12 Millionen Euro für bessere Lehre und besseres Lernen

Studierende in einer Lehrveranstaltung
© Jürgen Haacks, Uni KielInnovative Lernformen und bessere Betreuung an der CAU vor und während des Studiums: Das Bund-Länder-Programm "Qualitätspakt Lehre" macht es möglich.

„PerLe“ heißt das Konzept der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) für bessere Lehre und besseres Lernen. Mit fünf Teilprojekten will die einzige Volluniversität des Landes im Zeitraum von 2012 bis 2016 die Betreuung und Förderung ihrer Studierenden verbessern, die Studienzufriedenheit erhöhen und Abbrecherquoten senken. Glänzend sind die Aussichten, dass „PerLe“ seine segensreiche Wirkung an der CAU entfalten kann. Am Dienstag, 13. Dezember, entschied die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK), „PerLe“ in den nächsten fünf Jahren mit fast 12 Millionen Euro über das „Bund-Länder-Programm für bessere Studienbedingungen und mehr Qualität in der Lehre“ (Qualitätspakt Lehre) zu fördern. Von 135 eingereichten Anträgen aus dem gesamten Bundesgebiet wurden 72 zur Förderung ausgewählt, darunter auch „PerLe“. Die Förderung beginnt zum Sommersemester 2012. Nach fünf Jahren besteht die Möglichkeit, sich für weitere fünf Jahre Zuschüsse zu sichern.

Für CAU-Präsident Professor Gerhard Fouquet und den für die Lehre an der CAU verantwortlichen Vizepräsidenten Professor Frank Kempken eröffnet die Entscheidung der GWK neue Perspektiven für die CAU im Bereich der Studierendenbetreuung und -förderung: „Bislang konnten wir über die Exzellenzinitiative ausgezeichnete Rahmenbedingungen für die Forschung an der CAU bieten. Mit ‚PerLe’ können wir jetzt endlich auch unsere Studierenden in einer Weise und Intensität fördern und betreuen, für die uns bislang leider das Geld fehlte.“

Dank des kreativen Umgangs mit begrenzten Mitteln sei es der CAU zwar gelungen, die Qualität der Lehre auf einem hohen Niveau zu halten, wie die Ergebnisse der Bachelorumfrage 2011 belegen. Allerdings seien in den letzten Jahren auch deutliche Mängel im Bereich Lehre und Studium festgestellt worden: „Insbesondere die Studienabbrecherquote ist in vielen Studienfächern zu hoch. Hier fehlten bislang die Mittel für die Unterstützung der Studierenden bei der Wahl des passenden Studienfachs. Zwei Pilotprojekte zur Unterstützung in der Studieneingangsphase sind jedoch äußerst erfolgreich abschlossen worden – wegen der schlechten Finanzlage konnte diese Form der Unterstützung bislang leider nicht auf mehr Fächer ausgeweitet werden“, beschreiben Fouquet und Kempken die Situation vor „PerLe“.

CAU-Präsident Fouquet dankte vor diesem Hintergrund Antragskoordinator Frank Kempken und den beteiligten Autoren für ihre hervorragende Arbeit: „Das Geheimnis unseres Erfolges liegt darin, dass an ‚PerLe’ sowohl Studierende als auch Lehrkräfte und Mitglieder der Universitätsverwaltung mitgeschrieben haben. So konnten wir das Thema aus Sicht aller Betroffenen angehen und die Projekte nahe an die Lebens- und Bedarfswirklichkeit der Studierenden rücken. Das Konzept ist aufgegangen.“

Fünf Projekte bilden den Kern von „PerLe“. Sie sollen die Studienqualität an der CAU dauerhaft sicherstellen und steigern:

1. Effektivere Studienberatung vor Beginn des Studiums

Für Schülerinnen und Schüler gymnasialer Oberstufen werden künftig zweitägige Workshops zur Entscheidungsfindung eingerichtet, damit diese treffsicher den Weg in ein für sie geeignetes Studienfach finden. Im Vordergrund steht dabei die persönliche Beratung. Fächerinhalte und Anforderungen werden vorgestellt, die Teilnahme an Vorlesungen des ersten oder zweiten Fachsemesters ermöglicht. Die Schülerinnen und Schüler werden ganztägig von Tutorinnen und Tutoren begleitet. Zusätzlich besteht das Angebot für eine freiwillige, kostenpflichtige Einzel-Potenzialanalyse. Alle Veranstaltungen werden evaluiert und kontinuierlich den Interessen und Bedürfnissen der Studieninteressenten angepasst.

