshop-gshdl.uni-kiel.de/

Kontakt:

Prof. Dr. Johannes Müller
Institut für Ur- und Frühgeschichte
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
johannes.mueller@ufg.uni-kiel.de
0431/880-3391


 

Kontakt:

PD Dr. Mara Weinelt
Exzellenzcluster ROOTS
mweinelt@gshdl.uni-kiel.de
0431/880-3391