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Forschungs- und Innovationspolitik muss hohe Priorität behalten

Professor Till Requate von der Kieler Universität ist Mitglied in der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) und überreichte heute (Mittwoch, 24. Februar) gemeinsam mit den weiteren Kommissionsmitgliedern das EFI-Jahresgutachten an Bundeskanzlerin Angela Merkel. 

Im neuen Jahresgutachten 2021 der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), das der Bundeskanzlerin aufgrund der Pandemie in diesem Jahr virtuell übergeben wurde, geht die EFI darauf ein:

  • welche F&I-Politik sie nach der Bundestagswahl im September von der künftigen Bundesregierung erwartet, 
  • welche Herausforderungen für die berufliche Aus- und Weiterbildung in Deutschland sich aus der fortschreitenden Digitalisierung in der Wirtschaft und an den Arbeitsplätzen ergeben, und
  • welche Folgen der Corona-Krise auf Unternehmen und Wissenschaft zukommen.

Professor Till Requate kommentiert die F&I-Politik:

Gruppenbild

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Im Bild von links: Prof. Till Requate (Kiel), Prof. Carolin Häusler (Passau), Prof. Uwe Cantner (Jena), Prof. Katharina Hölzle (Potsdam), Prof. Irene Bertschek (Mannheim/Gießen) und Prof. Holger Bonin (Bonn/Kassel). Foto: David Ausserhofer

Pressemitteilungen der EFI zur Übergabe des Jahresgutachtens:

Erwartungen der EFI an die nächste Bundesregierung

Überwindung der Pandemie erste Aufgabe, aber Forschungs- und Innovationspolitik muss hohe Priorität behalten – Nachdenken über ein Digitalministerium erforderlich – Technologische Souveränität Deutschlands berücksichtigen – Fachkräfte-Basis sichern – Vorschlag einer „Zukunftsquote“ im Bundeshaushalt – Agilität der F&I-Politik deutlich steigern!

Ausführliche Meldung

Im neuen Jahresgutachten 2021 der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), das der Bundeskanzlerin aufgrund der Pandemie in diesem Jahr virtuell übergeben wurde, geht die EFI neben anderen Themen auch darauf ein, welche F&I-Politik sie nach der Bundestagswahl im September von der künftigen Bundesregierung erwartet. Der Vorsitzende der EFI, Prof. Uwe Cantner von der Universität Jena, stellt fest, dass die Ausgangslage für Forschung und Innovation in Deutschland trotz der Corona-Krise so schlecht nicht ist: „Unser Land hat in den vergangenen beiden Dekaden durch eine kluge Finanz- und Wirtschaftspolitik Handlungsspielräume für die Bewältigung großer Herausforderungen geschaffen. So konnte die Politik den schwersten Verwerfungen durch die Corona-Krise relativ gut durch massive Schuldenaufnahme begegnen. Deutschland war aber in den letzten Jahren auch in der Lage, F&I durch Zukunftsinvestitionen voranzubringen.“ Die Forschungs- und Entwicklungsintensität des deutschen F&I-Systems „hat zuletzt mit einem Wert von 3,17 Prozent am Bruttoinlandsprodukt die internationale Spitzengruppe erreicht – ein gemeinsamer Erfolg von privatwirtschaftlichen FuE-Aktivitäten und einer breiten staatlichen Förderpolitik“, betont Prof. Cantner. Das Ziel, eine international führende Rolle als Innovationsstandort zu spielen, habe Deutschland somit durchaus erreicht.

Cantner schränkt jedoch ein: „Ein derart gestärktes F&I-System gibt allerdings keinen Anlass zum Ausruhen.“ Die EFI sieht zwar die Überwindung der Corona-Krise als eine aktuelle, zentrale Aufgabe der neuen Bundesregierung an, sie will aber zugleich gewährleistet sehen, dass „der F&I-Politik weiterhin ein hoher Stellenwert zukommt“. Die neue Bundesregierung benötige einen kohärenten Politikansatz, der den gesamten Innovationsprozess – von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung – in den Blick nimmt und dem sich alle Ministerien verpflichtet fühlen. In der neuen Legislaturperiode sollte sich die F&I-Politik an fünf wesentlichen Prioritäten ausrichten:

Priorität „Große gesellschaftliche Herausforderungen angehen“

Eine hohe Priorität müssten die großen gesellschaftlichen Herausforderungen und darin insbesondere die Nachhaltigkeitsziele (Agenda 2030: 17 globale UN-Ziele für eine bessere Zukunft) haben. Cantner betont: „Die großen gesellschaftlichen Herausforderungen lassen sich nicht ohne technologische und soziale Innovationen bewältigen. Die Forschungs- und Innovationspolitik steht in der Verantwortung, zur Lösung drängender gesellschaftlicher Probleme beizutragen.“ Die Hightech-Strategie 2025 der Bundesregierung nehme wichtige gesellschaftliche Herausforderungen bereits in den Blick, „jedoch stehen die angestoßenen Transformationsprozesse im Wesentlichen noch am Anfang“, so Cantner. Zur erfolgreichen Fortführung der Energiewende bedürfe es weiterer Anstrengungen, sei es bei der Ausweitung von CO2-freier Stromerzeugung oder in der Umsetzung von vielfältigen Innovationen im gesamten Strombereich. Bei der Mobilitätswende stehe die Automobilindustrie als eine der deutschen Kernindustrien unter Druck und müsse F&I-politisch begleitet werden. Prof. Till Requate von der Universität Kiel mahnt hier insbesondere zur „Technologieoffenheit“: „Das Rennen zwischen Batterie und Brennstoffzelle muss offenbleiben, schon allein deswegen, weil asiatische Staaten erhebliche Ressourcen in die Weiterentwicklung der Brennstoffzellentechnologie stecken. Deutschland sollte sich nicht von diesem Know-how abkoppeln.“

Priorität „Technologische Rückstände aufholen und vermeiden“

Deutschland habe bei radikal neuen Technologien und deren Anwendung, wie vergangene EFI-Gutachten aufzeigten, noch deutliche Rückstände – wie z.B. bei Servicerobotik, künstlicher Intelligenz, E-Government und einigen anderen mehr. Ein erster Schritt zum Aufholen der Rückstände war 2019 die von der EFI empfohlene Gründung der „Agentur für Sprunginnovationen“. Darüber hinaus seien jedoch noch vielfältige Anstrengungen nötig: „Deutschland muss nicht nur bestehende technologische Rückstände aufholen, sondern muss sie bei potenziellen Schlüsseltechnologien auch von Beginn an vermeiden“, fordert Cantner. In Zukunft müssten die Entwicklung und die Diffusion von Schlüsseltechnologien gefördert werden, wozu transparente und nachvollziehbare Kriterien für die Identifikation von solchen Technologien noch zu definieren seien. Gleiches gelte für neue technologische Entwicklungen mit hohem Zukunftspotenzial, die frühzeitig durch „Weitblick-(Foresight)-Prozesse“ zu identifizieren seien. Prof. Irene Bertschek vom ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim ergänzt diese Ausführungen mit Blick auf die bevorstehende „digitale Transformation“ Deutschlands. Sie betont, dass „deren erfolgreiche Umsetzung ein wesentlicher Faktor für den künftigen Erhalt unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit ist. Von daher mahnen wir nachdrücklich an, die Digitalisierungsaktivitäten auf breiter Ebene verstärkt zu unterstützen und dafür geeignete Anreize zu setzen!“ Es könne nicht sein, „dass Deutschland im Bereich E-Government im europäischen Vergleich erheblich und zunehmend zurückliegt“. In diesem Kontext halte es die EFI für erforderlich, „über neue Governance-Strukturen in der Bundesregierung, etwa in Form eines Digitalisierungsministeriums, nachzudenken“.

Download der EFI-Pressemeldung "Erwartungen der EFI an die nächste Bundesregierung"

Digitalisierung fordert Aus- und Weiterbildung heraus

Anforderungen an die berufliche Handlungskompetenz steigen – Millionen Beschäftigte müssen sich beruflich neu orientieren – Präventive Anpassungsqualifizierungen entwickeln – Informationssystem zu beruflichen Fähigkeiten aufbauen – Agenturen für Arbeit zu Anlaufstellen für Weiterbildungsberatung machen – Digitalisierung der Berufsschulen überfällig

Ausführliche Meldung

Das neue Jahresgutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), das der Bundeskanzlerin angesichts der Pandemie in Berlin virtuell übergeben wurde, behandelt in einem Schwerpunkt, welche Herausforderungen für die berufliche Aus- und Weiterbildung in Deutschland sich aus der fortschreitenden Digitalisierung in der Wirtschaft und an den Arbeitsplätzen ergeben. Prof. Holger Bonin, Forschungsdirektor am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn, fasst die Beschäftigungsfolgen des Übergangs zur digitalen Arbeitswelt zusammen: „Die Arbeit wird uns auf absehbare Zeit nicht ausgehen. Im Transformationsprozess fallen aber viele etablierte Arbeitsplätze weg, während in anderen Teilen der Wirtschaft neue entstehen. Da die neuen Jobs ganz andere Fähigkeiten verlangen als die bisherigen, entsteht ein großer Bedarf an Weiterbildung. Gleichzeitig geht der Trend hin zu weniger Routinearbeit. Damit steigen die Anforderungen an die berufliche Handlungskompetenz.“ Zunehmend gebraucht würden deshalb nicht nur für die Gestaltung von transformativen Technologien notwendige technologische und digitale Fähigkeiten, betont Prof. Till Requate von der Universität Kiel, „sondern verstärkt auch sogenannte klassische Kernfähigkeiten: Problemlösungsfähigkeit, Kreativität, Eigeninitiative, Anpassungsfähigkeit und Durchhaltevermögen“. 

„Nach Einschätzung der EFI ist die Entwicklung dieser Kernfähigkeiten nicht nur entscheidend, um die individuellen Beschäftigungs- und Karrierechancen in der digitalisierten Arbeitswelt zu sichern“, so Requate. „Nur wenn diese Kernfähigkeiten in der Erwerbsbevölkerung ausreichend verfügbar sind, können sich die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Potenziale der neuen Technologien voll entfalten und die Digitalisierung zügig in alle Teile der Wirtschaft vordringen. Dies dient ja gerade auch der Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.“ Deswegen ist es der EFI so wichtig, dass das System der beruflichen Aus- und Weiterbildung in Deutschland mit den Veränderungen von Wirtschaft und Arbeitswelt durch die Digitalisierung Schritt hält. „Hierfür müssen Inhalte und Strukturen der beruflichen Aus- und Weiterbildung weiterentwickelt und so gestaltet werden, dass die Kernfähigkeiten für die digitalisierte Arbeitswelt bedarfsgerecht vermittelt werden“, so Arbeitsmarkexperte Bonin. Dabei komme den Unternehmen und den im Erwerbsleben stehenden Menschen eine tragende Rolle zu. Jedoch brauche es unbedingt auch von öffentlichen Stellen ausgehende Impulse, um die Anpassungsbereitschaft und die Rahmenbedingungen dafür zu stärken.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die EFI eine Reihe von Maßnahmen:

Ausbildungsgestaltung an die Digitalisierung anpassen

Bei der Anpassung der Ausbildungsgestaltung sollten vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) durch Beratung und Hilfen Unterstützung erhalten. Dafür müssten, so die EFI, Ausbildungsverbünde mit stärker digitalisierten Betrieben, aber auch die Vernetzung mit digitalen Bildungsorten stärker gefördert werden.

Berufsausbildungspersonal und Berufsschulen fit für die Digitalisierung machen

Aus- und Fortbildung des Berufsausbildungspersonals sollte noch stärker auf die neuen inhaltlichen und methodischen Anforderungen durch die Digitalisierung ausgerichtet werden. „Flankierend dazu ist es dringend erforderlich, die Berufsschulen flächendeckend mit einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur, modernen Medien und Zugängen zu hochwertiger Lernsoftware auszustatten“, erklärt Prof. Requate. „Die hierfür im Rahmen des ‚DigitalPakt Schule‘ bereitgestellten Mittel sind dafür aus unserer Sicht nicht ausreichend.“

Berufliche Anpassungsfähigkeit durch flexible Zusatzqualifikationen stärken

Berufliche Ausbildung muss sich flexibel an die durch die digitale Transformation verändernden Anforderungen anpassen. Die EFI empfiehlt daher, das Angebot an flexiblen Wahlmodulen und Zusatzqualifikationen im Rahmen der beruflichen Ausbildung auszubauen und zur berufsbezogenen Weiterbildung hin zu öffnen.

Berufliche Mobilität durch präventive Anpassungsweiterbildung steigern

Bei der Förderung der beruflichen Weiterbildung schlägt die EFI vor, Brückenlösungen zu entwickeln und zu erproben, die den vom technologischen Wandel betroffenen Beschäftigten frühzeitig den Wechsel zu einem neuen Unternehmen erleichtern. „Die vorhandenen Förderinstrumente sind nämlich stark auf eine Weiterbeschäftigung beim aktuellen Arbeitgeber ausgerichtet, auch wenn der vielleicht nicht die besten Zukunftsperspektiven bietet“, erklärt Prof. Bonin. „Sie setzen zudem oft erst ein, wenn es für eine berufliche Neuorientierung eigentlich schon zu spät ist.“

Monitoring von beruflichen Fähigkeiten ausbauen

Die EFI hält es für sinnvoll, die von den Arbeitgebern geforderten und bei den Beschäftigten vorhandenen Fähigkeiten regelmäßig und in großer Breite zu erfassen. „Ein hochwertiges Monitoring-System kann nämlich dazu beitragen kann, die Aus- und Weiterbildung passgenauer auf veränderte Anforderungen in der digitalisierten Arbeitswelt auszurichten“, so Professor Uwe Cantner von der Universität Jena und Vorsitzender der EFI. Daher begrüße man Initiativen, Daten der Bundesagentur für Arbeit, von Unternehmen und aus sozialen Netzwerken für diesen Zweck zu erschließen und auszuwerten.

Strukturen zur Orientierung über berufsbezogene Weiterbildung verbessern

Die EFI weist darauf hin, dass die Agenturen für Arbeit als lokale Anlaufstellen künftig auch die Orientierung über die berufsbezogene Weiterbildung von Beschäftigten übernehmen könnten. Arbeitsmarktexperte Bonin betont jedoch: „Um Interessenkonflikten vorzubeugen, muss man hierbei die Beratung über die individuelle berufsbezogene Weiterbildung organisatorisch strikt von diesbezüglichen Fördermaßnahmen trennen.“ Er schließt für das Team der EFI mit einem Appell an Politik und Wirtschaft: „Wir müssen es schaffen, unser Aus- und Weiterbildungssystem schnell und agil auf die Anforderungen der Digitalisierung auszurichten.
Die Fachkräftebasis ist ein zentraler Faktor, damit die deutsche Volkswirtschaft schneller und stärker aus der digitalen Transformation hervorgeht. Die Gewinner sind dann auch die Erwerbstätigen. Denn Qualifizierung bedeutet auch in Zukunft bessere Arbeit und höhere Einkommen.“

Download der EFI-Pressemeldung "Digitalisierung fordert Aus- und Weiterbildung heraus"

Innovationsaktivitäten leiden unter Corona

Vorwiegend negative Auswirkungen auf Innovationsaktivität, aber auch positive Impulse – Vor allem KMU rechnen mit geringeren Innovationsausgaben – Langfristige Schwächung deutscher F&I zu befürchten – BioNTech-Erfolg lässt deutschen Forschungsstandort weltweit glänzen

 

Ausführliche Meldung

Im neuen Jahresgutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), das der Bundeskanzlerin angesichts der Pandemie in Berlin virtuell übergeben wurde, schätzt die EFI auch die Folgen der Corona-Krise auf Unternehmen und Wissenschaft ein. „Die Corona-Krise hat die globale Wirtschaft unvermittelt und hart getroffen. Die in Deutschland zur Eindämmung von COVID verhängten Lockdowns bringen massive wirtschaftliche Schieflagen sowie Beeinträchtigungen im Wissenschaftssektor mit sich“, konstatiert Prof. Irene Bertschek vom ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim und Mitglied der EFI. Von Umsatzeinbußen sind größere Unternehmen mit über 100 Beschäftigten in gleichem Maße betroffen wie kleine und mittlere Unternehmen. Infolgedessen stehen den Unternehmen weniger finanzielle Mittel für F&I-Vorhaben zur Verfügung, stellt die EFI fest. Auch das Wissenschaftssystem leide unter Einschränkungen, deren Auswirkungen sich in den Forschungsleistungen niederschlagen würden. „Mit zunehmender Dauer der Pandemie können diese Entwicklungen im Unternehmens- und im Wissenschaftssektor zu einer längerfristigen Schwächung des deutschen F&I-Systems führen“, folgert Prof. Bertschek.

Corona-Krise schränkt Innovationsaktivität ein

Eine Auswertung der ZEW-Konjunkturumfrage für die EFI vom September 2020 zeigte, dass für den größten Teil der deutschen Unternehmen die Corona-Krise negative Auswirkungen auf die Innovationsaktivität hat. Dabei kommt es vor allem zu Verzögerungen von laufenden Innovationsprojekten. Am zweit- und dritthäufigsten berichteten Unternehmen, dass sie bereits geplante Projekte nicht begonnen oder keine neuen Innovationsprojekte geplant haben. „Neben den in erster Linie negativen Auswirkungen der Corona-Krise lassen sich aber auch positive Impulse auf die Innovationsaktivität feststellen: So berichten etwa 26 Prozent der Unternehmen in der Informationswirtschaft und 28 Prozent der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe, dass die Auswirkungen der Corona-Krise zu neuen Innovationsprojekten geführt haben. Bei 18 Prozent der Unternehmen in der Informationswirtschaft und 10 Prozent im Verarbeitenden Gewerbe hat die Krise gar zu einer Beschleunigung von Innovationsprojekten geführt“, so Bertschek.

Finanzielle Ressourcen für Innovationsaktivitäten fehlen

Die verringerte Verfügbarkeit finanzieller Mittel stellt laut EFI den häufigsten Grund für Beeinträchtigungen der Innovationstätigkeit dar. Daneben sähen sich viele Unternehmen auch mit nachlassender Nachfrage nach innovativen Produkten und Diensten konfrontiert. Zudem sei der Zugriff auf für Innovationen relevante Daten oftmals nicht aus dem Homeoffice möglich und die unternehmenseigene digitale Infrastruktur und Ausstattung entspreche nicht den neuen Anforderungen unter Corona-Bedingungen.

Wichtige Impulse für F&I-System durch Zukunftspaket gesetzt

Die EFI begrüßt, dass die Bundesregierung im Juni 2020 ein umfangreiches Konjunkturpaket mit einem Gesamtumfang von 130 Milliarden Euro verabschiedet hat, womit wichtige politische Impulse gesetzt wurden, um die Corona-Krise durchzustehen. Prof. Till Requate von der Universität Kiel und Mitglied der EFI betont: „Diese Impulse kommen auch dem F&I-System zugute. Der Bund hat, gemeinsam mit den Ländern, u.a. auch seine Beteiligungsangebote für Start-ups und KMU ausgebaut. Die Beteiligungsangebote helfen, durch eine gestärkte Eigenkapitalbasis temporär handlungsfähig zu bleiben sowie trotz Krise in Innovation und Modernisierung zu investieren.“ Da die Maßnahmen zur Überbrückung der Corona-Krise im Wesentlichen durch Verschuldung finanziert werden, sieht die EFI die Gefahr, Haushaltsspielräume einzuschränken, was sich negativ auf die F&I-Politik auswirken kann. Sie mahnt an, dass die kurzfristige Stabilisierung der Wirtschaft nicht zulasten der mittel- und langfristigen Wettbewerbsfähigkeit des deutschen F&I-Systems gehen darf. Prof. Uwe Cantner von der Universität Jena und Vorsitzender der EFI dazu: „Die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands lässt sich fördern, wenn weitere Konjunkturprogramme und Maßnahmen so F&I-orientiert wie möglich ausgestaltet werden – so können Wachstumsimpulse gesetzt und die Krise gleichzeitig als Katalysator für den Übergang zu neuen Technologien genutzt werden.“ Die EFI begrüßt daher ausdrücklich die Absicht der Bundesregierung, 60 Milliarden Euro aus dem Zukunftspaket als Teil des Konjunkturpakets investiv und innovationsorientiert einzusetzen. So kann z.B. die Bereitstellung zusätzlicher finanzieller Mittel für den Ausbau der digitalen Infrastruktur helfen, die Innovationsaktivitäten der Unternehmen nachhaltig zu stärken. Die Förderung von Zukunftstechnologien wie der künstlichen Intelligenz, der Wasserstofftechnologie und der Quantentechnologie ist zudem ein wichtiger Schritt, um die innovationsgetriebene Transformation voranzutreiben.

Im Rahmen des Zukunftspakets sei das Forschungszulagengesetz geändert worden. Durch eine zeitlich bis 2026 befristete Anhebung des Förderdeckels solle für Unternehmen ein Anreiz gesetzt werden, trotz Krise in FuE zu investieren. Die EFI kritisiert, dass die KMU kaum von der Erhöhung des Förderdeckels profitiert, und sieht deshalb weiteren Anpassungsbedarf. Dies sei insbesondere vor dem Hintergrund relevant, dass die KMU angesichts von Corona für 2020 mit einem deutlichen Rückgang der Innovationsausgaben um knapp 9 Prozent und 2021 nochmals um 5 Prozent rechnen, wie Zahlen des Mannheimer Innovationspanels aus dem Jahr 2020 zeigten. Die Großunternehmen hingegen gingen von weitgehend stabilen Innovationsbudgets im Jahr 2020 und einer leichten Ausweitung um 2 Prozent im Jahr 2021 aus.

Umfangreiche finanzielle Mittel für Corona-Forschung bereitgestellt

Zur Überwindung von Beeinträchtigungen im Wissenschaftssektor durch die Lockdowns hat die Bundesregierung eine Reihe von Maßnahmen veranlasst, die von Lockerungen im Wissenschaftszeitvertragsgesetz bis zu Vereinfachungen bei Projektbeantragung und -bearbeitung reichen. Die EFI begrüßt, dass einige ihrer Vorschläge hierzu aufgenommen und umgesetzt wurden. Die Bundesregierung habe umfangreiche Mittel für die Förderung der Corona-Forschung bereitgestellt, mit direkter und indirekter Schubwirkung für die Wirtschaft. Mit der Entwicklung eines Impfstoffes durch das direkt geförderte Unternehmen BioNTech hätten diese Maßnahmen substanziell zu einem weltweit beachteten Erfolg beigetragen. Die EFI hebt positiv hervor, dass die Förderung der Corona-bezogenen Forschung durch das BMBF und die Projektträger sehr zügig angeschoben wurde.

Download der EFI-Pressemeldung "Innovationsaktivitäten leiden unter Corona"

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Dr. Petra Meurer
Stv. Leiterin der Geschäftsstelle
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