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Bremerskamp: Ein neues Stadtviertel entsteht in Kiel

Land Schleswig-Holstein, Landesuniversität und Landeshauptstadt wachsen weiter zusammen

Der Bremerskamp ist mit rund zehn Hektar die größte zusammenhängende Entwicklungsfläche auf dem Campus der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Hier soll künftig ein lebendiger, universitär geprägter Stadtteil entstehen, der exzellente Forschungsbauten, eine hochwertige Studien- und Aufenthaltsqualität sowie studentisches und städtisches Wohnen miteinander verbindet. Gemeinsam haben das Land Schleswig-Holstein, die Landeshauptstadt Kiel, die Universität Kiel, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und das Studentenwerk Schleswig-Holstein ihre Vorstellungen für die weitere Entwicklung des Areals formuliert. Unter Leitung der Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH), dem Stadtplanungsamt Kiel und dem beauftragten Planungsbüro Schmieder.Dau.Architekten.bda ist ein Rahmenplan für das neue Stadtviertel entstanden, der heute (Donnerstag, 7. Mai) der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

„Die dynamische Weiterentwicklung der Universität auf der einen Seite, großer Sanierungsstau auf der anderen Seite: Dieser Zustand musste dringend aufgelöst werden. Unser Campus ist bereits großflächig im Neubau. Mit dem Bremerskamp erhält die Universität an zentraler Stelle innerhalb des Stadtgebiets neue Möglichkeiten zur Entwicklung von Forschungs- und Lehrflächen, die nicht nur aktuelle Bedarfe einschließen. Hier ist Platz für die Zukunft: Hier entstehen neuartige Lebens- und Denkräume mit Aufenthaltsqualität und hohem Freizeitwert“, blickt CAU-Präsident Professor Lutz Kipp voraus in die Zukunft. „Uns war wichtig, auf die strukturellen Anforderungen der CAU mit größtmöglicher Flexibilität und hoher städtebaulicher Qualität reagieren zu können. Ich bin stolz auf das Ergebnis! Ich freue mich darauf zu sehen, wie die insgesamt neun Neubauten für Forschung und Lehre der CAU, fünf Gebäude für studentisches Wohnen, ein neues Parkhaus und eine neue Mensa und natürlich unser neuer Campus-Mitbewohner, das Max Rubner-Institut, zusammen einen modernen Campus bilden werden.“

Ein ganzheitlicher Ansatz steht im Fokus des Rahmenplans. Dazu gehören neue Gebäude ebenso wie die Anbindung der Veloroute 10, moderne Erschließungs- und Energieversorgungskonzepte, nachhaltiges Bauen unter Verwendung des Instrumentes der BNB-Zertifizierungen sowie der Erhalt zusammenhängender Grünflächen. Ermöglicht wurde dieser Rahmenplan durch ein kooperatives Workshopverfahren, das sich unter Leitung der GMSH bereits für das Anger-Gelände am CAU-Campus und an der Technischen Fakultät der CAU in Kiel Gaarden bewährt hatte. Frank Eisoldt, Geschäftsführer der GMSH, erläutert die besonderen Herausforderungen bei diesem Rahmenplan: „Neben Vertretern der GMSH, der CAU, des Landes und der Stadt waren diesmal mit der BImA und dem Studentenwerk noch mehr Parteien an dem Entwicklungsprozess beteiligt. Umso mehr freut es mich, dass wir gemeinsam einen Rahmenplan erarbeitet haben, der eine exzellente Grundlage für ein modernes Wissenschaftsquartier ist.“

Fünf Architekturbüros stellten ihre Planungen vor. Aus dem kooperierenden Verfahren ging schließlich der Entwurf des Planungsbüros Schmieder.Dau.Architekten als derjenige hervor, auf dessen Basis die Rahmenplanung gemeinsam weiterentwickelt wurde. „Dieses städtebauliche Großprojekt auf einem Hochschulcampus sucht seinesgleichen in Schleswig-Holstein. Mit diesem Rahmenplan verankern wir die Universität neu in der Stadt“, so Eisoldt. Eine Aufstellung der Bebauungspläne sei bis Ende 2021 vorgesehen. Bis Ende 2025 können die ersten Gebäude stehen.

Dr. Oliver Grundei, Staatssekretär im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, sieht mit dem neuen Kieler Wissenschaftsstadtteil den Wissenschaftsstandort Schleswig-Holstein weit vorn: „Mit der Rahmenplanung für den neuen Campus am Bremerskamp ist ein weiterer wichtiger Meilenstein für die Stärkung des Wissenschaftsstandorts Schleswig-Holstein gelegt. Gemeinsam mit dem Finanzministerium haben wir in den letzten Monaten langfristige Finanzierungsmöglichkeiten für den Hochschulbauetat des Landes erarbeitet. Dies versetzt uns in die Lage, die dringend notwendigen Bauvorhaben mittel- bis langfristig zu realisieren.“

Die Pressekonferenz als Videomitschnitt:

Pressekonferenz Rahmenplan Bremerskamp am Donnerstag, 7. Mai 2020 in der Universitätsbibliothek der Uni Kiel

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Bremerskamp: nachhaltige und lebendige Stadtentwicklung

Der Bremerskamp ist der Startschuss für die Entstehung einer Kiel.Science.City und der Entwicklung eines neuen Hochschulstadtteils, der über die Vorlesungszeit hinaus belebt ist. Städtische und universitäre Nutzung gehen hier ineinander über, erklärt Dr. Ulf Kämpfer, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Kiel: „Forschung und Lehre, Wirtschaft, Wohnen, Startups und Freizeit sollen sich hier begegnen. Auf diese Weise schaffen wir ein zukunftsfähiges Quartier und binden die CAU noch enger in die Stadt ein. Dass wir gerade zum jetzigen Zeitpunkt diesen wichtigen Schritt machen, ist ein starkes Signal für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Kiel.“ 

Ganz konkret soll die Verlängerung der Johann-Fleck-Straße in den Campus hinein Bestandteil dieser Entwicklung sein. „Wir untersuchen außerdem die mögliche Trassenführung einer Stadtbahn entlang der Olshausenstraße“, so Oberbürgermeister Kämpfer. Das geplante Erschließungskonzept stärke durch intelligente Wegeführungen zudem nachhaltig den Fuß- und Radverkehr auf dem Campus und in die anliegenden Stadtteile hinein.

„Die CAU hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 klimagerechter zu werden“, ergänzt Kipp. „Für den Bremerskamp ist deshalb ein übergeordnetes Energieversorgungskonzept vorgesehen, das regenerative Energien einbindet. Für die einzelnen Gebäude streben wir außerdem eine Zertifizierung für nachhaltiges Bauen an“, so Kipp weiter.  

In den Außenbereichen setzt sich das Nachhaltigkeitskonzept fort: Der Bebauung steht eine große, zusammenhängende Grünfläche rund um die Zentralbibliothek gegenüber. Biodiversität, Retentionsflächen und naturnahe Nutzungen wie Gewächshäuser sollen hier erhalten bleiben, ebenso wie vorhandene Biotopstrukturen und charakteristische, ortsbildprägende Bäume. Fassadenbegrünungen, ergänzende Baumanpflanzungen tragen zur Verbesserung des örtlichen Mikroklimas bei.

Wohnen und Leben direkt am Campus

In der Leibnizstraße sollen zunächst 90 bis 130 neue Wohneinheiten für Studentinnen und Studenten geschaffen werden. Dafür wurde eigens eine dreieckige Grundstücksfläche entlang der Leibnizstraße identifiziert. Susann Schrader, Geschäftsführerin Studentenwerk Schleswig-Holstein: „Wir begrüßen es sehr, dass bei der Erweiterung des Campusbereichs neben neuen Forschungs- und Lehrgebäuden auch Studierendenwohnheime berücksichtigt werden. Dadurch wird dringend benötigter bezahlbarer Wohnraum geschaffen und zusätzlich der Hochschulcampus, auch nach Ende der Lehrveranstaltungen, belebt.“ Nach dem ersten Wohnheim sollen in den nächsten Jahren voraussichtlich vier weitere jeweils mehrgeschossige Wohnheime entstehen. Zusätzlich könnten hier, nordwestlich der Universitätsbibliothek, bis zu 390 Wohnheimplätze geschaffen werden. Auch ein Neubau der Mensa II, bisher in der Leibnizstraße angesiedelt, soll auf den Bremerskamp ziehen. Mit rund 8.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche ist sie ein verbindendes Element für die Campusbereiche zu beiden Seiten der Olshausenstraße.

Bundesforschung am Bremerskamp

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) errichtet am Bremerskamp in den kommenden Jahren in Kiel einen Neubau für das Max Rubner-Institut (MRI) in direkter Nachbarschaft der CAU. Diese Standortentscheidung gab die BImA während der Veröffentlichung des Rahmenplans bekannt. Der Ersatzneubau für das Gebäude in der Hermann-Weigmann-Straße soll bis 2026 fertiggestellt werden, erklärte Stefan Kortmann, zuständig für die Planung des Forschungsneubaus: „Der neue Standort für das Max Rubner-Institut ist für einen Institutsneubau ideal gelegen.“

Professor Pablo Steinberg, Präsident des Max Rubner-Instituts: „Es besteht bereits jetzt eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Universität Kiel, was nicht zuletzt ein Kooperationsvertrag zwischen beiden Institutionen belegt. Die zukünftige räumliche Nähe zur Universität Kiel wird zu einer noch intensiveren Vernetzung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max Rubner-Instituts und der Universität Kiel führen.“

Das Max Rubner-Institut (MRI) ist ein Bundesforschungsinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Der Forschungsschwerpunkt liegt im gesundheitlichen Verbraucherschutz bzw. im Ernährungsbereich. Das MRI berät auf diesem Gebiet fachlich und erarbeitet wissenschaftliche Entscheidungshilfen für das BMEL. Am Standort Kiel ist unter anderem das Institut für Mikrobiologie und Biotechnologie (MBT) und das Institut für Sicherheit und Qualität bei Milch und Fisch (MF) beheimatet.

Neubau für die Evolutionsforschung am Bremerskamp

Professor Hinrich Schulenburg, Evolutionsbiologe an der CAU, macht mit seinem Neubau für die Evolutionsforschung den Anfang für den Bremerskamp: Bis 2025 entsteht das Forschungszentrum „Center for Fundamental Research in Translational Evolutionary Biology“ (CeTEB) am Bremerskamp. Der Wissenschaftsrat hat das CeTEB kürzlich als eines von zwei Projekten deutschlandweit als „besonders herausragendes Vorhaben“ für eine 50-prozentige Bundesförderung gemäß Artikel 91b empfohlen. Im Juni 2020 wird die finale Förderzusage der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) erwartet.

Das knapp 5.000 Quadratmeter große Gebäude (Nutzfläche bzw. 10.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche, BGF) soll dann auf dem Gelände des Bremerskamp in unmittelbarer Nähe des Biologiezentrums entstehen. Der Forschungsbau wird neue Heimat für Forschende der Evolutionswissenschaften an der Kieler Universität und von ihren Partnerinstitutionen in der Region. Im Fokus der Forschung stehen transdisziplinäre Vorhaben, insbesondere die Anwendung evolutionsbasierter Konzepte zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen in Umwelt, Gesundheit und Ernährung. Ein Beispiel ist die derzeitige Antibiotikakrise. „So kann eine Antibiotikabehandlung, die die evolutiven Veränderungen von Keimen nicht im Blick hat, im schlimmsten Fall die Ausbreitung von multiplen Resistenzen anfeuern – anstatt sie zu verhindern“, so Hinrich Schulenburg, künftiger Sprecher des CeTEB. „Diese Gefahr versuchen wir mit unserem Ansatz der Translationalen Evolutionsbiologie zu verringern.“

Fotostrecke:

Bremerskamp
Visualisierung
© SCHMIEDER.DAU-ARCHITEKTEN

Der Rahmenplan für den Bremerskamp.

Luftbild
© Matthias Burmeister, Uni Kiel

Der Bremerskamp von oben. Archivbild 2019

Gruppe von 7 Personen
© Jürgen Haacks, Uni Kiel

Stellten den Rahmenplan der Öffentlichkeit vor (von links): Ulf Kämpfer, Hinrich Schulenburg, Frank Eisoldt, Lutz Kipp, Susann Schrader, Oliver Grundei und Stefan Kortmann

Lutz Kipp mit Baumodell
© Jürgen Haacks, Uni Kiel

CAU-Präsident Lutz Kipp mit einem Modell des zukünftigen Bremerskamp-Areals

Zahlen und Fakten zum Rahmenplan Bremerskamp:

Instituts- und Forschungsgebäude

  • insgesamt neun Gebäude bzw. Gebäudeerweiterungen für die CAU
    (inkl. CeTEB, Biologiezentrum, exkl. MRI)
  • insgesamt ca. 83.500 Quadratmeter BGF auf zehn Hektar Grundfläche

Parkhaus „Mobilitätshub“

  • ca. 38.000 Quadratmeter BGF
  • bis zu 1.200 Stellplätze
  • beabsichtigte Realisierung: 1. Bauabschnitt bis 2025/
  • 2. Bauabschnitt bis 2029

Mensa II:

  • ca. 8.000 Quadratmeter BGF

Studentische Wohnheime:

  • zunächst 100 Wohneinheiten in der Leibnizstraße
  • bis zu 390 weitere Wohneinheiten in vier zusätzlichen Gebäuden entlang der Olshausenstraße
  • beabsichtigte Realisierung bis 2025/27 bzw. nach 2030, abhängig von der Baufeldfreimachung

Vorläufiger Zeitplan:

  • Bis Ende 2021 Beschluss der Bebauungspläne
  • 2022 Baubeginn CeTEB
  • 2022 Baubeginn MRI
  • 2024 Baubeginn mit Ersatzneubau für die Modulbauten in der Leibnizstraße
  • 2025 Fertigstellung CeTEB und Baubeginn des 1. Bauabschnitts Biologiezentrum
  • 2026 Fertigstellung Neubau MRI
  • 2029 Fertigstellung Biologiezentrum

Pressekontakt:

Claudia Eulitz
Sachgebietsleitung Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation

Weitere Kontakte:

Barbara Müller
Öffentlichkeitsarbeit
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)
0431 599-1106
oeffentlichkeitsarbeit@gmsh.de

Kerstin Klostermann
Studentenwerk Schleswig-Holstein
Abteilungsleiterin Kommunikation und Kultur
0431/8816-145
klostermann@studentenwerk.sh

Stefan Kortmann
Hauptstellenleitung FM Direktion Rostock
0381 336-200
Stefan.Kortmann@bundesimmobilien.de

Prof. Hinrich Schulenburg
Sprecher (des.) „Center for Fundamental Research in Translational Evolutionary Biology“ (CeTEB), CAU
0431/880-4141
hschulenburg@zoologie.uni-kiel.de