Deutsch-dänische Literaturgeschichte: Digitalisierung des Nachlasses von Jens Baggesen

DFG fördert Vorhaben mit rund 150.000 Euro

In den gepanzerten Tresorschränken der Zentralbibliothek warten die wertvollen und empfindlichen Stücke auf ihre Bearbeitung. Viele davon wurden noch nie veröffentlicht. Dies soll sich nun ändern: Insgesamt 16.200 Blätter aus dem Teilnachlass des dänischen Schriftstellers Jens Baggesen (1764-1826) werden in den kommenden Monaten und Jahren digitalisiert. Darunter sind Briefe und persönliche Dokumenten, Dramenfragmente und Übersetzungsarbeiten, Gedichte und Aphorismen, aber auch Stammbücher seiner Familie, um Urkunden und Rechnungsbelege des „Dänischen Wielands“. Beteiligt sind der Fachinformationsdienst (FID) Nordeuropa an der Universitätsbibliothek (UB) Kiel und das Institut für Skandinavistik, Frisistik und Allgemeine Sprachwissenschaft/ Abteilung Skandinavistik (ISFAS) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt mit 151.600 Euro.

Der dänische Schriftsteller Jens Baggesen war ein glühender Verfechter der europäischen Aufklärung und Anhänger der Französischen Revolution. Als bestens vernetzter Kosmopolit bereiste er die Länder Europas. Seine Bücher schrieb er in dänischer und deutscher Sprache. Die Reiseerzählung „Das Labyrinth“ (dänisch: „Labyrinten“) ist sein bekanntestes Werk. Darin beschreibt er seine Eindrücke während einer Reise von Kopenhagen nach Basel im Jahr der Französischen Revolution 1789. Auch in Kiel machte er dabei Station. Von 1811 bis 1813 übernahm er dort viele Jahre später die erste Professur für Nordistik und setzte sich für ein friedvolles Miteinander der Nationen ein. Zeitgenossen verglichen ihn mit dem bekannten deutschen Aufklärer Christoph Martin Wieland. Baggesen starb 1826 in Hamburg, sein Grabstein befindet sich auf dem Kieler Eichhof-Friedhof.

„Das Institut für Skandinavistik ist dankbar, dass mit der Sortierung und Digitalisierung des Nachlasses von Jens Baggesen auch ein Stück der Kieler Fach- und Institutsgeschichte endlich umfänglich sichtbar wird“, freut sich Mitantragstellerin Karin Hoff, Professorin für Neuere Skandinavische Literatur an der CAU. „Baggesen war der erste Lehrstuhlinhaber für dänische Sprache und Literatur an der Universität Kiel, und nun kann die Forschung auf eine Vielzahl noch unerschlossener Arbeiten, Korrespondenzen und Übersetzungen zugreifen.“

Der Projektantrag wurde unter anderem in enger Zusammenarbeit mit Professorin Anna Sandberg von der Universität Kopenhagen erarbeitet. Von großer Bedeutung sei, „dass Jens Baggesens bilinguale Autorschaft und dänisch-deutsche Biographie durch die Digitalisierung und Sortierung seines Nachlasses sichtbarer und zugänglicher wird“, so Sandberg. „Damit aktualisieren wir die historische Verbindung Kopenhagen-Kiel. Die Schriften und Briefe in der UB Kiel und im Landesarchiv Schleswig-Holstein sind ein wichtiges deutsch-dänisches Kulturerbe, das Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Digitalisierung transnational erforschen können.“

Ein weiterer Kooperationspartner ist das Landesarchiv Schleswig-Holstein in Schleswig, wo ebenfalls Dokumente zu Baggesen archiviert werden. „Wir freuen uns, dass die Schleswiger Nachlassanteile durch das institutionen- und spartenübergreifende Projekt inhaltlich tiefer erschlossen werden. Dadurch können sie intensiver genutzt und in genaueren Kontext zu den anderen überlieferten Nachlassteilen gestellt werden“, erklärt der Leiter des Landesarchivs Schleswig-Holstein Professor Rainer Hering.


Weitere Informationen zu Jens Baggesen
 

Ovales gemaltes Porträt von Jens Baggesen in einem quadratischen goldenen Rahmen.
© Jürgen Haacks, Kiel University

Christian Hornemann: Porträt Jens Baggesen.

In alter Schreibschrift beschriebene Papierbögen auf einem offenen Pappumschlag. Zwei Hände halten den Umschlag auseinander.
Gruppenfoto mit vier Frauen. Drei halten rote Bücher in den Händen.
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