Universität

2. Exzellenzwerkstatt der Kieler Universität

Engagierte Diskussion über die Exzellenzstrategie

Am 19. Juli verkündete Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, welche elf Universitäten zukünftig den Titel „Exzellenzuniversität“ tragen dürfen. Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) gehört nicht dazu. Zwei Monate nach der Entscheidung lud das Präsidium der CAU am Montag, 16. September, zu einem Bilanz-Treffen in das Foyer des Unihochhauses am Christian-Albrechts-Platz in Kiel ein. Etwa 150 Forschende, Studierende und Beschäftigte der Universität, externe Gäste aus Politik, Wirtschaft und von befreundeten Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen diskutierten sachlich und engagiert mit. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Direktor der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft Professor Klaus Tochtermann.

Die CAU zeigt eine steile positive Entwicklungskurve auf.

(Zitat Wissenschaftsrat, WR)

Mit Blick auf die öffentliche Diskussion über das Abschneiden im Exzellenzwettbewerb ließ Universitätspräsident Professor Lutz Kipp in seiner Begrüßung keinen Zweifel daran, dass die CAU eine der bedeutendsten deutschen Universitäten ist. Der Enthusiasmus, mit dem Kiel sich in den Wettbewerb begeben hat, habe der Universität viele Sympathien eingebracht, so Kipp: „Im Zuge des Auswahlverfahrens haben wir national und international viel Anerkennung erfahren. Wir haben beachtliche Erfolge gefeiert: bei den Leibniz Campi, dem 1000-Tenure-Track-Programm, der Lehrkräftebildung oder bei Verbundanträgen und den Clustern, um nur einige zu nennen. Wir waren nah davor, in die Riege der besten elf aufzusteigen.“ Eigentlich könne es nur heißen: Wir versuchen es 2026 noch einmal. „Wir laden deshalb die gesamte Hochschule ein, die Rückmeldungen des Wissenschaftsrates weiter mit uns zu diskutieren und auf dieser Grundlage Perspektiven für die Universität auch mit Blick auf den kommenden Struktur- und Entwicklungsplan (STEP) oder gar eine neue Bewerbung als Exzellenzuniversität im Jahre 2026 zu entwickeln.“

Der große Enthusiasmus aller Universitätsangehörigen für die Gesamtstrategie ist evident.

(Zitat WR)

Im Ergebnis sei die CAU von den Gutachtern und Gutachterinnen hinsichtlich der erreichten Leistungen in Forschung, Lehre, Transfer und Forschungsinfrastrukturen als sehr gut eingestuft worden. Besonders beeindruckt hat die Gutachter und Gutachterinnen aber die Begeisterung, mit der die Beteiligten ihre Ideen vorgetragen haben und leben, hob Kipp hervor. „Was Vorhaben und Pläne betrifft, also unsere strategische Zukunftsplanung KIEL UNIVERSITY INTERFACES für inter- und transdisziplinäre Forschung, sind diese sogar als exzellent bewertet worden. Darauf können wir wirklich stolz sein. Am Ende fehlte es zum Zuschlag im Vergleich zu den jetzigen Exzellenzuniversitäten schlicht an der Umsetzung in der Breite“, fasste der Physiker zusammen.

Diese Lücke lasse sich schließen, wenn die in KIEL UNIVERSITY INERFACES beschriebenen Maßnahmen umgesetzt werden. Denn: „Diese Lösungen sind von den Gutachtenden für wirksam erklärt worden“, blickte Kipp voraus. Dafür spreche auch, dass die Gutachter und Gutachterinnen die praktizierte Interdisziplinarität und den aktuellen Schritt hin zur Transdisziplinarität am Standort Kiel als eine „beispielhafte Vision im Bereich Forschung“ gewürdigt haben. „Insbesondere, dass wir in den Forschungsschwerpunkten quer über alle Fakultäten miteinander zusammenarbeiten, wurde positiv bewertet.“ Darüber hinaus wurden der CAU eine forschungsorientierte und auf die Arbeitswelt zugeschnittene Lehre sowie eine „bedeutsame externe Unterstützung und Anerkennung der Lehrinnovationen“ attestiert. Ausdrücklich gelobt wurden außerdem die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Kiel, dem Land und Partnereinrichtungen, die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Chancengleichheit sowie die Maßnahmen zur Personalentwicklung.

