Campus am Meer: Europäische Hochschulen zeigen Flagge in Kiel und setzen auf gemeinsame Forschung

Europäische Hochschulallianz SEA-EU setzt Maßstäbe für zukünftige länderübergreifende Kooperationen in Forschung, Lehre und Wissenstransfer

  • Forschung: Ein internationales Team untersucht Treibhausgase, Mikroplastik und Luftqualität in europäischen Küstengewässern auf der ersten mehrwöchigen SEA-EU Forschungsfahrt.
  • Lehre: Aufbau internationaler Studien- und Fortbildungsprogramme, die sich an mehr als 150.000 Studierende und Forschende richten.
  • Wissenstransfer: „Smart Shipping“ steht bei der Dialogveranstaltung Kieler Marktplatz – erstmals länderübergreifend – auf der Agenda.

Europaweiter Zusammenhalt, gemeinsame Werte und Erforschung umweltverträglicher Lösungen: Um die länderübergreifende Vernetzung sowie internationale Bildung und Forschung voranzutreiben, spielen Europäische Hochschulallianzen eine immer wichtigere Rolle – so auch die Europäische Universität der Meere (SEA-EU). Neun Hochschulen, darunter die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), alle an Küstenstandorten gelegen, haben sich hier zusammengeschlossen. Vom 30. Mai bis 2. Juni 2022 empfängt die Uni Kiel Delegationen aller SEA-EU Partner-Universitäten. Gemeinsam bilden sie einen multiethnischen, mehrsprachigen und transdisziplinären `interuniversitären´ Hochschulcampus mit mehr als 150.000 Studierenden und Forschenden. Zugleich legt der Forschungskatamaran „Oceanograf“ auf der von den SEA-EU Partnern ausgerichteten wissenschaftlichen Fahrt in Kiel an.

Fruchtbare Internationalisierung und konstruktive Zusammenarbeit

Initial vertreten durch den CAU Forschungsschwerpunkt Kiel Marine Science (KMS), stellt SEA-EU heute eines der wichtigsten internationalen Programme an der Uni Kiel dar. „Die CAU blickt auf eine mehr als 300-jährige Tradition in den Meereswissenschaften zurück und integriert als Volluniversität vielfältige inter- und transdisziplinäre Ansätze in Forschung, Lehre und Transfer. SEA-EU ist für uns ein Leuchtturmprojekt, um unser Profil auf europäischer Ebene einzubringen und mit innovativen Mobilitäts- und Kooperationsprojekten zur Vision der europäischen Hochschulallianzen beizutragen“, sagt CAU-Präsidentin Simone Fulda. Die enge Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern erlaubt es, die länderübergreifende Entwicklung von Technologien, Konzepten und Modellen voranzutreiben. „So können wir wichtige Beiträge zur Lösung der großen gesellschaftlichen, globalen Herausforderungen unserer Zeit leisten. Eine bedeutende Orientierungshilfe hierbei sind die UN-Nachhaltigkeitsziele, die für uns im Einklang mit den europäischen Werten stehen.“

40 Tage auf See, 4.000 nautische Meilen, mehr als 45 Forschende

Erstmals seit Gründung von SEA-EU im Jahr 2019 sind die Partner zu einer gemeinsamen Forschungsfahrt gestartet. „Eindrucksvoll zeigt die Fahrt am Beispiel der Meereswissenschaften, wie länder- und kulturübergreifende Forschung sowie Ausbildung zukünftig funktionieren kann“, erläutert Professorin Nele Matz-Lück, Vizepräsidentin für Internationales, Nachwuchs, Gleichstellung und Diversität an der CAU. Der Danziger Forschungskatamaran Oceanograf legt auf seiner Fahrt von Danzig nach Cádiz vom 1. bis 4. Juni in Kiel an.

Mehr als 45 Meereswissenschaftlerinnen und Meereswissenschaftler aus sechs Ländern sowie weitere Studierende und Tagesgäste sind an der rund 40-tägigen Forschungsfahrt beteiligt. Auf der wissenschaftlichen Agenda stehen: eine großangelegte Untersuchung von Mikroplastik und der Luftqualität in europäischen Küstengebieten.

Die Forschenden messen an Bord der Oceanograf zum Beispiel Treibhausgase in Sedimenten auf einer Tagesfahrt in die Eckernförder Bucht – mit Begleitung von Studierenden der Uni Kiel. Diese Untersuchungen werden federführend vom Institut für Geowissenschaften an der CAU organisiert. Die gesamte Forschungsfahrt liefert einen wichtigen Beitrag zur Ausbildung von Studierenden zu aktuellen Themen in der Meeresforschung. Sie bündelt Ressourcen und Kapazitäten und stärkt die Forschungszusammenarbeit der europäischen Universitäten innerhalb von SEA-EU.

