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Ehrenmedaille der Adam-Mickiewicz-Universität Poznań an Kieler Professor der Archäologie verliehen

Johannes Müller für 20 Jahre polnisch-deutsche wissenschaftliche Kooperation geehrt

Die Ehrenmedaille der Adam-Miekiewic-Universität Poznań (UAM) wird für außerordentliche Verdienste in der internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit verliehen. Seit 20 Jahren ist die Forschungskarriere von Professor Johannes Müller, Sprecher des Exzellenzclusters „ROOTS - Konnektivität von Gesellschaft, Umwelt und Kultur in vergangenen Welten“ und des SFB 1266 „TransformationsDimensionen“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), eng mit der polnischen Universität verknüpft. Heute, 22. Februar, wurde ihm die Medaille in Poznań überreicht.

Die Vizerektorin Professor Beata Mikolajczak bezeichnete die Zusammenarbeit im Bereich der Archäologie als ein Fundament der Partnerschaft zwischen CAU und UAM. Die Verdienste von Professor Johannes Müller finden durch die Verleihung der Ehrenmedaille der UAM ihre Anerkennung. In dieser 20-jährigen Zusammenarbeit der Universitäten würde die wissenschaftliche, aber auch persönliche Verbundenheit Ausdruck finden, so Professor Janusz Czebreszuk in seiner Laudatio.

Ausgezeichnet wurden mit der Ehrung die Errungenschaften archäologischer und paläoökologischer Feldforschung, die seit 1999 von polnisch-deutschen Teams der UAM und der CAU durchgeführt wird. Dabei standen die Ausgrabungen bronzezeitlicher Fundplätze in Großpolen im zentralen Interesse: die befestigte Siedlung Bruszczewo und der fundreiche Grabhügel von Łęki Małe (2200-1600 v. Chr.), die zusammen als frühbronzezeitliches Machtzentrum interpretiert werden. Über mehrere Jahre hinweg haben internationale Grabungsteams von bis zu 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern diese heute berühmten archäologischen Stätten ausgegraben. Die zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen, die aus dieser polnisch-deutschen Zusammenarbeit hervorgingen, initiierte die Herausgabe der Reihe „Studien zur Archäologie in Ostmitteleuropa“ durch Professor Janusz Czebreszuk aus Poznań, Professor Sławomir Kadrow aus Krakow und Professor Johannes Müller.

Die UAM Poznań ist nicht nur Partneruniversität der CAU, sondern auch eine von sechs Partneruniversitäten des neuen Exzellenzclusters „ROOTS“. Auch im Sonderforschungsbereich „TransformationsDimensionen: Mensch-Umwelt-Wechselwirkungen prähistorischer und archaischer Gesellschaften“ (SFB 1266) besteht in verschiedenen Projekten eine enge Verbindung mit Poznań. Als weitere Kooperation zwischen den Universitäten läuft das aktuelle Projekt „Unietice North: Spätneolithisch-frühbronzezeitliche Entwicklungen im südwestbaltischen Raum (2500-1500 v.Chr.)“, gefördert von der deutschen und polnischen Forschungsgemeinschaft.

Das interdisziplinäre Grundprinzip der Zusammenarbeit von Altertumswissenschaften und Umweltwissenschaften, das die Basis der genannten Verbundprojekte bildet, prägte und förderte nicht nur zwei Jahrzehnte Kooperation zwischen Poznań und Kiel, sondern auch die gemeinsame Betreuung wissenschaftlichen Nachwuchses und die nachhaltige Verankerung von verschiedenen Forschungszweigen an den Instituten. Ein gutes Beispiel ist hierfür die Verbindung von paläoökologischen und archäologischen Analysen durch Dr. Walter Dörfler und Dr. Jutta Kneisel, die in enger Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen aus Poznań stattfinden.

Große Unterstützung in der Gestaltung gemeinsamer Forschungsaktivitäten und des Dozenten- und Studierendenaustausches leistete zudem das International Center der CAU Kiel.

Kontakt:

Prof. Dr. Johannes Müller
Institut für Ur- und Frühgeschichte
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
johannes.mueller@ufg.uni-kiel.de
0431/880-3391

Der Exzellenz Cluster „ROOTS – Konnektivität von Gesellschaft, Umwelt und Kultur in vergangenen Welten“ erforscht, in einem konzeptionell breit interdisziplinär angelegten Rahmen, die Wurzeln sozialer, umweltbedingter und kultureller Phänomene und Prozesse, die die menschliche Entwicklung nachhaltig prägen. Zwölf Instituten der CAU Kiel (Institut für Ökosystemforschung; Institut für Klassische Altertumskunde; Institut für Ur- und Frühgeschichte; Historisches Seminar; Institut für Geowissenschaften; Institut für Informatik; Institut für Klinische Molekularbiologie; Philosophische Seminar; Institut für Volkswirtschaftslehre; Institut für Skandinavistik, Frisistik und Allgemeine Sprachwissenschaft; Institut für Materialwissenschaft) zusammen mit außeruniversitäre Forschungseinrichtungen (das Leibniz Institute für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, das Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie, das Landesmuseum Schloss Gottorf und der Max Planck Institut) prägen diese neulich gegründete Forschungsinitiative.

Der SFB 1266: „TransformationsDimensionen - Mensch-Umwelt Wechselwirkungen in Prähistorischen und Archaischen Gesellschaften“ vereint transdisziplinäre Forschungstätigkeiten an acht Instituten der CAU Kiel (Geographie, Geowissenschaften, Klinische Molekularbiologie, Ökosystemforschung und Informatik, Ur- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie, Philosophie) und der Johanna-Mestorf-Akademie sowie dem Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie und dem Landesmuseum Schloss Gottorf.

ROOTS und der SFB profitieren von langjährigen wissenschaftlichen und inhaltlichen Kooperationen der Graduiertenschule „Human Development in Landscapes“ und dem DFG-Schwerpunktprogramm „Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung“ (SPP 1400). Mit dem Fokus auf prähistorischen und archaischen Transformationsprozessen im Mensch-Umwelt-Wirkungsfeld sind beide Verbünde wichtige Elemente des Forschungsschwerpunktes SECC (Socio-Environmental-Cultural Change) der CAU Kiel, in dem die komplexen Zusammenhänge, Muster und Folgen menschlicher Aktion und veränderter Umwelt erforscht werden.