2. Bessere Orientierung in der Studieneingangsphase

Zu Beginn eines Studiums haben viele Studierende nachweislich Probleme damit, Ausrichtung, Umfang und Tiefe der fachlichen Studieninhalte richtig einzuschätzen und richtig zu lernen. Um künftigen Studierenden den Eingang in das Studium und den Übergang von der Schule an die Hochschule so leicht wie möglich zu machen, werden Brückenkurse zur Vorbereitung des ersten Studiensemesters, auf die akademische Ausrichtung der Inhalte und die akademische Lernkultur angeboten. Die Betreuung während der ersten sechs Studienwochen wird über Tutorien gesichert. Lernstrategien werden vermittelt und Vorkurse angeboten, die Grundlagenwissen für den erfolgreichen Studiendurchlauf vermitteln. Für den Antragszeitraum ist geplant, diese Angebote für alle Studiengänge anzubieten, die eine Schwundquote von über 30 Prozent aufweisen. Dabei geht es nicht um bloße Zusatzangebote vor Studienbeginn, die lediglich Wissenslücken auffüllen sollen. Vielmehr sollen im ersten Studiensemester vorbereitend, begleitend und nachbereitend allgemeine und fachspezifische Lernstrategien für das Studium vermittelt und vertieft werden, die auf die jeweiligen Inhalte der Erstsemesterveranstaltungen sowie auf die verschiedenen Voraussetzungen der Studierendengruppen (Vorwissen, Studienausrichtung, Selbstkonzept) abgestimmt sind.

Besonderer Handlungsbedarf besteht bei der Lehramtsausbildung. Um mehr Praxisbezug herzustellen, wird ein spezielles Eingangsmodul für das Profil Lehramt entwickelt. Es weist einen ausgeprägten Schulbezug unter Einbeziehung von Erziehungswissenschaft, Psychologie, Soziologie, Philosophie, Fachdidaktiken und weiterer Fächer auf. Hier sollen sich die Studierenden frühzeitig mit schulrelevanten und praxisnahen Fragestellungen auseinandersetzen und eine erste Orientierung für das Lehramtsstudium gewinnen.

3. Bessere Begleitung von Schul- und Berufspraktika

Um Zusammenhänge zwischen Theorie und Praxis des Lehrens in der Schule besser zu verstehen, wird Lehramtsstudierenden künftig eine Reflexion über ihr Schulpraktikum ermöglicht. Für Lehramtsstudierende werden deshalb in Zukunft wissenschaftlich betreute Online-Seminare und Präsenzveranstaltungen eingerichtet.

Auch bei den Berufspraktika fehlt bislang eine befriedigende Begleitung und Nachbereitung. Deshalb wird eine Online-Sprechstunde eingerichtet. Dort finden Studierende Rat und Austausch bei Problemen im Praktikum. Mit der Industrie- und Handelskammer wird zweimal jährlich eine Praktikumskontaktmesse veranstaltet, auf der sich Praktikantinnen und Praktikanten mit Poster-Präsentationen interessierten Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft vorstellen.

4. Qualitätsentwicklung in der Lehre

Um die Qualität der Lehre an der CAU dauerhaft zu sichern, werden neue Instrumente der Qualitätssicherung entwickelt. Dazu wird ein Zentrum für Lehrinnovation eingerichtet. Dieses Zentrum unterstützt die Fächer und Fakultäten universitätsweit bei der Umsetzung der Qualitätsstandards und der Weiterentwicklung der Curricula. Fortbildungsmodule für Lehrende zur fachspezifischen Hochschuldidaktik, zum Team-Coaching von Lehrenden oder zu innovativen Lernformen werden entwickelt. Umfassende Unterstützung bei der fortschreitenden Nutzung digitaler Lehr- und Lernformen wird geleistet, die die Präsenzlehre ergänzen und unterstützen sollen. Dazu gehört eine zentrale Internetplattform für Lehr- und Lerninnovation, die die kooperative Wissensentwicklung fördert und sich als Wissensspeicher und Nachrichtenmedium der CAU zum Lehren und Lernen entwickeln soll. Zusätzlich wird an der CAU ein Fonds „Qualitätsentwicklung Lehre“ eingerichtet. Aus diesem Fonds können Einzelprojekte gefördert werden, die der Umsetzung der „Qualitätsstandards Lehre“ der CAU dienen und die den Maßgaben des Qualitätspakts entsprechen.

5. Qualifikation des Lehrpersonals

Die „Stabsstelle Wissenschaftliche Weiterbildung“ entwickelt ein umfassendes Schulungs- und Qualifikationsangebot für Tutorinnen und Tutoren sowie für Professorinnen und Professoren und akademische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dieses akademische Personalentwicklungskonzept soll die bestehende Kultur der Lehre an der CAU prägen und fortentwickeln. Geplant sind unter anderem individuelle Coachings, Trainings und kollegiale Beratungen, eine Trainee-Ausbildung für neu berufene und neu eingestellte wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die umfassende Unterstützung und Beratung in allen Fragen akademischer Lehre.