Universität | Transfer | Forschung | Lebenswissenschaft | Agrar & Ernährung | Naturwissenschaft

Uni Kiel räumt beim Norddeutschen Wissenschaftspreis ab

Erster und dritter Preis gehen an Forschende der schleswig-holsteinischen Landesuniversität

Wenn es um Spitzenforschung in den Lebenswissenschaften geht, ist die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) die erste Adresse im Norden. Bei der Verleihung des mit 250.000 Euro dotierten Norddeutschen Wissenschaftspreises am Donnerstag, 29. November, kamen Kieler Forscherinnen und Forscher in Bremen gleich doppelt aufs Treppchen. Den ersten Platz errang das Kiel-Göttinger Projekt „Multi-Meta-Omik: Neue Technologien für neue Herausforderungen der norddeutschen Landwirtschaft im Klimawandel“. Auf Platz drei landete die Initiative „Die (Epi)genetische Architektur des Alterns – eine Mehrgenerationenstudie an Flussseeschwalben“. An ihr sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Kiel, Plön und Wilhelmshaven beteiligt. 16 Wettbewerbsbeiträge waren zuvor eingereicht und von einer unabhängigen Jury nach Kriterien wie wissenschaftliche Exzellenz, Innovationsgrad, Nachwuchsförderung oder nationale und internationale Sichtbarkeit bewertet worden.

„Dass unsere Kolleginnen und Kollegen nach einem ersten Platz in den Geisteswissenschaften 2016 dieses Mal den ersten und den dritten Platz im Bereich der Lebenswissenschaften erreicht haben, macht uns sehr stolz. Ihre ausgezeichneten Leistungen sind ein beeindruckendes Zeugnis der Forschungsstärke der Uni Kiel im norddeutschen Ländervergleich“, sagte CAU- Forschungsvizepräsidentin Professorin Karin Schwarz anlässlich der Preisverleihung. Der Erfolg gebe Rückenwind für die Kieler Bewerbung als Exzellenzuniversität, ist sich Kiels Unipräsident Professor Lutz Kipp sicher: „Die ausgezeichneten Projekte stehen beispielhaft für unser Kieler Markenzeichen der inter- und transdisziplinären Zusammenarbeit, die ein Kernelement unseres Antrages ‚Kiel University Interfaces‘ sein wird.“

„Multi-Meta-Omik: Neue Technologien für neue Herausforderungen der norddeutschen Landwirtschaft im Klimawandel“

Sprecherinnen des Konsortiums „Multi-Meta-Omik“ sind Professorin Sandra Spielvogel vom Kieler Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde und Juniorprofessorin Dr. Michaela Dippold vom Göttinger Department für Nutzpflanzenwissenschaften. Beteiligt sind Forschende aus den Bereichen Agrarwissenschaften, Geowissenschaften und der Mikrobiologie. Das Vorhaben untersucht mittels des hochinnovativen Multi-Meta-Omik-Ansatzes die Auswirkung von Trockenstress auf bodenmikrobielle Funktionen charakteristischer Agrarstandorte in Norddeutschland. Mit Methoden aus Genomik, Transkriptomik, Proteomik und Metabolomik kann die Gesamtheit aller Mikroorganismen in einem natürlichen Lebensraum analysiert werden. Dadurch kann das Anpassungspotential des Bodenmetagenoms abgeschätzt und entschlüsselt werden, welche mikrobiellen Funktionen sich in Folge der Trockenheit verändern und welche Auswirkungen diese mikrobiellen Umsätze für die biogeochemischen Flüsse haben. Besonders lobten die Gutachter an dem Beitrag die systemische Betrachtungsweise mit einem komplementären methodischen Ansatz, die eine neue Qualität in der Erforschung des Mikrobioms im Boden ermögliche. „Das vorgeschlagene Projekt ist auch für die beteiligten Einrichtungen hoch relevant, da es den Agrarwissenschaften neue und wichtige Impulse zu geben vermag“, heißt es weiter zur Begründung. Der Beitrag erhält ein Preisgeld in Höhe von 125.000 Euro.

Die (Epi)genetische Architektur des Alterns – eine Mehrgenerationenstudie an Flussseeschwalben

Mit dem dritten Preis ausgezeichnet wurde das gemeinsame Kooperationsvorhaben der CAU, des Instituts für Vogelforschung (IfV) 5 in Wilhelmshaven und des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie (MPI) in Plön. In dem Projekt, das von Dr. Miriam Liedvogel (MPI Plön) geleitet wird, wird anhand einer am IfV etablierten Flussseeschwalbenkolonie untersucht, inwieweit sich das Alter der Eltern zum Zeitpunkt der Reproduktion auf die Fitness der Nachkommen auswirkt und welche epigenetischen Grundlagen dafür verantwortlich sind. Beteiligt sind Professor Philip Rosenstiel, Direktor des Institute of Clinical Molecular Biology (IKMB) der CAU, sowie Dr. habil. Sandra Bouwhuis, Vizedirektorin des IfV. Nach Einschätzung der Auswahlkommission erlaubt das Vorhaben, eine sehr interessante Fragestellung mit einem überzeugenden methodischen Ansatz zu bearbeiten. Insbesondere die zugrundeliegende Flussseeschwalbenkolonie und der dazugehörige Langzeitdatensatz werden als einzigartig betrachtet. Preiswürdig sind auch die eingeplante Struktur der Nachwuchsförderung und die Öffentlichkeitsarbeit. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erhalten für ihr Projekt ein Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro.

Norddeutscher Wissenschaftspreis

Um erfolgreiche norddeutsche Kooperationen in der Wissenschaft zu würdigen und über die Ländergrenzen hinaus sichtbar zu machen, wurde der Norddeutsche Wissenschaftspreis 2012 erstmals ausgelobt. Er wird seit 2016 gemeinsam von den Wissenschaftsministerinnen und -ministern der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, der Freien Hansestadt Bremen und der Freien und Hansestadt Hamburg, in zweijährigem Turnus vergeben. Teilnahmeberechtigt sind etablierte länderübergreifende Kooperationsprojekte und innovative Forschungsideen in der Wissenschaft. Die beteiligten Projektpartner sollen aus Norddeutschland kommen. Eine unabhängige Jury entscheidet über die Platzierungen.

Mehr Informationen:

Schleswig-Holstein.de

Pressekontakt:

Dr. Boris Pawlowski
Pressesprecher