Kulturelle Schätze bewahren

Land überreichte rund 73.500 Euro an die Universitätsbibliothek Kiel zum Erhalt des schriftlichen Kulturguts

Ein Brief von Friedrich Schiller, eine Anleitung zum Dreieckstuch, dem ersten Verband nach Professor Esmarch, oder geobotanische Vegetationskartierungen aus Schleswig-Holstein seit den 1930er Jahren – in der Universitätsbibliothek (UB) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) wie auch in anderen kulturellen und wissenschaftlichen Einrichtungen liegen historische Schätze. Damit dieses kulturelle Erbe auch für künftige Generationen erhalten bleibt, muss es geschützt und häufig auch restauriert werden. Eine Digitalisierung macht die Kulturgüter zudem der Öffentlichkeit und der Wissenschaft zugänglich. Unterstützt werden die Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen in Schleswig-Holstein bei dieser wichtigen Tätigkeit bereits seit sieben Jahren von der Landesregierung Schleswig-Holstein. Am Montag, 6. Mai, überreichte Wissenschafts- und Kulturstaatssekretär Dr. Oliver Grundei die diesjährigen Förderbescheide.

„Ich freue mich, dass ich heute wichtige Förderbescheide zum Erhalt schriftlichen Kulturgutes in Archiven und Bibliotheken des Landes übergeben kann“, sagte Grundei. „Archive und Bibliotheken sind das wissenschaftliche und kulturelle Gedächtnis Schleswig-Holsteins. Sie beherbergen einen einmaligen und für alle gesellschaftlichen Bereiche unverzichtbaren Quellenbestand von besonderer Bedeutung.“ Papier, Tinte und äußere Faktoren nagten am Bestand, daher sei die Förderung des Landes zum Erhalt des Kulturgutes tatsächlich überlebenswichtig.

Die vier Förderbescheide über insgesamt 73.405 Euro für die UB nahm deren Stellvertretender UB-Direktor Rainer Horrelt entgegen. „Wir freuen uns, dass unsere Anträge für die Förderbescheide auch in diesem Jahr wieder erfolgreich waren, da die Bestandserhaltung aus den Grundhaushalten allein nicht machbar wäre“, sagte Horrelt. „Die Fördermittel sind eine große Unterstützung, wenn es darum geht, unser kulturelles Erbe für die Nachwelt zu erhalten“, stimmt Dr. Kerstin Helmkamp, Direktorin der UB, zu. „Dies gilt insbesondere auch in Fällen, wenn der Originalerhalt leider nicht mehr möglich und daher die Digitalisierung der letzte Weg ist.“

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der UB präsentierten im Anschluss an die Übergabe wertvolle Stücke aus ihren Sammlungen, die von den Maßnahmen profitieren. Dr. Walter Reulecke etwa zeigte eine Vegetationskarte aus dem Bestand der Ökosystemforschung. Insgesamt handelt es sich um 450 Vegetationskarten und 47.400 zu scannende Seiten von Vegetations- oder zoologischen Bestandsaufnahmen aus Schleswig-Holstein seit den 1930er Jahren, darunter Tabellen und Aufzeichnungen, teils auch handschriftlich. „Sie zeigen, was auf den Flächen wuchs und können somit Vegetationsveränderungen und einen Biodiversitätsverlust bis heute qualitativ und quantitativ dokumentieren und spezifizieren“, erklärte Reulecke, der die Karten nun gemeinsam mit seiner Kollegin Martina Klemkow sichtet und digitalisiert. Diese für die Biodiversitätsforschung wichtigen Daten könnten nicht zuletzt dazu beitragen, die Ursachen des aktuell in der öffentlichen Diskussion stehenden Insektensterbens zu erforschen.

Insgesamt zwölf Kultur- und vier Wissenschaftseinrichtungen erhielten Förderbescheide im Gesamtwert von 400.000 Euro überreicht. Nähere Informationen unter: www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/K/kulturfoerderung/kulturelles_erbe.html

Oliver Grundei und Rainer Horrelt
© Jürgen Haacks, Uni Kiel

Wissenschafts- und Kulturstaatssekretär Dr. Oliver Grundei (links) überreicht die Förderbescheide für die Universitätsbibliothek der Uni Kiel dem Stellvertretenden Direktor der UB Rainer Horrelt (rechts).

Brief von Friedrich Schiller
© Jürgen Haacks, Uni Kiel

Ein Brief von Friedrich Schiller an K. L. Reinhold

Erklärung zum Dreieckstuch
© Jürgen Haacks, Uni Kiel

Illustrationen, die die Verwendung des Dreiecktuches zeigen: Der erste Verband auf dem Schlacht-felde nach Professor Esmarch.

Vegetationskarte
© Jürgen Haacks, Uni Kiel

Vegetationskarte der Umgebung von Kropp südlich von Schleswig

Walter Reulecke mit Vegetationskarte
© Jürgen Haacks, Uni Kiel

Dr. Walter Reulecke von der UB der Uni Kiel zeigt eine der Vegetationskarten, die digitalisiert werden.