Zukunft ist sogar am Strand

Treibsel-Projekt erhält Publikumspreis beim zehnten „yooweedoo“-Wettbewerb für nachhaltige unternehmerische Initiativen

Jury und Publikum haben entschieden: 23 Projekte, die mit unternehmerischen Methoden auf ein besseres Verhältnis der Menschen zur Natur und auch zu ihresgleichen zielen, werden diesmal innerhalb des Kieler „yooweedoo“-Wettbewerbs mit Preisgeldern im Gesamtumfang von 45.000 Euro gefördert. Ausgerichtet wird der Nachhaltigkeitspreis jährlich unter der Leitung von Professor Christoph Corves von der „School of Sustainability“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Der Publikumspreis geht dabei an ein Projekt, dessen wichtigstes Arbeitsmaterial einfach auf dem Boden herumliegt.

Konkret gemeint ist der Strand, der außer vom Sand von einem weithin unbeliebten und im Sommer gar als anrüchig geltenden Material geprägt wird: Treibsel. An den zusammen knapp 400 Kilometern langen Stränden im Land werden Jahr für Jahr mehr als 250.000 Kubikmeter dieses Gemischs aus Seegras und Algen für teures Geld entsorgt. Sechs junge Frauen und ein junger Mann haben nun das Projekt „rematter“ gegründet, um mit Treibsel etwas Vernünftigeres anzustellen. Aus dem Bio-Rohstoff wollen sie Papierprodukte, Kunstobjekte oder Einrichtungsgegenstände fertigen.

Solche Initiativen sind es, die beim Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer die Überzeugung aufkommen lassen: „Der yooweedoo-Ideenwettbewerb macht Kiel nachhaltiger, innovativer und lebenswerter.“ Auch in diesem Jahr zeigt er sich „beeindruckt von der Vielfalt und Kreativität der Projekte“. Die Landeshauptstadt unterstützt den an der Uni Kiel ins Leben gerufenen Wettbewerb ebenso wie das Land Schleswig-Holstein und hat damit auch ein Stück zu dessen Ausweitung beigetragen. Über die Hochschulen hinaus sind inzwischen alle Engagierten aus Kiel und in diesem Durchgang erstmals auch aus ganz Schleswig-Holstein teilnahmeberechtigt.

Die mehr als 20 von der Jury ausgezeichneten Projekte strotzen tatsächlich vor Vielfalt. „Wir wollen zeigen, wie man mit geringen finanziellen Mitteln und überschaubarem Aufwand von eigener Hand Sportboote auf einen elektrischen Antrieb umrüsten kann“, sagen sich zum Beispiel die beiden Flensburger David Friedrich und Alexander Weyers, deren Projekt „Segel’ mit Strom“ zu den ausgezeichneten Beiträgen gehört.

Unterdessen setzt das Kieler Start-up „Insection Future Food“ auf die Produktion von eiweißreichen und klimafreundlichen Lebensmitteln auf Basis von Insekten, während Sophia Siera und Madleen Haufler mit ihrem Projekt „MaSoJa“ pflanzlichen Joghurt im Pfandglas unter die Leute bringen wollen. Ebenso finden sich in der nun abgeschlossenen zehnten „yooweedoo“-Runde zahlreiche Beiträge mit sozialem oder kulturellem Schwerpunkt. So soll das „Futsalcamp Anstoß“ Jugendliche mit fünftägigen Kompetenztrainings fit für das (Berufs-)Leben machen. Das Projekt „Libiduu“ zielt derweil auf eine ganzheitliche Herangehensweise an die weibliche Sexualität, und der „Kieltopia Podcast“ begibt sich auf die Suche nach utopischen Visionen für eine nachhaltige Landeshauptstadt.

Christoph Corves, Professor am Geographischen Institut der Uni Kiel, Leiter des dort ansässigen Studienzweigs „School of Sustainibility“ und Erfinder des „yooweedoo“- Wettbewerbs, zieht derweil ein positives Zwischenfazit dieser besonderen Ideenkonkurrenz: „In elf Jahren yooweedoo und zehn Jahren Ideenwettbewerb haben wir rund 250 Projekte gefördert und 1.000 Gründungswillige bei ihren Vorhaben unterstützt. Und das hört ja bei der Übergabe der Förderbescheide nicht auf. Der zumeist wichtigere Teil von ‚yooweedoo‘ ist der Eintritt in unsere lebhafte Community, die persönliche Beratung, das Coachingprogramm und vor allem unser Angebot der Akademie für Social Entrepreneurship mit allein 50 Veranstaltungen im gerade startenden Sommerprogramm.“

Mehr Informationen zum Wettbewerb und zur Akademie.

Frau am Meer
© rematter

Am Strand liegt mehr als Sand. Magdalena Gerberding und weitere sechs Beteiligte vom Projekt „rematter“ wollen Nützliches aus Treibsel herstellen.

Kontakt:

Prof. Christoph Corves
Kiel School of Sustainability an der CAU
corves@geographie.uni-kiel.de

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