Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille geht an Thomas Bosch

DZG würdigt CAU-Professor für sein hervorragendes wissenschaftlichen Wirken in der Metaorganismus-Forschung

Die Deutsche Zoologische Gesellschaft (DZG) zeichnet den Zell- und Entwicklungsbiologen Professor Thomas Bosch von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) mit ihrem Wissenschaftspreis für Zoologie aus. Der Preis wird seit 1980 im zweijährlichen Turnus an Forschende verliehen, deren Arbeiten sich durch hervorragende zoologische Leistungen auszeichnen und die eine Integration der Erkenntnisse mehrerer biologischer Einzeldisziplinen darstellen. Es ist der bedeutendste Wissenschaftspreis der Zoologie in Deutschland und ist mit 10.000 Euro dotiert. Bosch nahm die Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille 2022 am vergangenen Freitag, 16. September, bei der DZG-Jahrestagung in Bonn entgegen.

„Ich möchte Thomas Bosch im Namen der gesamten Universitätsleitung herzlich zu dieser besonderen Auszeichnung gratulieren. Sie bedeutet eine sehr verdiente Anerkennung seiner Forschungsleistungen und seiner Bemühungen um Exzellenz im Bereich der Metaorganismus-Forschung an unserer Universität. Damit trägt Bosch maßgeblich dazu bei, dass wir uns in der internationalen Konkurrenz der lebenswissenschaftlichen Spitzenforschung behaupten können.“

CAU-Präsidentin Professorin Simone Fulda

Der Sprecher des CAU-Forschungsschwerpunkts Kiel Life Science (KLS) und des Kieler Sonderforschungsbereichs (SFB) 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ erhielt den Preis für seine Arbeiten an einem unkonventionellen Modelltier, dem Süßwasserpolypen Hydra, die zur Entwicklung neuer Konzepte in der evolutionären Entwicklungsbiologie führten. Boschs Arbeiten konzentrieren sich auf den Ursprung und die Funktion von Symbiosen und die Bedeutung symbiotischer Mikroorganismen für die Entwicklung und Evolution von Tieren. Der Kieler Entwicklungsbiologe fand viele Beispiele dafür, dass tierische Wirte, die eng verflochten mit ihrem Mikrobiom in symbiotischen Gemeinschaften leben, einen Metaorganismus formen und sich als funktionelle Einheit gemeinsam entwickeln.
 

Pionierarbeit in der Wirts-Mikroben-Forschung

Im Mittelpunkt von Boschs Forschungsarbeit steht die funktionelle Bedeutung der symbiotischen Beziehungen von Wirtslebewesen und Mikroorganismen. Er entdeckte unter anderem, dass Wirt und Symbiont über stammesgeschichtlich alte Immunwege Informationen austauschen. Andere Symbiose-fördernde Faktoren fand er beispielsweise in gegenseitigen Abhängigkeiten vom Stoffwechselsystem der Partner, sogar gegenseitige Beeinflussungen zwischen dem Nervensystem eines Wirtes und seinem Mikrobiom wurden deutlich. Mit innovativen Ideen konnte Bosch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus vielen Fachrichtungen für offene Fragen zum Ursprung und Funktionieren von Metaorganismen begeistern. So gelang es ihm 2016, den SFB 1182 an der CAU zu etablieren und ein interdisziplinäres Wirts-Mikrobiom-Forschungszentrum in Deutschland aufzubauen. Die Arbeiten zum Konzept des Metaorganismus erstrecken sich unter anderem auf Grundlagenforschung in den Lebenswissenschaften sowie auf Felder in der Medizin, Anthropologie und Meeresforschung.

Boschs Pionierarbeit zur Schlüsselrolle symbiotischer Mikroorganismen führten auch international zu außerordentlicher Beachtung in der lebenswissenschaftlichen Forschungsgemeinschaft. Er wurde mit einer Reihe nationaler und internationaler Ehrungen ausgezeichnet. So erhielt Bosch in 2004 die Ehrendoktorwürde an der Staatlichen Universität St. Petersburg. Zum Fellow des Canadian Institute for Advanced Research (CIFAR) im Programm “Humans and the Microbiome” wurde er 2016 gewählt. Das Wissenschaftskolleg zu Berlin ernannte Bosch 2018/2019 zum Fellow. 2021 wählte ihn das Microbiota Vault-Projekt in den Vorstand und ermöglicht ihm die Mitwirkung bei der Gestaltung dieser weltweiten Initiative zur Bewahrung der Diversität von Mikroorganismen.