Innovative Lern-, Lehr- und Mobilitätsprojekte

„Im Rahmen von SEA-EU intensivieren wir die Internationalisierung, fördern die Mobilität von Studierenden und entwickeln neue digitale Lehrformate in Studium und Lehre“, sagt Matz-Lück. Studierende, Promovierende, Forschende, Lehrende und Mitarbeitende können sich mit innovativen und digitalen Lehr- und Kommunikationsprogrammen im europaweiten Hochschulcampus fort- und ausbilden lassen. „Wir möchten unsere CAU-Absolvierenden bestens auf international geprägte Arbeitszusammenhänge vorbereiten und sie frühzeitig beim Aufbau eigener Netzwerke und Karrieremöglichkeiten unterstützen“, betont Matz-Lück.

Zugleich stärkt das Projekt den europäischen Hochschulraum im weltweiten Wettbewerb. Gemeinsame aktuelle Ziele der SEA-EU Mitglieder sind: Die Entwicklung von innovativen Lehr- und Lernformate, die Schaffung von neuen Kooperationsformen für Bildung, Forschung, Technologietransfer und der Wissensaustausch sowie die Stärkung des pan-europäischen Zusammenhalts.

Kieler Marktplatz: Smart Shipping

Flankiert wird die SEA-EU Woche vom Kieler Marktplatz. „Mit der Veranstaltung wollen wir den Dialog zwischen Wissenschaft und Wirtschaft weiter ankurbeln und unsere Forschungs- und Industriekooperationen stärken“, sagt Dr. Christian Wagner-Ahlfs. Als Koordinator für transdisziplinäre Meeresforschung im Forschungsschwerpunkt Kiel Marine Science (KMS), Universität Kiel, ist er verantwortlich für den gesellschaftlichen Dialog. Der diesjährige Marktplatz wird erstmals international unter dem Dach von reSEArch-EU mit Gästen aus Danzig ausgerichtet. Das Thema: Smart Shipping sowie die Entwicklung innovativer, nachhaltiger Schifffahrt durch Digitalisierung.

Die Veranstaltungsreihe Kieler Marktplatz wird seit mehr als zehn Jahren gemeinsam mit dem Wissenschaftszentrum Kiel (WiZe), dem Maritimen Cluster Norddeutschland (MCN), Geschäftsstelle Schleswig-Holstein, und der Universität Kiel ausgerichtet. Wagner-Ahlfs ergänzt: „Unser Ziel ist es, die länderübergreifende Zusammenarbeit in der angewandten Forschung durch Wissenstransfer zu stärken“.

Fünf Menschen vor einem Schiff, das an einer Kaikante liegt
© Bevis Nickel

Vor dem Danziger Forschungskatamaran Oceanograf begrüßte CAU-Vizepräsidentin Professorin Nele Matz-Lück (r.) eine Delegation des Hochschulbündnisses SEA-EU, vertreten durch Professor Fidel Echevarría (Mitte) von der spanischen Universität Cádiz. Gemeinsam mit Dr. Aleksandra Brodecka-Goluch (Universität Danzig, wissenschaftliche Fahrtleiterin, 2. v. l.), Dr. Jens Schneider von Deimling (CAU, wissenschaftlicher Fahrtleiter der Tagesfahrt, 2. v. r.) und Professor Piotr Stepnowski (Rektor, Universität Danzig, l.) besichtigten sie den Danziger Forschungskatamaran, der vom 1. bis 4. Juni Halt in Kiel einlegt.

Grafik: Route der SEA-EU Forschungsfahrt auf einer Europakarte
© Alan Stocki, Universität Danzig

Route der mehrwöchigen Forschungsfahrt von SEA-EU mit dem Danziger Forschungskatamaran "Oceanograf"

Gruppenfoto auf einer Terrasse
© Friederike Balzereit, Uni Kiel

Beim Kiel-Danzig Marktplatz kamen Expertinnen und Experten aus beiden Städten zusammen und diskutierten zum Thema „Smart Shipping und der Entwicklung innovativer, nachhaltiger Schifffahrt durch Digitalisierung: Axel Koch (CAU, Geschäftsbereich Transfer), Dr. Malgorzata Bielenia (Universität Danzig), Peter Möller (MCN Maritimes Cluster Norddeutschland), Dr. Christian-Wagner Ahlfs (CAU, Kiel Marine Science), Professor Hauke Schramm (FH Kiel), Dr. Aleksandra Dudkowska (Universität Danzig), Björn Schwarze (CEO ADDIX Internet Services GmbH), Dr. Wiebke Müller-Lupp (Wissenschaftszentrum Kiel GmbH), Professor Dirk Nowotka (CAU, Institut für Informatik), Dr. Nicole Schmidt (CAU, Kiel Marine Science) und Professor em. Marek Grzybowski (Baltic Sea & Space Cluster).

