Die Agrar- und Ernährungsbranche in Krisenzeiten

Hochschultagung der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät erstmalig digital

Die 71. Öffentliche Hochschultagung der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät (AEF) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) am Donnerstag, 28. Januar, fand erstmals rein online statt. 440 Teilnehmende hörten Vorträge zum Leitthema „Lebensmittel und Gesundheit: Der Agrar- und Ernährungssektor in Krisenzeiten“. Per Videokonferenz konnten sie sich an der anschließenden Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Verbänden und der Landwirtschaftskammer beteiligen.

In seinem Grußwort zur Eröffnung der Hochschultagung verwies Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht auf den Aspekt der Nachhaltigkeit im Agrar- und Ernährungssektor: „Eine zukunftsfähige Landwirtschaft muss nicht nur wettbewerbsfähig sein. Eine zukunftsfähige Landwirtschaft muss auch nachhaltig sein. Als Landwirtschaftsminister werde ich die Diskussion gerade in diesem Jahr am Beispiel des Tierwohl-Labels führen. Wir müssen weg vom Billigfleisch – aus Gründen des Tierwohls, zur Sicherung der landwirtschaftlichen Betriebe und letztlich auch mit Blick auf die Verantwortung, die wir für den Klimaschutz tragen.“

CAU-Präsidentin Professorin Simone Fulda betonte in ihrem Grußwort die Bedeutung der Fakultät: „Die AEF trägt mit Forschung, Bildung und Transfer zur Zukunftsfähigkeit unseres Landes bei, denn sie ist ein wichtiger Innovationsmotor für die Agrar- bzw. Ernährungswirtschaft. Digitalisierung und Landwirtschaft 4.0 sind dabei Themen genauso wie die Bioökonomie an einem marinen Standort wie Schleswig-Holstein, der zwischen den Meeren liegt. Der Transfer von Wissenschaft in die Gesellschaft und Wirtschaft geschieht dabei auch durch die Ausbildung von hochqualifizierten Absolventinnen und Absolventen, die als Fachkräfte in der Region benötigt werden.“

„Einer der wichtigsten Vorteile der Fakultät ist, dass wir Agrarwissenschaften und Ernährungswissenschaften unter einem Dach vereinen. Somit können auftretende Krisen ganzheitlich entlang der gesamten Wertschöpfungskette wissenschaftlich untersucht und analysiert werden. Leere Regale in Supermärkten, Abriss von Lieferketten oder Versorgungsengpässe durch Trockenstress in der Landwirtschaft sind potentiell auftretende Probleme, die sich in einer breit aufgestellten Fakultät wie unserer schnell lösen lassen“, betonte Professor Karl H. Mühling, Dekan der AEF, während seiner Einführung in die Tagung.

Professorin Hannelore Daniel von der Technischen Universität München ging in ihrem Plenarvortrag: „Lebensmittel, Ernährung, Gesundheit zwischen Obsession und Evidenz“ auf die Ernährungsseite ein: „Wie nie zuvor wird heute nahezu jedes Lebensmittel über seinen gesundheitlichen Nutzen bewertet. Dieser Anspruch nach Gesundheit ‚auf dem Teller‘ fügt sich in einen gesellschaftlichen Rahmen, der das Bemühen um Gesundheit für alle verbindlich und fast zur moralischen Pflicht macht. Aus Populationsstudien lässt sich jedoch ein möglicher Gesundheitsnutzen einzelner Lebensmittel kaum ableiten. Lediglich für eine gesundheitsförderliche Ernährungsweise – wie die mediterrane Kost – lässt sich hinreichend Evidenz vorlegen. Diese wird nun im Kontext der Diskussion um CO2-Emissionen, Klimawandel, Tierwohl etc. aus ihrer eindimensionalen auf Gesundheit ausgerichteten Betrachtung nun zu einer ‚ONE HEALTH KOSTFORM‘ für die Ernährung von Morgen“, erläutert Daniel die veränderten Anforderungen an Lebensmittel.

Die Sicht der Landwirtschaft in Krisenzeiten stellte Professor Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) vor. "Die Landwirtschaft wird sich an den fortschreitenden Klimawandel anpassen müssen. Gleichzeitig müssen auch die Emissionen aus der Landwirtschaft reduziert werden. Deshalb sind in Zukunft vor allem Innovationen in Richtung klimaresilienter und kohlenstoff-optimierter Produktionssysteme gefragt", so Lotze-Campen.  

In der Podiumsdiskussion unter der Leitung von Professorin Karin Schwarz (Lebensmitteltechnologie) kamen weitere Sichtweisen hinzu. So kamen auch Stephan Gersteuer vom Bauernverband Schleswig-Holstein und Ute Volquardsen, die Präsidentin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein sowie Selvihan Benda von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein und Professor Frank Döring vom Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde zu Wort.

„Trotz des reduzierten Programms und des digitalen Formats ist es bei der Hochschultagung gelungen den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern“, resümierte Dekan Mühling. Für 2022 wird wieder eine Tagung mit mehr Vorträgen aus den verschiedenen Fachbereichen der Fakultät im Audimax der CAU angestrebt. 

Marktstand mit Gemüse
© Claudia Eulitz

Motivbild: Marktstand

Porträtfoto Jan Philipp Albrecht.
© Thomas Eisenkrätzer

Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht betonte in seinem Grußwort die Fokussierung der Land- und Ernährungswirtschaft auf Nachhaltigkeit.

Porträt
© Jürgen Haacks, Uni Kiel

CAU-Präsidentin Professorin Simone Fulda betonte die Rolle der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät als Innovationsmotor.

Porträtfoto Hermann Lotze-Campen
© PIK / Klemens Karkow

Der Agrarökonom Professor Hermann Lotze-Campen studierte in Kiel Agrarwissenschaften.

Pressekontakt:

Dr. Doreen Saggau
Öffentlichkeitsarbeit & wissenschaftliche Kommunikation, Agrar- und Ernährungswissenschaftliche Fakultät