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Mit 10.000 Euro dotiertes Karl August Möbius-Fellowship für Eugene Rosenberg und Ilana Zilber-Rosenberg

Drei Menschen mit Blumenstrauß
© Christian Urban, Uni KielProf. Thomas Bosch (rechts) gratuliert den Geehrten zur höchsten wissenschaftlichen Auszeichnung des Kieler Sonderforschungsbereichs.

Metaorganismus-Sonderforschungsbereich an der Kieler Universität vergibt zum zweiten Mal eigenen Wissenschaftspreis

Der Sonderforschungsbereich (SFB) 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) verlieh am gestrigen Dienstag erneut seinen im vergangenen Jahr geschaffenen Wissenschaftspreis, das Karl August Möbius Fellowship. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung geht 2018 an ein Ehepaar, das Pionierarbeit in der Metaorganismus-Forschung geleistet hat: Professor Eugene Rosenberg und seine Frau, Dr. Ilana Zilber-Rosenberg, beide von der israelischen Universität Tel Aviv. Der Kieler SFB ehrte die beiden Forschenden der Mikrobiologie für ihr Lebenswerk und die besonderen Verdienste für den Fortschritt auf dem noch jungen Forschungsgebiet.

„Eugene Rosenberg und Ilana Zilber-Rosenberg haben mit ihren wegweisenden Arbeiten in besonderer Weise den Weg für die moderne Mikrobiom-Forschung bereitet. Das heute immer genauere Verständnis des Zusammenwirkens von Körper und Mikroorganismen als genetische und evolutionäre Einheit geht maßgeblich auf ihre Theorien zurück. Daher ist es uns eine besondere Ehre, beide gemeinsam mit dem Karl August Möbius-Fellowship auszuzeichnen“, betont Professor Thomas Bosch, Sprecher des SFB 1182. Eine zentrale Leistung der beiden israelischen Forschenden ist ihr gemeinsam entwickeltes „Hologenom-Konzept der Evolution“.

Es besagt, dass sich ein Lebewesen mit seiner Mikrobenbesiedlung gemeinsame Erbinformationen teilt und so eine evolutionäre Selektionseinheit bildet. Diese vor rund zehn Jahren veröffentlichte Theorie stellt eine wichtige Grundlage für die heutige Mikrobiom-Forschung dar. Rosenberg und Zilber-Rosenberg formulierten darin bereits früh, dass der Körper und seine Mikroorganismen in einer funktionellen Gemeinschaft agieren und auf diesem Weg die Gesundheit des Wirtslebewesens beeinflussen. Zudem stellten sie bereits damals eine weitere bis heute zentrale These der Metaorganismus-Forschung auf: Mikroorganismen unterstützen ihre Wirte bei der Anpassung an veränderliche Umweltbedingungen. Dies tun sie, indem sie die Fähigkeit des Körpers verbessern, schnell auf äußere Einflüsse zu reagieren.

Zahlreiche Forschungsarbeiten haben seitdem dieses Konzept bestätigt. Sie belegen, dass die beiden israelischen Forschenden damit einen Ansatz von elementarer Bedeutung für Gesundheit und Krankheit entdeckt haben. „Viele der heute diskutierten und erprobten therapeutischen Möglichkeiten im Kampf gegen schwerwiegende Umwelterkrankungen gehen auf die Arbeiten Rosenbergs und Zilber-Rosenbergs zurück. Sie alle sind nur denkbar geworden, weil sie auf einem grundlegenden Verständnis der Kooperation von Körper und Mikroorganismen beruhen“, bewertet Bosch die herausragenden Leistungen der nun Geehrten.

Nach der letztjährigen und ersten Preisträgerin des Möbius-Fellowships, Professorin Angela Douglas von der Cornell University, ging die Auszeichnung nun ein weiteres Mal an Forschende von internationaler Sichtbarkeit. Der Kieler Wissenschaftspreis, so hoffen die Mitglieder des SFB 1182, wird so weiter dazu beitragen, die zentrale Bedeutung der Erforschung des Zusammenspiels von Wirtslebewesen und Mikroorganismen zu betonen und Stück für Stück bekannter zu machen.

Über den Namensgeber Karl August Möbius:
Der Zoologe und Ökologe entdeckte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Kiel mit dem Konzept der Biozönose die gegenseitige Abhängigkeit von unterschiedlichen Lebewesen innerhalb einer Lebensgemeinschaft. Die heutigen Metaorganismus-Forschenden in Kiel und ihre Partnerinnen und Partner weltweit führen die von Möbius geschaffene Forschungsrichtung fort, indem sie das Konzept der multiorganismischen Beziehungen und seine Bedeutung für Gesundheit und Krankheit von Mensch, Tier und Pflanze weiterentwickeln.

Kontakt:

Prof. Thomas Bosch,
Zoologisches Institut, CAU Kiel
Tel.: 0431-880-4170
E-Mail: tbosch@zoologie.uni-kiel.de

Weitere Informationen:

Sonderforschungsbereich 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“, CAU Kiel:
www.metaorganism-research.com

Prof. Eugene Rosenberg,
The George S. Wise Faculty of Life Sciences, Tel Aviv University:
en-lifesci.tau.ac.il/profile/eros