Über SEA-EU – Die Europäische Universität der Meere

Die Vision der Europäischen Universität der Meere (SEA-EU) ist es, eine ausgeprägte internationale, multiethnische, mehrsprachige und interdisziplinäre europäische Universität zu etablieren. SEA-EU will die Verbindungen zwischen Bildung, Forschung und Innovation sowie Wissenstransfer stärken und soziales Engagement und Umweltverantwortung fördern. Bislang bildeten sechs Universitäten die Allianz: die Universität Cádiz, Koordinatorin der Allianz, die Universität der Westbretagne (Frankreich), die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die Universität Danzig (Polen), die Universität Split (Kroatien) und die Universität Malta. Seit 2022 gehören drei weitere Partner zu dem Netzwerk: die Universität Neapel Parthenope (Italien), die Universität der Algarve (Faro, Portugal) und die Nord Universität (Bodø, Norwegen).

Gemeinsam haben sie Ende März einen Antrag bei der EU-Kommission für eine neue vierjährige Förderphase ab 2023 eingereicht. Dann kann in erweiterter Runde der Aufbau der Allianz und eines echten europäischen Campus vorangetrieben werden. Denn die Strategie zielt darauf ab, einen Campus zu schaffen, auf dem alle Studierenden und Mitarbeitenden Europa ohne bürokratische Hindernisse durch ein vielfältiges Angebot an Aktivitäten und Kooperationen ganz konkret erleben können. Die Reise der Hochschulallianz SEA-EU – eine der ersten, die von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen wurde – begann 2019 dank der europäischen Hochschulinitiative ERASMUS+ und gehört zu derzeit 41 europäischen Hochschulallianzen.

Webseite SEA-EU

Über die Europäische Forschungsfahrt mit dem Forschungskatamaran Oceanograf

Mehr als 45 Meereswissenschaftlerinnen und Meereswissenschaftler aus sechs Ländern sowie weitere Studierende und Tagesgäste untersuchen in rund 40 Tagen auf See die Küstengewässer von Ostsee, Nordsee und Atlantik auf Gasaustritte, Mikroplastikkonzentration, der Zusammensetzung der Ozean-Atmosphären-Grenzschicht sowie die Luftverschmutzung in den angesteuerten Häfen.

Die Fahrt mit dem polnischen Forschungskatamaran Oceanograf der Universität Danzig führt von Danzig über Kiel und Brest nach Cádiz (bis zurück nach Danzig) und findet unter dem Dach der europäischen Hochschulallianz SEA-EU statt. Eine Strecke von mehr als 4.000 nautische Meilen wollen die Forschenden dabei beproben. Sie ist die erste gemeinsame wissenschaftliche Ausfahrt von Forschenden der sechs SEA-EU Partner-Universitäten Danzig, Kiel, Brest, Split, Malta und Cádiz.

Weiterführende Informationen

Über den Kieler Marktplatz

Der 24. Kieler Marktplatz wird am 31. Mai 2022 zum ersten Mal als internationale Veranstaltung gemeinsam mit der Universität Danzig unter dem Dach von reSEArch-EU, ein Projekt von SEA-EU, ausgerichtet. Die Uni Kiel gehört gemeinsam mit ihren Partnern der Universitäten Cadiz, Brest, Malta, Danzig und Split zu diesem Bündnis. Neben der Förderung der Mobilität unter Studierenden, Forschenden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der beteiligten Universitäten, sollen gezielt Veranstaltungen zur Wissensvermittlung und Transfer organisiert werden.

Weiterführende Informationen

Über Kiel Marine Science (KMS)

Kiel Marine Science (KMS), das Zentrum für interdisziplinäre Meereswissenschaften an der CAU widmet sich der interdisziplinären Erforschung der Meere an der Schnittstelle von Mensch und Ozean. Dabei bündeln die Forschenden ihre Expertise aus unterschiedlichen natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen und untersuchen die Risiken und Chancen, die das Meer für den Menschen bereithält und bilden die nächste Generation fachübergreifend aus. Gemeinsam mit Akteuren außerhalb der Wissenschaft arbeiten sie weltweit und transdisziplinär an Lösungen für eine nachhaltige Nutzung und den Schutz des Ozeans.

Weiterführende Informationen

Ein kurzes, englischsprachiges Statement über die Vision und gemeinsame Strategie der Europäischen Universität der Meere (SEA-EU) des Hauptkoordinators Professor Fidel Echevarría.

Preview

Bitte beachten Sie: Sobald Sie sich das Video ansehen, werden Informationen darüber an Youtube/Google übermittelt. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Google Datenschutzerklärung.

Kontakt (SEA-EU an der CAU):

Dr. Martina Schmode
Leitung International Center an der CAU
mschmode@uv.uni-kiel.de

Dr. Jonathan Durgadoo
Koordinator
jdurgadoo@kms.uni-kiel.de

Kontakt (Kieler Marktplatz, Oceanograf):

Friederike Balzereit
Wissenschaftskommunikation | Öffentlichkeitsarbeit
Forschungsschwerpunkt Kiel Marine Sciences (KMS)
fbalzereit@uv.uni-kiel.de
0431/880-3032
Zur Website

Pressekontakt:

Stabsstelle Presse, Kommunikation und Marketing der Kieler Universität
Sachgebiet Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation