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Welchen Ruf hat der Lehrerberuf in Printmedien?

Kieler Forschende veröffentlichen Studie in Fachzeitschrift für Erziehungswissenschaft

In den 1990er und frühen 2000er Jahren bezeichneten Medien Lehrkräfte gern mal als „überfordert“, „unmotiviert“ oder gar „intrigant“. Die negative Berichterstattung kratzte am Image des Lehrerberufs. Aber wie stellt sich das gesellschaftliche Ansehen von Lehrkräften in den Medien heute dar? Forschende des Instituts für Pädagogisch-Psychologische Lehr- und Lernforschung (IPL) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) fanden heraus, dass heute über Lehrkräfte positiver berichtet wird. Anders sieht es bei Themen wie Schulsystem, Arbeitsbedingungen sowie Aus- und Weiterbildung aus. Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten sie in der Zeitschrift für Erziehungswissenschaft im Springer Verlag.

Lehrkräfte gelten als wichtige Akteurinnen und Akteure im Bildungsbereich. Sie haben einen großen Einfluss auf das Lernen und die psychosoziale Entwicklung ihrer Schülerinnen und Schüler. Daher dürfte das gesellschaftliche Ansehen von Lehrerinnen und Lehrern auch die Studienwahl von Abiturientinnen und Abiturienten sowie die berufliche Zufriedenheit vieler Lehrkräfte beeinflussen. Das nahmen die Forschenden Das nahmen die Forschenden Dr. Michaela M. Köller, Diplompsychologe Martin O. Stuckert und Professor Jens Möller, Inhaber des Lehrstuhls Psychologie für Pädagogen an der CAU, zum Anlass, in einer Studie aktuelle Darstellungen des Lehrerbilds in Printmedien zu untersuchen.

 

Printmedien auf den Pelz gerückt

Das Trio wählte eine Zufallsstichprobe von 570 aus 2.246 Artikeln aus dem FOCUS, dem SPIEGEL, und der ZEIT, die in 1.724 Printausgaben zwischen 2004 und 2014 abgedruckt wurden und den Lehrerberuf thematisierten. Für die Artikelrecherche durchsuchte das Team die jeweiligen Onlinearchive der Printmedien. Um zu ermitteln, wie Lehrkräfte und ihr Beruf in den Artikeln dargestellt wurden, unterzogen sie insgesamt 1.653 Textstellen qualitativen und quantitativen Inhaltsanalysen. Dabei stellten sie sich die Fragen: Ist die Berichterstattung über Lehrkräfte in den Printmedien zwischen 2004 und 2014 negativ? Berichten die drei Medien unterschiedlich über Lehrkräfte? Über welche Themen wird im Zusammenhang mit dem Lehrerberuf und den Lehrkräften berichtet? Und welche Valenz (Wertigkeit) weist die Berichterstattung über diese Themen auf?

 

Lehrkräfte in Printmedien heute motivierter dargestellt

Das Ergebnis fällt gemischt aus: „Unsere Studie zeigt, dass heute – anders als noch in den 1990er und frühen 2000er Jahren – insgesamt positiver über die Lehrkräfte selbst berichtet wird, vor allem bezogen auf ihre Motivation“, erklärt Köller. „Allerdings unterscheiden sich die drei Printmedien im Hinblick darauf, wie sie die wichtigen Faktoren Persönlichkeit und das Wissen und Können der Lehrkräfte darstellen: Während im FOCUS Lehrkräfte hinsichtlich ihres Wissens, Könnens und ihrer Persönlichkeit leicht bis sehr positiv präsentiert werden, erfolgen die Schilderungen des SPIEGELs und der ZEIT hierüber eher negativ.“ Köller und ihre Kollegen fanden aber noch mehr heraus: Themen, die mit dem Lehrberuf eng verknüpft sind, wie etwa das Schulsystem, die Arbeitsbedingungen und die Aus- und Weiterbildung, stehen nach wie vor in negativem Licht da. „Insgesamt hat sich die Darstellung des Lehrerberufes in den Printmedien FOCUS, SPIEGEL und ZEIT seit den 1990er und frühen 2000er Jahren zum Positivem gewandt. Das könnte auch das eigene Selbstverständnis von Lehrkräften beflügeln“, fasst Köller zusammen.

Originalarbeit:

Köller, M. M., Stuckert, M. O. & Möller, J. (2018). Das Lehrerbild in den Printmedien: Keine „Faulen Säcke“ mehr!, Zeitschrift für Erziehungswissenschaft. 1-15.
DOI: https://doi.org/10.1007/s11618-018-0856-5

 

Über das IPL:

Das IPL ist Anfang 2017 gegründet worden, um die Lehr- und Forschungsaktivitäten in den Bildungswissenschaften für das Lehramtsstudium an der CAU zu bündeln und sichtbar zu machen. Das Institut besteht derzeit aus zwei Arbeitseinheiten, die eng miteinander verzahnt sind: Psychologie für Pädagogen und Pädagogisch-Psychologische Diagnostik als Grundlage von Inklusion und Heterogenität. Die Neugründung des IPL mit den beiden Arbeitseinheiten bietet die Chance, die institutionelle Verankerung der schulbezogenen empirischen Professions- sowie Lehr- und Lernforschung in einem gesonderten Institut zu etablieren.
www.ipl.uni-kiel.de

Wissenschaftlicher Kontakt:

Dr. phil. Michaela M. Köller
Institut für Pädagogisch-Psychologische Lehr- und Lernforschung
 0431/880-1272
mkoeller@ipl.uni-kiel.de

Pressekontakt:

Farah Claußen
Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation