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Was bedeutet es, wenn man nicht den Geschlechternormen entspricht?

Clare Sears aus San Francisco spricht im Rahmen der „Bay Area Lecture“ an der Uni Kiel über die Kriminalisierung von queeren Personen

Am Mittwoch, 22. Januar, wird die Soziologin und Professorin Clare Sears von der San Francisco State University an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) über die Kriminalisierung von Menschen sprechen, die nicht der Heteronorm von männlich oder weiblich entsprechen. Im Vortrag geht es darum, wie queere und trans*idente Personen – also jene Menschen, die sich selbst nicht mit den Schubladen Frau oder Mann identifizieren – in der Geschichte der Vereinigten Staaten kriminalisiert und diskriminiert wurden.

Die Veranstaltung aus der Kieler Reihe „Bay Areas Lectures“ findet am Institut für Sozialwissenschaften der CAU statt und wird vom Arbeitsbereich Gender & Diversity Studies organisiert. Der Vortrag wird in englischer Sprache gehalten und ist kostenfrei für alle Interessierten geöffnet. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Im gesellschaftlichen Umgang mit queeren Personen in den Vereinigten Staaten ist ein im Jahr 1863 verabschiedetes Gesetz der Stadt San Francisco bedeutsam. Es verbot das sogenannte „Cross-Dressing“ – das Anziehen von Kleidung des jeweils anderen Geschlechts in der Öffentlichkeit – und diente als Grundlage für ähnliche Verbote in mehr als vierzig Städten der USA. Mehr als hundert Menschen wurden wegen dieses Gesetzes eingesperrt. Es definierte, wer zur Norm gehörte und wer nicht, und es verankerte rechtlich die Diskriminierung aller Menschen, die sich eben nicht eindeutig als Mann oder Frau identifizieren. Im Laufe der Jahre wurde die Mehrzahl dieser Gesetze wieder aufgehoben, nicht zuletzt, weil strenge Geschlechternormierungen in Frage gestellt wurden.

Cross-Dressing-Verbote sind nur ein Beispiel für die Kriminalisierung von Personen, die sich gesellschaftlichen Normen widersetzen. Auf Grundlage ihrer Forschungen, u.a. in den Bereichen kritischer Kriminologie, Queer Theory und zur Geschichte der USA, wird Clare Sears einen Einblick in diese Entwicklungen geben.

Die Vortragsreihe „Bay Area Lecture“ hat zum Ziel, den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Austausch zwischen den beiden Partnerstädten San Francisco und Kiel zu fördern. Sie wird von der Landeshauptstadt Kiel gefördert.

Zur Person:

Clare Sears arbeitet am Institut für Soziologie an der San Francisco State University und befasst sich mit Queer-Studies und Transgender-Studies. Im Jahr 2014 erschien ihr Buch, das sich dem Thema „Queer“ und der historischen Entwicklung des Cross-Dressing-Gesetzes widmet: „Arresting Dress: Cross Dressing, Law, and Fascination in Nineteenth Century San Francisco (Perverse Modernities)“.

Das Wichtigste in Kürze:

Was: „Queer Crimes and Misdemeanors: Policing Problem Bodies in the U.S“, mit Professorin Clare Sears, San Francisco State University, in englischer Sprache
Wann: Mittwoch, 22.1.2020, 18:00 Uhr
Wo: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Westring 400, Raum 04.06

Kontakt:

Dr. phil. Catharina Peeck-Ho
Arbeitsbereich Gender & Diversity Studies
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Institut für Sozialwissenschaften
0431/880-4982
peeck@gender.uni-kiel.de

Dr. Karena Hoffmann-Wülfing

Stabsstelle Presse, Kommunikation und Marketing
Sachgebiet Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation