Kirchliches, kulturelles und wissenschaftliches Engagement vereint

Landesbischof Ulrich erhält Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät in Kiel

In einer akademischen Feierstunde hat heute (1. Februar) die Theologische Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) die Ehrendoktorwürde an Gerhard Ulrich, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), verliehen. Zu den 160 Gästen aus Kirche, Politik und Wissenschaft zählten auch Klaus Schlie, Präsident des Schleswig-Holsteinischen Landtages, Professor Lutz Kipp, Präsident der CAU, sowie Dr. Horst Gorski, Vizepräsident der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

In seiner Ansprache zur Verleihung sagte Professor Enno Edzard Popkes, Dekan der Theologischen Fakultät: „Mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde an Landesbischof Gerhard Ulrich würdigt die Theologische Fakultät einerseits seinen herausragenden Einsatz, kirchliches, kulturelles und wissenschaftliches Engagement zu vereinen und dabei die theologische Forschung intensiv zu fördern. Andererseits dankt ihm die Fakultät für seine Bestrebungen, die Ökumene stets demokratisch zu gestalten, einen versöhnlichen Dialog der Religionen zu fördern sowie christlich-reformatorische Werte wie Freiheit, Verantwortung und Toleranz in der politischen Öffentlichkeit profiliert zu vermitteln."

"In Herz und Verstand tief verwurzeltes theologisches Wissen"

Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein der Nordkirche, würdigte den Geehrten in seinem Grußwort: „‚Der Glaube bringt den Menschen zu Gott, die Liebe bringt ihn zu den Menschen.‘ So beschreibt es Luther, und dies war und ist auch ein Credo, ein Grundsatz des Wirkens von Landesbischof Ulrich auf unterschiedlichen kirchlichen Ebenen in Deutschland und in unseren weltweiten ökumenischen Beziehungen. Der Glaube und die Liebe zu den Menschen, also der feste Halt und damit verbunden das Überschreiten von Schwellen, von Grenzen in den Köpfen und auf den Landkarten, gehörten und gehören für ihn zusammen.“ 

Professor Peter Unruh, Präsident des Landeskirchenamtes der Nordkirche, sagte: „Wer das Glück hat, Landesbischof Gerhard Ulrich zu begegnen, ihn bei Predigten, Vorträgen, (Podiums-)Diskussionen oder einfach nur im vertraulichen Gespräch zu erleben, stößt nicht nur auf umfassende Bildung und Warmherzigkeit, auf einen wachen Geist und herausragende Eloquenz, sondern nicht zuletzt auf ein beeindruckendes, in Herz und Verstand tief verwurzeltes theologisches Wissen. Vor diesem Hintergrund ist die Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Theologische Fakultät der CAU Kiel nicht nur hoch verdient, sondern auch konsequent.“

Für das Präsidium der Landessynode gratulierte Präses Ulrike Hillmann: „Landesbischof Gerhard Ulrich verleiht der Nordkirche in ganz besonderer Weise Gesicht und Stimme. Als Vorsitzender der gemeinsamen Kirchenleitung im Fusionsprozess und als erster Landesbischof hat er unsere Landeskirche maßgeblich geprägt. Mit seiner Gabe, Menschen mitzunehmen und auseinanderlaufende Diskussionsstränge wieder zu einem einheitlichen Ganzen zusammenzufügen, vermag er es stets, den Blick auf die gemeinsame Verantwortung für die Verkündigung des Evangeliums von der Liebe Gottes zu den Menschen zu lenken. Wir sind dankbar und stolz, dass sein Wirken mit der Ehrendoktorwürde eine besondere Wertschätzung erfährt.“

Dr. h.c. Gerhard Ulrich dankte in seinem Vortrag „für diese Ehre, die auch meine Kirche und ihre Förderung des Dialogs zwischen wissenschaftlicher Theologie und verfasster Kirche würdigt“.

Ulrich ermunterte die Zuhörenden dazu, sich auch weiterhin für eine Vielfalt als Grundvoraussetzung für Forschung und Lehre einzusetzen: „Wir brauchen die wissenschaftliche Theologie als Reflexionsraum für unser öffentliches Reden. Und diese Gesellschaft braucht unsere Stimme in den notwendigen Dialogen zwischen den Religionen und Kulturen. Wir haben als Kirche, Gesellschaft und Politik vielleicht noch sehr viel mehr zu tun und zu investieren, um die Menschen zu verstehen in ihren unterschiedlichen Kulturen in Ost und West, nah und fern. Zu verstehen, wie sie ‚ticken‘, denken, erfahren; zu verstehen ihre Ängste, Sorgen Hoffnungen. Und dafür und daraus dann eine Sprache und eine Rede zu entwickeln, die öffentlich wird und offen bleibt. Wir müssen reden als Menschen, die eine Vorstellung haben von guter Zukunft; die Worte haben, wo es anderen die Sprache verschlägt. Wir müssen reden und dürfen das Feld nicht denen überlassen, die Hass säen, Ängste nicht ernstnehmen, sondern verstärken; die polarisieren, vereinfachen, lügen. Unser Auftrag ist es, auf Jesus Christus zu verweisen, der mit seinem Leben und Sterben die Spirale der Gewalt durchbrochen hat.“

Die Laudatio auf Landesbischof Ulrich hielt Professor Hartmut Rosenau, Vorstand des Instituts für Systematische Theologie der CAU.

Die Amtszeit von Landesbischof Dr. h.c. Ulrich endet am 31. März 2019. Im Februar 2013 war er von der Landessynode der Nordkirche zum Landesbischof gewählt worden und trat dieses Amt vier Monate später an. Zuvor war Ulrich im Fusionsprozess der drei evangelischen Landeskirchen Nordelbiens, Mecklenburgs und Pommerns Vorsitzender der gemeinsamen Kirchenleitung. Bis November 2018 war er zugleich Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und Vorsitzender des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB).

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