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SymbNET: Europäische Kooperation der Symbiose-Forschung

EU fördert internationales Konsortium unter Beteiligung der CAU zur Erforschung von Wirt-Mikroben-Symbiosen mit 900.000 Euro

In den letzten Jahren ist die Erforschung der Zusammenarbeit von Wirtslebewesen und Mikroorganismen in einem symbiotischen Gesamtorganismus zu einem zentralen Thema der Lebenswissenschaften geworden. Grundlegende Lebensprozesse betrachten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heute meist im Kontext der Symbiose von Wirten und Mikroben. Ein besseres Verständnis ihrer Interaktionen spielt daher auch eine fundamentale Rolle für die menschliche Gesundheit. Am heutigen Montag (15. März) startet unter Beteiligung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ein neuer internationaler Forschungsverbund auf diesem Gebiet: Im Rahmen einer virtuellen Auftaktkonferenz nimmt das europäische Kooperationsprojekt „Genomik und Metabolomik in einem Wirt-Mikroben-Symbiose-Netzwerk“ (SymbNET) seine Arbeit auf. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus drei europäischen Ländern und fünf Partnerinstitutionen wollen die Erforschung der symbiotischen Beziehungen von Wirtslebewesen und Mikroorganismen künftig in enger Zusammenarbeit vorantreiben.

Schwerpunkte des neuen Netzwerks sind vor allem die Nachwuchsförderung durch die Unterstützung von wechselseitigen Kooperationen und Gastaufenthalten und der Aufbau von neuartigen Forschungsinfrastrukturen. Die Europäische Union unterstützt das Vorhaben im Rahmen des Horizont-2020-Programms für zunächst drei Jahre mit einer Fördersumme von 900.000 Euro, etwa 100.000 Euro davon gehen an die CAU. Das Konsortium besteht aus fünf Mitgliedern und wird vom portugiesischen Instituto Gulbenkian de Ciência koordiniert. Neben der CAU sind außerdem das Instituto de Tecnologia Química e Biológica NOVA im portugiesischen Oeiras, das Europäische Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg und die Universität Lausanne in der Schweiz beteiligt. Die Kieler Universität trägt mit ihrem Sonderforschungsbereich (SFB) 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ zum SymbNET-Netzwerk bei.

Internationale Zusammenarbeit in der Wirts-Mikroben-Forschung

Die CAU engagiert sich bereits seit 2016 mit dem SFB 1182 stark in der Erforschung des Zusammenwirkens von Wirtslebewesen und Mikroorganismen, in Kiel ist sie unter dem Begriff der Metaorganismus-Forschung zusammengefasst. Im neuen EU-Projekt SymbNET, das Professor Luis Teixeira vom Instituto Gulbenkian leitet, können die Kieler Forschenden nun ihre Expertise in ein Netzwerk von europaweit führenden Forschungseinrichtungen einbringen. „In dieser internationalen Kooperation wollen wir den Wissenstransfer untereinander erleichtern, in gemeinsamen Projekten forschen und insbesondere den Austausch von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zwischen den beteiligten Institutionen fördern“, betont CAU-Professor Hinrich Schulenburg, der den Kieler SymbNET-Projektbeitrag im Rahmen des SFB 1182 leitet.

„Zusätzlich geht es darum, Schlüsseltechnologien in der Wirts-Mikroben-Forschung innerhalb des Netzwerkes einheitlich auf höchstes Niveau zu bringen und damit die starke Position der EU in diesem international besonders kompetitiven Wissenschaftsfeld weiter auszubauen“, so Schulenburg weiter. Konkret sollen unter anderem Forschungskompetenzen und -infrastrukturen in der Genomik und Metabolomik an den verschiedenen Standorten gestärkt werden. Dies umfasst einerseits Technologien zur Analyse der vollständigen Erbinformationen von Wirten und Mikroben, die Auskunft über die Art ihrer symbiotischen Verknüpfung geben können. Andererseits zählen dazu Analysemethoden, die die vielschichtigen Stoffwechselbeziehungen zwischen den symbiotischen Partnern entschlüsseln können. Beide Bereiche sind unabdingbar für die Identifizierung von ursächlichen funktionalen Wechselwirkungen zwischen Wirten und Mikroben, zum Beispiel bei der Entstehung von Krankheiten.

Fokus auf die Nachwuchsforschenden

Zur Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hält das SymbNET- Netzwerk ein ganzes Spektrum an Angeboten bereit: Beispielsweise thematische Kurse, Zielgruppen-spezifisches Mentoring und diverse Networking-Aktivitäten. Für die Kieler Nachwuchsforschenden und ihre Kolleginnen und Kollegen an den übrigen Standorten beinhaltet das Programm außerdem, dass sie Forschungsaufenthalte in den europäischen Partnerinstitutionen absolvieren können. So sollen sie im Rahmen des Projekts für ihre Karriere besonders wertvolle Erfahrungen sammeln und Netzwerke auf internationaler Ebene knüpfen. Neben regelmäßigen, zunächst virtuellen Projekttreffen für die beteiligten Nachwuchsforschenden sind als zusätzliche Highlights zwei Summerschools geplant. Für jeweils zwei Wochen im Sommer 2022 und 2023 können sie an hochattraktiven Kursen in Portugal teilnehmen. Dieses Angebot richtet sich speziell an Promovierende und bietet unter anderem Vorlesungen und Seminare mit einigen der renommiertesten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der Wirts-Mikroben-Forschung, darunter Professor Martin Blaser, Professorin Gloria Dominguez-Bello, Professorin Margret McFall-Ngai, Professor Rob Knight und SFB 1182-Sprecher Professor Thomas Bosch.

Über den SFB 1182:

Der Sonderforschungsbereich „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ ist ein interdisziplinäres Netzwerk unter Beteiligung von rund 80 Forschenden, das die Interaktionen spezifischer Mikrobengemeinschaften mit vielzelligen Wirtslebewesen untersucht. Es wird von der Deutschen Forschungsgmeinschaft (DFG) unterstützt und beschäftigt sich mit der Frage, wie Pflanzen und Tiere einschließlich des Menschen gemeinsam mit hoch spezifischen Gemeinschaften von Mikroben funktionale Einheiten (Metaorganismen) bilden. Ziel des SFB 1182 ist es, zu verstehen, warum und wie mikrobielle Gemeinschaften diese langfristigen Verbindungen mit ihren Wirtsorganismen eingehen und welche funktionellen Konsequenzen diese Wechselwirkungen haben. Im SFB 1182 sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus fünf Fakultäten der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, dem Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie Plön, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, dem Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und der Mathematik und der Muthesius Kunsthochschule zusammengeschlossen.

Wissenschaftliche Illustration
© Science Communication Lab

Das Zusammenspiel von Darmbakterien mit dem Wirt, etwa dem Menschen, ist ein bekanntes Beispiel für Symbiosen, die Fokus des neuen Forschungskonsortium SymbNET stehen.

Weitere Informationen:


„Genomik und Metabolomik in einem Wirt-Mikroben-Symbiose-Netzwerk“
(SymbNET), EU-Horizont-2020-Förderung:
cordis.europa.eu/project/id/952537/de

Sonderforschungsbereich (SFB) 1182
„Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“, CAU:
www.metaorganism-research.com

Research Group Luis Teixeira,
Host-Microbe-Interactions, Gulbenkian Science:
https://gulbenkian.pt/ciencia/research-groups/lteixeira/

Wissenschaftlicher Kontakt:

Prof. Hinrich Schulenburg
Vize-Sprecher Sonderforschungsbereich (SFB) 1182
„Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“, CAU
 0431-880-4141
hschulenburg@zoologie.uni-kiel.de

Pressekontakt:

Christian Urban
Referent für Wissenschaftskommunikation