unizeit Schriftzug

Traumjob: Rechtsmedizinerin!

Mit einem klaren Ziel vor Augen hat Sandy Ohm nach der Berufsausbildung das Abitur nachgeholt und ein Medizinstudium begonnen. Das Deutschlandstipendium verschafft ihr den Freiraum, sich voll aufs Studieren zu konzentrieren.

Sandy Ohm
© pur.pur

Sandy Ohm studiert im zweiten Semester Medizin an der Uni Kiel. Sie ist eine von aktuell 110 Studierenden mit Deutschlandstipendium.

»Ich habe mich total gefreut, dass das mit dem Stipendium geklappt hat«, erzählt Sandy Ohm im Videointerview. Eine persönliche Begegnung mit der Kieler Studentin ist wegen der Corona-Beschränkungen nicht möglich. Aber auch über den Bildschirm ist die Freude über das Stipendium, über die Zulassung zum Medizinstudium und darüber, eine weitere Etappe geschafft zu haben, deutlich zu spüren. »Medizin zu studieren, war die letzten Jahre mein großes Ziel. Ich möchte in die Rechtsmedizin. Auch ohne Stipendium hätte ich das Studium begonnen und durchgezogen, auf jeden Fall. Aber es wäre eine weitere Hürde gewesen. Ich bin echt froh, dass ich nicht arbeiten muss, um mich zu finanzieren.«

Dass die heute 22-Jährige einmal studieren würde, war nach der Schule keineswegs klar. »In meiner Familie hatten viele nicht mal einen Realschulabschluss.« Ohm kommt aus dem Kieler Stadtteil Mettenhof; laut Sozialbericht 2018 leben hier viele Menschen von Sozialleistungen. Auch in ihrer Familie ist das Geld knapp. Sie spricht von schwierigen Verhältnissen, einem Alkoholproblem in der Familie und Privatinsolvenz. Die schulischen Leistungen sacken ab. Nach der achten Klasse wechselt sie vom Gymnasium auf die Realschule. Dort läuft es wieder besser, und sie beendet die Schule mit einem guten Realschulabschluss. Es folgt eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten, die sie aufgrund der guten schulischen Leistungen nach zweieinhalb statt drei Jahren beendet. »Das Medizinische in der Schule hat total Spaß gemacht«, sagt Sandy. Aber ein Leben lang als Arzthelferin zu arbeiten, kann sie sich nicht vorstellen. Zu schlechte Bezahlung, wenig Anerkennung und für sie zu wenig Herausforderung.

Sie träumt davon, in der Rechtsmedizin zu arbeiten und erwägt eine Ausbildung zur Sektionsassistentin anzuschließen. Letztlich entscheidet sie sich dann aber für den aufwändigeren, aber konsequenteren Weg: Abitur nachholen und Medizinstudium. Sie drückt noch einmal für zwei Jahre die Schulbank. Im Sommer 2019 hält sie ihr Abiturzeugnis in der Hand: Notendurchschnitt 1,1. Damit steht ihr der Weg ins Medizinstudium offen.

Von der Familie erhält sie viel Zuspruch. Auch oder gerade weil sie die erste in der Familie ist, die Abitur gemacht hat und studiert. »Meine Eltern waren mir in den letzten Jahren eine riesige emotionale Unterstützung. Wo sie helfen konnten, haben sie es immer getan. Als ich den Medizinstudienplatz hatte, sind sie total ausgerastet vor Freude. Ich bin der Stolz der ganzen Familie.«

Sie selbst ist nach wie vor davon überzeugt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. »Ich habe im ersten Semester einen Tag in der Kieler Rechtsmedizin hospitiert. Das war so toll. Das ist mein Weg, auf jeden Fall.« Die Vorstellung, stark verweste oder verstümmelte Körper zu obduzieren, schreckt sie nicht. »Klar gibt es schönere Dinge als zum Beispiel eine Kinderleiche vor sich zu haben. Aber das Interesse daran und der Wunsch herausfinden, woran eine Person gestorben ist, ist einfach größer. Das ist eine wichtige Arbeit und super interessant. Ich kann mir keinen tolleren Beruf für mich vorstellen.«

Bis es so weit ist, muss sie aber noch etliche Semester studieren und viele Prüfungen absolvieren. Und auch das gefällt ihr. »Ich habe mich total gefreut, als das zweite Semester losging mit den Onlinekursen. Ich habe richtig gebrannt, endlich weiterzumachen. Es ist sicherlich viel zu tun. Das kann man auch nicht schönreden. Aber ich habe halt diesen Wissensdurst und ich freue mich auf jede Vorlesung und auch auf das Miteiander mit Kommilitoninnen und Kommilitonen.«

Autorin: Kerstin Nees

Das Deutschlandstipendium

Sandy Ohm ist eine von 110 Studentinnen und Studenten an der Universität Kiel, die im Jahr 2019 ein Deutschlandstipendium erhalten haben. Beworben hatten sich 480 Personen. Sie erhält ein Jahr lang monatlich 300 Euro, also insgesamt 3.600 Euro. Stifterinnen und Stifter geben pro Stipendium 1.800 Euro. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung gibt den gleichen Anteil hinzu.

Die Stipendien werden nach Begabung und Leistung vergeben. Dabei wird die Abiturnote besonders berücksichtigt. Weitere Bonuspunkte gibt es für langjähriges gesellschaftliches Engagement, besondere familiäre Umstände und herausragende außerschulische Leistungen. Auch Studierende der ersten Generation, das heißt, kein Elternteil hat einen akademischen Abschluss, werden besonders berücksichtigt. (ne)

www.deutschlandstipendium.uni-kiel.de

Neue unizeit-Reihe

Stipendien kriegen immer nur die anderen. – Ist das wirklich so? Es gibt nur eine Möglichkeit, das herauszufinden: sich selbst bewerben, am besten auf mehrere Ausschreibungen. Studierende, die ein Stipendium ergattert haben, stellen wir in der neuen unizeit-Serie »Studieren mit Stipendium« in loser Folge vor. Neben dem Deutschlandstipendium gibt es viele andere Stipendien, auf die man sich bewerben kann. Gute Noten und wissenschaftliche Leistungen sind natürlich vorteilhaft bei der Vergabe. Aber auch andere Kriterien sind wichtig, zum Beispiel soziales, ökologisches oder politisches Engagement, besondere familiäre Umstände oder sportliches Talent. (ne)

www.uni-kiel.de/foerderer/stipendien

unizeit-Suche:

In den unizeit-Ausgaben 27-96 suchen