Engagierte Diskussion

Lebendig ging es in der anschließenden Diskussion über die Gründe für den Nichterfolg im Exzellenzwettbewerb und Voraussetzungen für einen möglichen Neuantrag zu. Ein Erfolg in einem weiteren Wettbewerb sei kein Selbstläufer, betonte einer der Anwesenden. Deshalb müsse dringend ein systematischer Vergleich mit deutschen und ausländischen Spitzenuniversitäten insbesondere in den noch nicht hinreichend aufgestellten Bereichen her. Wichtig sei auch, dass die weitere Diskussion über die Zukunft der Universität weiter so offen und transparent verlaufe wie bisher, so eine Teilnehmerin.

Im Hinblick auf die Internationalisierung hieß es: „Angesichts eines zu geringen Anteils an Studierenden und Lehrenden aus dem Ausland muss die CAU Anreize zur internationalen Mobilität schaffen, internationale Kooperationen befördern und damit die Sichtbarkeit weltweit erhöhen.“ Notwendig seien dafür neben einer konsistenten Sprachenstrategie eine gute Willkommenskultur und eine mit dem Land und der Region abgestimmte Internationalisierungsstrategie, forderten zwei Teilnehmerinnen.

Die Eintrittskarte für den Wettbewerb seien in jedem Fall exzellente Forschende und Forschungsverbünde, stellte ein Wissenschaftler fest. Hier müssten Universität und Land nachlegen. Bestehende starke Forschungsbereiche müssten weiter unterstützt, der Bereich der Meereswissenschaften clusterfähig gemacht werden. Ein Weg, um mehr Forschende in die Exzellenzstrategie einzubinden, könnte sein, die Forschung stärker um gemeinsame Methodenplattformen zu erweitern. So könnten auch Personen in die Exzellenzentwicklung eingebunden werden, die bislang eher wenig Bezug zur Verbundforschung hätten, schlug ein anderer Wissenschaftler vor.

Letztlich benötige eine konkurrenzfähige Bewerbung die frühzeitige Rückendeckung und das strategische Zusammenspiel von Universität, Politik und Ministerium, waren sich alle Anwesenden einig. Auf die Frage, ob die CAU und das Wissenschaftsministerium im Falle eines neuerlichen Exzellenzantrages an ihrer Seite hätte, antwortete Kipp. „Klar ist, dass wir für die Umsetzung unserer Idee mehr Geld oder Möglichkeiten oder andere Strukturen benötigen als bisher. Was da möglich ist, müssen wir jetzt ausloten. Eine mögliche neue Antragstellung ist nur als gemeinsame Anstrengung von Wissenschaft, Politik und Ministerien erfolgsversprechend.“ Dass das Land dem grundsätzlich offen gegenüberstehe, versicherte Friederike Kampschulte, Abteilungsleiterin im Wissenschaftsministerium: „Das Land wird die CAU und ihre Schwerpunktbildung weiter unterstützen. Im Hinblick auf einen neuen Wettbewerb um den Titel einer Exzellenzuniversität muss die Universität aber erst einmal selbst herausfinden, ob sie dies überhaupt will.“

Weitere Workshops und Werkstätten geplant

Auch um diese Frage zu klären, ging es nach der Bilanz in die Diskussion und Ideenfindung. Gearbeitet wurde in fünf Gruppen zu Themenschwer­punkten, die aus den Hinweisen des WR abgeleitet wurden: Forschung/Transfer, Internationalisierung und Diversität, Lehre und Digitalisierung, Ermöglichen und Bau sowie Transition. Die Ergebnisse der Workshops fließen in die derzeitigen Zielvereinbarungen mit dem Land für die kommenden fünf Jahre sowie die Nachfolge des Hochschulpakts (Zukunftsvertrag) ein.

„Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass die Exzellenzwerkstatt ein gutes Instrument der Aussprache und Teilhabe an der strategischen Entwicklung unserer Universität ist. Ich danke allen sehr, die sich daran beteiligt haben, für die investierte Zeit, ihre Ideen und die kritisch-konstruktive Begleitung. Diesen ‚positiven Geist der Zusammenarbeit‘ möchten wir im Sinne eines transparenten Beteiligungsprozesses fortsetzen“, kündigte CAU-Präsident Kipp weitere Arbeitstreffen an.