Bay Areas Lecture: Erste Urkunde an Stanford-Professor verliehen

Die noch junge Städtepartnerschaft zwischen der Landeshauptstadt Kiel und San Francisco, USA, trägt erste Früchte: An der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) wurde gestern (Donnerstag, 14. März) die Bay Areas Lecture ins Leben gerufen. Mit dem Format werden herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Partnerregion geehrt, die sich in besonderer Weise für wissenschaftliche, einrichtungsübergreifende Kooperation einsetzen. Die erste Ehrung anlässlich der Bay Areas Lecture 2019 erhielt der Stanford-Professor Keith Hodgson.

Für Universitätspräsident Professor Lutz Kipp war die Verleihung der Bay Areas Lecture „ein besonderer Moment. So kurz vor der Begutachtung im Wettbewerb um den Titel als Exzellenzuniversität fühlen wir uns sehr geehrt, einen so renommierten Gast wie Keith Hodgson in Kiel willkommen zu heißen. Das unterstreicht, wie ernst uns die Partnerschaft mit der Bay Area ist und welches Potenzial diese Partnerschaften mit sich bringen. Der Wissensaustausch, den wir mit der neuen Lecture festigen möchten, ist für beide Seiten ein Gewinn!“

Der Kieler Professor Felix Tuczek initiierte die erste Bay Areas Lecture und würdigte den Chemiker Hodgson als „Pionier für neue und hochinteressante wissenschaftliche Methoden in der Forschung mit Röntgen- und Synchrotronstrahlung.“ Die kooperative Arbeit von Keith Hodgson an der Stanford Universität und am Stanford National Accelerator Laboratory (SLAC) sei inspirierend für vergleichbare Kooperationen, die Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit dem Deutschen Elektron-Synchrotron (DESY) oder an der internationalen Röntgenlaser-Forschungseinrichtung European XFEL in Hamburg und Schenefeld pflegen. Diese könnten besonders im Bereich der chemischen Forschung noch weiter ausgebaut werden, führte Tuczek in seiner Begrüßung aus. „Ich selbst erforsche unter anderem die Oberflächen anorganischer Materialen mit dem Röntgenlicht des Elektronenbeschleunigers am DESY. Zu hören, wie organisches Material wie Proteine mit dieser Methode analysiert werden kann, ist ein spannender Einblick.“    

Keith Hodgson zeigte sich sehr geehrt, die erste Bay Areas Lecture halten zu dürfen. In seinem Fachvortrag führte der amerikanische Wissenschaftler durch seine aktuellen Forschungsergebnisse und erklärte den interessierten Gästen, wie sein Team chemische und biologische Strukturen mithilfe von Röntgenstrahlung untersucht. Am Freitag (15. März) beschrieb er in einem zweiten Vortrag, wie zwischen außeruniversitären Einrichtungen und Universitäten besonders fruchtbare Kooperationen entstehen können: „Die San Francisco Bay Area bündelt auf beeindruckende Weise Geräte, Methoden und Talente, um Bioimaging (biologische Bildgebung) voranzutreiben.“ Daraus ergeben sich einzigartige Forschungsmöglichkeiten sowohl in der Biopharmazie als auch im Lehren und Lernen. Außerdem seien „öffentlich-private Partnerschaften zunehmend von Bedeutung für die Forschung“, denn sie ermöglichen die gemeinsame Anschaffung, Nutzung und Instandhaltung hochkomplexer Geräteausstattung.

Axel Schulz, Vorstandsvorsitzender „The Bay Areas e.V.“ in Kiel, zeigte sich begeistert von dem neuen Austauschformat: „Das haben wir uns erhofft! Die Mitglieder unseres Vereins entwickeln Ideen, wie die Bay Areas Lecture, um die Verbindungen zwischen den geographischen Regionen um San Francisco und Kiel zu stärken. Ich freue mich darauf, dass noch viele solcher Veranstaltungen folgen werden!“

Die Veranstaltung wurde unterstützt durch den Verein „The Bay Areas Kiel e.V.“ und durch das International Center der CAU.