Über die Karl-Ritter-von-Frisch Medaille:
Der Wissenschaftspreis der Deutsche Zoologische Gesellschaft (DZG), die Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille, ist nach dem Nobelpreisträger und Mitglied des Ordens Pour le Mérite Prof. Dr. Karl Ritter von Frisch benannt. Mit dem Preis will die DZG hervorragende und originelle Leistungen auszeichnen, insbesondere solche Werke, die eine Integration der Erkenntnis mehrerer biologischer Einzeldisziplinen darstellen. Der Wissenschaftspreis der Zoologie würdigt hervorragende Arbeiten aus dem deutschsprachigen Raum, die Erkenntnisse aus mehreren biologischen Einzeldisziplinen zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Die Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille ist mit 10.000 Euro dotiert. In diesem Jahr wird der Wissenschaftspreis der DZG zum 22. Mal verliehen.

Wissenschaftlicher Kontakt:

Prof. Thomas Bosch,
Sprecher Forschungsschwerpunkt Kiel Life Science &
SFB 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“, CAU
0431-880-4170
tbosch@zoologie.uni-kiel.de

© Dr. Sabine Giessler
© Dr. Sabine Giessler

Prof. Thomas Bosch nahm die Karl-Ritter-von-Frisch Medaille von DZG-Präsidentin Prof. Gabriele Uhl bei der Jahrestagung 2022 in Bonn entgegen.

 

Bild des Preisträgers
© Dr. Sabine Giessler

Bosch erhielt den Preis für seine Arbeiten am Süßwasserpolypen Hydra, die zu neuen Konzepten zur Bedeutung symbiotischer Mikroorganismen für die Entwicklung und Evolution von Tieren beigetragen haben.

Nahaufnahme einer Medaille
© privat

Die Medaille wird an Forschende verliehen, deren Arbeiten sich durch hervorragende zoologische Leistungen auszeichnen und die eine Integration der Erkenntnisse mehrerer biologischer Einzeldisziplinen darstellen.

Weitere Informationen:

Über Kiel Life Science (KLS)

Das interdisziplinäre Zentrum für angewandte Lebenswissenschaften – Kiel Life Science“(KLS) – vernetzt an der CAU Forschungen aus den Agrar- und Ernährungswissenschaften, den Naturwissenschaften und der Medizin. Es bildet einen von vier Forschungsschwerpunkten an der Universität Kiel und will die zellulären und molekularen Prozesse besser verstehen, mit denen Lebewesen auf Umwelteinflüsse reagieren. Im Mittelpunkt der Forschung stehen Fragen, wie sich landwirtschaftliche Nutzpflanzen an spezielle Wachstumsbedingungen anpassen oder wie im Zusammenspiel von Genen, dem individuellen Lebensstil und Umweltfaktoren Krankheiten entstehen können. Gesundheit wird dabei immer ganzheitlich im Kontext der Evolution betrachtet. Unter dem Dach des Forschungsschwerpunkts sind derzeit rund 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 40 Instituten und sechs Fakultäten der CAU als Vollmitglieder versammelt.

Zu Kiel Life Science (KLS)

Über den SFB 1182

Der Sonderforschungsbereich „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ ist ein interdisziplinäres Netzwerk unter Beteiligung von rund 80 Forschenden, das die Interaktionen spezifischer Mikrobengemeinschaften mit vielzelligen Wirtslebewesen untersucht. Es wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt und beschäftigt sich mit der Frage, wie Pflanzen und Tiere einschließlich des Menschen gemeinsam mit hoch spezifischen Gemeinschaften von Mikroben funktionale Einheiten (Metaorganismen) bilden. Ziel des SFB 1182 ist es, zu verstehen, warum und wie mikrobielle Gemeinschaften diese langfristigen Verbindungen mit ihren Wirtsorganismen eingehen und welche funktionellen Konsequenzen diese Wechselwirkungen haben. Im SFB 1182 sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus fünf Fakultäten der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, dem Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie Plön, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, dem Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und der Mathematik und der Muthesius Kunsthochschule zusammengeschlossen.

Pressekontakt:

Christian Urban
Wissenschaftskommunikation
„Kiel Life Science", CAU
0431-880-1974
curban@uv.uni-kiel.de