Kulturgut retten: Universitätsbibliothek Kiel erhält 45.000 Euro vom Land

Mithilfe der Förderung können wichtige Bestände geschützt und erhalten werden

Die Schatztruhe der Universitätsbibliothek (UB) Kiel befindet sich im Untergeschoss der Zentralbibliothek in der Leibnizstraße 9 auf dem Campus der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Geschützt durch schwere Stahltüren werden hier in klimatisierten Tresoren die historischen Sammlungen aufbewahrt – neben wertvollen Handschriften und frühen Drucken sind das auch die schriftlichen Nachlässe von Kieler Persönlichkeiten, Briefe, Manuskripte, Tagebücher. Die Stücke für die Nachwelt zu erhalten ist eine große Aufgabe, die oft aufwändig und immer kostspielig ist. Mit ihrem Förderprogramm zum Erhalt schriftlichen Kulturgutes in wissenschaftlichen Bibliotheken Schleswig-Holsteins unterstützt die Landesregierung nachhaltige Erhaltungs- und Sicherungsmaßnahmen in diesem Bereich. Nun sind mehrere Projektanträge der UB Kiel mit einer Fördersumme von insgesamt rund 45.000 Euro bewilligt worden. Darüber freut sich die Restauratorin der UB, Anja Steinhauer: „Durch die großzügige Unterstützung des Landes sind wir in der Lage, bereits begonnene Restaurierungsprojekte fortzuführen und neue, wichtige anzupacken. Diese Maßnahmen, die wir nun umsetzen, sind ein wichtiger Beitrag der UB Kiel zum Erhalt von bedeutenden Beständen.“

Bedeutende Nachlässe pflegen und erhalten

Über 70 Nachlässe bewahrt die UB in ihren Magazinen auf. Die darin enthaltenen Briefe und Manuskripte sind wichtige Quellen für die Forschung. Doch auch an ihnen nagt der Zahn der Zeit. Um sie zu erhalten und nutzbar zu machen, ist eine kontinuierliche restauratorische Betreuung notwendig. Eines der geförderten Projekte behandelt gleich drei Nachlasse: Zum einen wird der Nachlass des Kieler Juristen und Ornithologen Friedrich Boie (1789-1870) restauriert. Hier sind es vor allem seine handschriftlichen Materialien zu einer allgemeinen systematischen Naturgeschichte der Vögel in Schleswig-Holstein, die bearbeitet werden sollen. Auch unter dem Aspekt der Biodiversität kommt diesem Bestand große Bedeutung zu. Zum anderen sind es die handschriftlichen Exzerpte aus dem Nachlass von Andreas Wilhelm Cramer (1760-1833). Cramer wirkte als Professor für Römisches Recht und Prokanzler der Universität Kiel. Seit 1826 leitete er zudem die Universitätsbibliothek. Seine Aufzeichnungen geben einen guten Einblick in die Themen von Cramers Vorlesungen, der wegen seines humorvollen und launigen Stils bei der Studentenschaft besonders beliebt gewesen sein soll.

Eine weitere Restaurierungsmaßnahme gilt einem eher ungewöhnlichen Bestand: den Druckstöcken – Druckplatten für den Hochdruck – aus dem Nachlass des Kieler Orientalisten Georg Jacob (1862-1937). Jacob war der erste Übersetzer und Herausgeber moderner türkischer Literatur im deutschen Sprachraum und gilt als Begründer der modernen Turkologie in Deutschland. Jacob interessierte sich aber auch für die Geschichte seiner Universität. Für das 1921 erschienene Buch „Kiel als Universitätsstadt“ steuerte er Illustrationen bei, unter anderem Ansichten verschiedener Institutsgebäude, dem Botanischen Garten und dem Wissenschaftlichen Klub. Die für den Druck verwendeten Platten bewahrte er auf. „In diesem Fall hat der Autor die Druckstöcke vielleicht aufbewahrt, weil er auf eine neue Auflage gehofft hat, bei der er diese wieder beisteuern kann und somit Kosten spart“, vermutet Restauratorin Anja Steinhauer.

Historische Handschrift
© Anja Steinhauer, UB Kiel

Handschrift aus dem Nachlass von Andreas Wilhelm Cramer (1760-1833). Cramer wirkte als Professor für Römisches Recht und Prokanzler der Universität Kiel sowie Leiter der UB.

Historische Handschrift
© Anja Steinhauer, UB Kiel

Die Handschrift aus Cramers Nachlass wurde durch Schimmel beschädigt und wird nun sorgfältig restauriert.

Kontakt:

Dr. Rüdiger Schütt
Referent für Öffentlichkeitsarbeit der UB
schuett@ub.uni-kiel.de
ww.ub.uni-kiel.de

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