Über Keith Hodgson:

Keith Hodgson studierte Chemie an der University of Virginia und der University of California in Berkeley, wo er 1972 promoviert wurde. Es folgte ein Postdoc-Jahr an der ETH in Zürich. Seit 1973 ist er an der Stanford University tätig, wo er den Einsatz von Röntgenstrahlen zur Untersuchung chemischer und biologischer Strukturen erforscht. Schon damals nutzte er dafür die einzigartigen Möglichkeiten der Stanford Synchrotron Radiation Lightsource (SSRL). Im Laufe der Jahre führte sein Labor bahnbrechende Röntgenabsorptions- und Röntgenkristallographiestudien an Proteinen durch und legte damit den Grundstein für das neue Gebiet der Synchrotron-basierten strukturellen Molekularbiologie. Er war von 1998 bis 2005 Direktor der SSRL, bis 2007 Stellvertretender Direktor des SLAC National Accelerator Laboratory und von 2007 bis 2011 Assoziierter Laborleiter für Photon Science. Aktuell ist er Leiter des Chemie-Departments an der Stanford University.

Aktuell untersucht die Hodgson-Forschungsgruppe, wie die molekulare Struktur auf verschiedenen Organisationsebenen mit der biologischen und chemischen Funktion in Verbindung steht, und zwar unter Verwendung verschiedener Röntgenabsorptions-, Röntgenemissions-, Beugungs- und -Streuungstechniken. Darüber hinaus untersucht er die Rolle von Kupfer in biologischen Systemen. Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich auch mit der nächsten Generation von Röntgenlichtquellen, dem Freien Elektronenlaser, um nichtkristalline Biomoleküle abzubilden und chemische Reaktivität auf ultraschnellen Zeitskalen zu untersuchen.

Hodgson hat eine Reihe renommierter Auszeichnungen erhalten und ist seit 2011 Mitglied der amerikanischen Akademie der Wissenschaften.

Über die Verbindung der Kieler Universität zur San Francisco Bay Area:

Nachdem die Städtepartnerschaft zwischen San Francisco und Kiel geschlossen wurde (2017), besuchte im vergangenen Sommer eine schleswig-holsteinische Delegation aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft die amerikanische Region. Dieser Besuch markierte den Auftakt zu einer intensiveren Zusammenarbeit zwischen der kalifornischen Bay Area und dem nördlichsten deutschen Bundesland. Die bereits bestehenden wissenschaftlichen Überseekontakte sollten von nun an intensiviert und themenübergreifend ausgebaut werden. Dazu gehören der gegenseitige fachliche, aber auch kulturelle Austausch über Transfer- und Entrepreneurship-Projekte zwischen Universitäten, außeruniversitären Einrichtungen und Unternehmen. Neben der gemeinsamen Lage am Meer verbinden beide Regionen die Themenfelder alternative Energien, Digitaler Wandel, Umwelt und Meereswissenschaften.

Über den Verein „The Bay Areas e.V.“, dessen Gründungsmitglied die CAU ist, und über das gemeinsame Büro der norddeutschen Bundesländer in San Francisco will die Kieler Universität auch ihre eigenen Aktivitäten in Transfer und Entrepreneurship verstärken und so die Bay Area zu einer weiteren strategischen Partnerregion für die CAU entwickeln. Ein zukünftiges Projekt könnten gemeinsame Summer Schools sein. Teams aus der CAU und Stanford betreuen abwechselnd an beiden Standorten Masterstudierende, Doktorandinnen und Doktoranden, die gemeinsam an zentralen Themen aus den universitären Forschungsschwerpunkten arbeiten.

Prof. Keith Hodgson
© Christina Kloodt, Uni Kiel

Prof. Keith Hodgson ist der erste Referent der Bay Areas Lecture

Prof. Lutz Kipp überreichte die Urkunde an Hodgson
© Christina Kloodt, Uni Kiel

Prof. Lutz Kipp überreichte die Urkunde an Hodgson

Keith Hodgson spricht vor Studierenden
© Claudia Eulitz, Uni Kiel

Am Freitag, 15. März, sprach Hodgson unter anderem über die innovativen Lehrmethoden an seiner Heimatuniversität. So sind Seminarräume beispielsweise mit flexiblen Tischen ausgestattet, durch die ein Frontalunterricht in Sekunden zur Gruppenarbeit werden kann.

Prof. Felix Tuczek
© Christina Kloodt, Uni Kiel

Prof. Felix Tuczek, Initiator der ersten Bay Areas Lecture

Axel Schulz
© Christina Kloodt, Uni Kiel

Axel Schulz, Vorstandsvorsitzender „The Bay Areas e.V.“

Claudia Eulitz
Sachgebietsleitung Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation