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HNO-Wissenschaftspreis für Petra Ambrosch

Die Kieler Professorin wird für moderne Operationstechniken in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde ausgezeichnet.

Den Professor Dr. Ludwig Haymann-Preis vergibt die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) alle zwei Jahre an Persönlichkeiten, die das Fach wesentlich vorangebracht haben. In diesem Jahr erhält Professorin Petra Ambrosch diese Auszeichnung. Der Preis wird verliehen in Anerkennung der herausragenden und international anerkannten Forschungs- und Publikationstätigkeit auf dem Gebiet der organ- und funktionserhaltenden transoralen Laser-Mikrochirurgie (TLM) von Karzinomen (Krebserkrankungen) der oberen Luft- und Speisewege.

Petra Ambrosch ist seit 2002 Professorin für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie an der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Direktorin der gleichnamigen Klinik am UKSH, Campus Kiel. Damals war sie die erste Frau in Schleswig-Holstein, die die Leitung einer Universitätsklinik übernahm. Ein Schwerpunkt ihrer klinisch-wissenschaftlichen Tätigkeit ist die Weiterentwicklung der Laserchirurgie von Tumoren mit dem Ziel, das betroffene Organ und dessen Funktionen zu erhalten.

Krebsoperationen mit dem Laser in Mundhöhle, Rachen und Kehlkopf

Im Gegensatz zur klassischen Operation über Halsschnitt und Zugang durch das Halsgewebe erfolgt die transorale Laserchirurgie mit einem speziellen Endoskop (Laryngoskop) durch die Mundhöhle. „Das hat den Vorteil, dass Funktionen wie die Stimme und das Schlucken besser erhalten bleiben“, betont Ambrosch. Auch auf ein Tracheostoma, eine operativ angelegte Öffnung der Luftröhre unterhalb der Stimmlippen, könne meist verzichtet werden, so dass die Operierten nach dem Eingriff normal atmen können. Das entfernte Gewebe wird feingeweblich untersucht, um sicherzustellen, dass der Tumor vollständig entfernt wurde. „Wir konnten nachweisen, dass die TLM hinsichtlich der onkologischen Ergebnisse und Häufigkeit von Rezidiven (Rückfällen) anderen Operationsmethoden vergleichbar ist, insgesamt aber deutlich schonender für Patientinnen und Patienten ist“, erklärt Ambrosch. „Die minimalinvasive Operationsmethode hat natürlich auch ihre Grenzen. Diese zu definieren, ist unsere Aufgabe.“

Die HNO-Klinik des UKSH am Campus Kiel führt seit 2013 ein nach den Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziertes Kopf-Hals-Tumorzentrum. Jedes Jahr werden hier etwa 200 Patientinnen und Patienten mit neu aufgetretenen Kopf-Hals-Karzinomen wie Kehlkopf-, Rachen- oder Mundhöhlenkrebs operiert sowie zusätzlich diejenigen, bei denen der Tumor zurückgekehrt ist. Die Behandlung wird für jeden Patienten und jede Patientin und in Abstimmung mit ihnen interdisziplinär festgelegt. „Wann immer möglich erfolgen die Operationen mittels der TLM. Hierfür gibt es in meiner Klinik eine international anerkannte Expertise“, betont Ambrosch. „Ich habe an der Entwicklung der transoralen Laser-Mikrochirurgie mitgearbeitet und wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Methode international durchsetzt. Es geht ja um chirurgische Techniken und die kann man am besten vermitteln, indem man Operationskurse abhält. Seit ich hier bin habe ich in jedem Jahr einen veranstaltet.“ Zu den „Kiel Laser Courses“ kamen Gäste aus allen Kontinenten, um die Operationstechnik bei Petra Ambrosch zu lernen.

Über die Prof. Dr. Ludwig Haymann-Stiftung

Die Prof. Dr. Ludwig Haymann-Stiftung e.V. ist eine 1993 gegründete gemeinnützige Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Forschung und zur Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens und der öffentlichen Gesundheitspflege mit Sitz in München. Sie fördert wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, die nach bereits vorliegenden Ergebnissen einen weiteren wissenschaftlichen Fortschritt erwarten lassen.

Text: Kerstin Nees

Petra Ambrosch
© privat

Professorin Petra Ambrosch erhält den Professor Dr. Ludwig Haymann-Preis 2020 für ihre Pionierleistungen in der minimalinvasiven Chirurgie von Kopf-Hals-Tumoren.

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