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Hochschulambulanz für Psychotherapie an der Uni Kiel eröffnet

Ob Depression, Angst- oder Essstörung – die Hochschulambulanz für Psychotherapie Kiel bietet ein vielseitiges Angebot.

Ob Depression, Angst- oder Essstörung – die Hochschulambulanz für Psychotherapie Kiel (HPK) bietet Patientinnen und Patienten mit psychischen Störungen ein vielseitiges Angebot. Angesiedelt ist die Ambulanz am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Christian-Albrechts-Universität (CAU). Am heutigen Mittwoch (6. November) wurde sie feierlich eröffnet.

Die HPK ist eine Lehr- und Forschungsambulanz. Das bietet einen entscheidenden Vorteil, weiß HPK-Leiterin Professorin Anya Pedersen: „An der HPK behandeln approbierte psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten die Patientinnen und Patienten evidenzbasiert, also dem aktuellen Stand der Forschung entsprechend. Das Besondere bei uns ist, dass wir auch Studierende einbinden. Sie behandeln dabei nicht selbst, kommen zu den Behandlungen aber hinzu und sammeln so erste wichtige Erfahrungen in der Psychotherapie.“ Bei der Eröffnungsfeier stellte sie das Konzept der HPK vor und sprach über die Bedeutung sozialer Prozesse nach belastenden Lebensereignissen.

 

Verzahnung von Forschung und Praxis

CAU-Vizepräsidentin Professorin Anja Pistor-Hatam betonte, dass die Ambulanz ein Grundstein für den geplanten, neuen Studiengang für Psychotherapie sei: „Die Psychologie ist ein wissenschaftliches Anwendungsfach von hoher gesellschaftlicher Bedeutung. Bei den Studierenden besteht nach wie vor ein großes Interesse an diesem Fach. Zugleich wird es für Patientinnen und Patienten immer schwieriger, einen Therapieplatz zu bekommen. Wir befürworten daher die Vernetzung von Forschung und praktischer, psychotherapeutischer Tätigkeit.“ Auch Professor Timo Felber, Dekan der Philosophischen Fakultät, der die HPK zugeordnet ist, steht hinter der Ambulanz und sieht sie an seiner Fakultät genau richtig.

Als Schnittstelle zwischen Forschung und Versorgung – und mit Blick auf die Verbesserung für Patientinnen und Patienten – setzt sich auch der Präsident der Psychotherapeutenkammer Schleswig-Holstein, Dr. Oswald Rogner, für den neuen Studiengang ein: „Die HPK ist ein Novum für die CAU – und auch für Schleswig-Holstein. Es gibt zwar auch andere Ambulanzen im Land, die sind jedoch ärztlich geleitet. Die HPK ist hierzulande die erste Ambulanz, die die Profession von psychologischen Psychotherapeutinnen und -therapeuten und zukünftig auch deren Ausbildung ermöglicht.“ Bisher ist die Ausbildung nur im Anschluss an ein Psychologie-Studium außerhalb der Hochschule möglich.

Mehr Forschung über die soziale Seite von psychischen Störungen

Jürgen Margraf, Alexander von Humboldt-Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie am Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit an der Ruhr-Universität Bochum, sprach in seinem Festvortrag anlässlich der Eröffnung über die sozialen Aspekte psychischer Störungen. „Wir sind nicht allein auf der Welt. Wir sind soziale Wesen und werden von den Leuten um uns herum beeinflusst – denn in der Gruppe sind wir stark.“ Margraf mahnte an, dass die soziale Seite wichtiger sei, als gemeinhin angenommen. Er warf die Frage auf, ob soziale Interventionen die Psychotherapie verbessern oder gar ersetzen könnten. Sein Appell lautete: „Kurzfristig müssen wir ein Problembewusstsein schaffen. Langfristig brauchen wir Forschung, Verhältnisprävention und wir müssen die Gesellschaft ändern.“ Als ein in Schulen weit verbreitetes Beispiel nannte er „Bullying“, auch als Mobbing bekannt. Um das Phänomen in den Griff zu bekommen, müssten Lehrkräfte stärker dafür sensibilisiert werden.

 

 

Behandlung von psychischen Störungen an der HPK

Das Angebot der HPK umfasst klinisch-psychologische und neuropsychologische Diagnostik sowie psychotherapeutische Einzel- oder Gruppenbehandlung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Behandelt werden kann ein breites Spektrum psychischer Störungen: Schwerpunkte liegen auf Depressionen, Angststörungen, Essstörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen. Besondere Angebote bestehen zudem für Menschen in Trauersituationen sowie nach der Diagnose einer Krebserkrankung. Außerdem werden neuropsychologische Therapien für Menschen nach Hirnschädigungen angeboten.

Das Team besteht aus fünf festen Therapeutinnen und Therapeuten, das teilweise von Mitarbeitenden aus der Arbeitseinheit der Klinischen Psychologie unterstützt wird. Die Dauer der Behandlung richtet sich nach der Art der Erkrankung und nach dem Bedarf der oder des Betroffenen. Die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Für eine Terminvereinbarung in der HPK ist eine telefonische Erstberatung unerlässlich. Unter der Rufnummer 0431/880-6500 können Interessierte jeweils dienstags und donnerstags von 13:00 bis 14:00 Uhr Kontakt zur HPK aufnehmen und klären, ob sie für eine ambulante Behandlung infrage kommen.

Weitere Informationen über die HPK:

www.klinische.psychologie.uni-kiel.de/de/hochschulambulanz

Kontakt für Patientinnen und Patienten:

Telefonische Erstberatung der HPK
Sprechstunde: dienstags und donnerstags von 13:00 bis 14:00 Uhr
0431/880-6500

Pressekontakt:

Prof. Dr. Anya Pedersen
Leiterin der Hochschulambulanz
0431/880-2977
pedersen@psychologie.uni-kiel.de
www.klinische.psychologie.uni-kiel.de/de/hochschulambulanz

Redakteurskontakt:

Farah Claußen
Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation