Universität

Kulturgut retten: Universitätsbibliothek Kiel erhält 74.000 Euro vom Land

Mithilfe der Förderung können wichtige Bestände geschützt und erhalten werden.

Es sind Schätze, die in den Tresoren der Universitätsbibliothek Kiel (UB) schlummern. Sie für die Nachwelt zu erhalten, ist eine große Aufgabe, die aufwändig und kostspielig ist. Mit ihrem Förderprogramm zum Erhalt schriftlichen Kulturgutes in wissenschaftlichen Bibliotheken Schleswig-Holsteins unterstützt die Landesregierung nachhaltige Erhaltungs- und Sicherungsmaßnahmen in diesem Bereich. Gleich drei Projektanträge der UB Kiel sind jetzt mit einer Förderungssumme von insgesamt rund 74.000 Euro bewilligt worden. „Bibliotheken sind das kollektive Gedächtnis unserer Gesellschaft. Sie verdienen als solches unseren besonderen Schutz. Daher freue ich mich sehr, dass wir als Landesregierung gleich drei bedeutende Projekte der Universitätsbibliothek Kiel unterstützen können“, so der Wissenschafts-Staatssekretär Dr. Oliver Grundei. Und UB-Direktorin Dr. Kerstin Helmkamp betont: „Diese Maßnahmen, die wir nun umsetzen, sind ein wichtiger Beitrag der UB Kiel zum Erhalt von bedeutenden Beständen. Ohne Unterstützung des Landes wäre das nicht möglich gewesen“.

Restaurierung des kulturellen Erbes

Das Projekt zur Erhaltung der historischen Bestände ist eine langfristige Aufgabe mit dem Ziel, die historischen Schätze zu erhalten und sie der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen. Mit Unterstützung des Landes konnte die UB im Laufe der vergangenen Jahre eine Vielzahl von Werken restaurieren lassen. Diesmal liegt der Schwerpunkt auf zwei Sammlungen: Zum einen wird der Nachlass des Kieler Juristen und Ornithologen Friedrich Boie (1789-1870) restauriert. Hier sind es vor allem seine handschriftlichen Materialien zu einer allgemeinen systematischen Naturgeschichte der Vögel in Schleswig-Holstein, die bearbeitet werden sollen. Zum anderen ist es die Bibliothek des Hamburger Sammlers Kunow. Der 5.000 Bände umfassende Bestand mit hauptsächlich niederdeutschen Texten kam 1925 in die Universitätsbibliothek. Im Zweiten Weltkrieg stark dezimiert, besteht der verbliebene Teil vor allem aus Manuskripten von Hamburger Autorinnen und Autoren, vor allem Volkstheaterstücke in plattdeutscher Sprache. „Der Bestand ist von ganz besonderer regionalhistorischer Bedeutung“, erläutert die promovierte Germanistin Kerstin Helmkamp, „da in den Werken der Autoren das Alltagsleben und die Alltagssprache in Hamburg um 1900 lebendig wird.“

Die Druckplatten des Orientalisten

Eine weitere Restaurierungsmaßnahme gilt einem Bestand, den man nicht unbedingt in Bibliotheken vermutet: den Druckstöcken – Druckplatten für den Hochdruck – aus dem Nachlass des Kieler Orientalisten Georg Jacob (1862-1937). Jacob war der erste Übersetzer und Herausgeber moderner türkischer Literatur im deutschen Sprachraum und gilt als Begründer der modernen Turkologie in Deutschland. Seit 1916 widmete er sich besonders intensiv dem Studium und der Übersetzung türkischer Urkunden. Mit diesem wichtigen Teilgebiet seiner Forschungen steht die von ihm angelegte Sammlung photographischer Platten in engem Zusammenhang, die den Schwerpunkt seines nichtschriftlichen Nachlassbestandes bildet. Ergänzend gibt es die Druckstöcke, die ein Zeugnis von dem Produktionsvorgang der Veröffentlichung sind. Hier findet man den direkten Zusammenhang zwischen Produktion und fertigem Produkt. „In diesem Fall hat der Autor die Druckstöcke vielleicht aufbewahrt, weil er auf eine neue Auflage gehofft hat, bei der er diese wieder beisteuern kann und somit Kosten spart“, vermutet die Restauratorin der UB Anja Steinhauer.

Boxen für die Altbestände

Ein drittes vom Land gefördertes Projekt betrifft die Schadensprävention: Hinter den wuchtigen Stahltüren des Tresors sind die wertvollen Handschriften und frühen Drucke sicher vor Diebstahl und Verlust. Damit sie zukünftig auch vor Staub in Sicherheit sind, sollen sie komplett verpackt und so geschützt dem Zahn der Zeit trotzen. Dafür müssen passgenaue Boxen entworfen und gebaut werden. Sie dienen nicht nur dem Schutz vor Staub und anderen schädlichen äußeren Einflüssen, sondern sichern das Buch auch bei Notfällen, wie Wassereinbrüchen: „In verschiedenen Versuchen und bei tatsächlichen Notfällen wurde festgestellt, dass die Schäden an den Bänden, die in einer Box waren, deutlich geringer sind“, erläutert Anja Steinhauer diese wichtige Maßnahme. „Die historischen Quellen, die wir dadurch bewahren, geben uns wichtige Erkenntnisse zur Natur, in der wir leben, zu unserer kulturellen Herkunft und zu interkulturellen Beziehungen. Sie sind in diesem Sinne hochaktuell – nicht nur für die Wissenschaft. Daher danke ich auch unseren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für ihre wertvolle Arbeit“, so Dr. Oliver Grundei.

Bücher in einem Regal
© Anja Steinhauer, UB Kiel

Die Buchboxen werden passgenau für die wertvollen Bände angefertigt. So sind sie besser vor äußeren Einflüssen und damit gegen Zerfall geschützt.

Nahaufnahme einer alten Buchseite.
© Anja Steinhauer, UB Kiel

Mit der Zeit werden die Buchseiten spröde und können einreißen. Die Buchboxen sollen sie vor weiteren Schäden bewahren.

Metallplatte mit Muster
© Anja Steinhauer, UB Kiel

Die Druckplatten aus dem Nachlass des Kieler Orientalisten Georg Jacob können mithilfe der Förderung restauriert werden.

Kontakt:

Dr. Rüdiger Schütt
Universitätsbibliothek Kiel
 0431/880-5419
 schuett@ub.uni-kiel.de

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