Erfolgreiche Uni-Startups planen Markteintritt

Silolytics und IdeaChamp: Alumni und Studierende entwickeln dank EXIST-Gründerstipendium Technologie-Innovationen zur Produktreife

Gleich zwei junge Technologie-Unternehmen gehen nach der erfolgreichen Startphase mit ihren Innovationen an den Markt. Die jeweils dreiköpfigen Teams von Silolytics und IdeaChamp konnten ihre Tech- und IT-Innovationen in einer wegen der Pandemie verlängerten einjährigen Phase mit dem EXIST-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums entwickeln. Dank dieser Starthilfe gründeten beide Teams jetzt ihre Startup-Unternehmen als GmbH.

Wenn Absolventinnen und Absolventen der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) mit ihren vielversprechenden Entwicklungen und Geschäftsideen ein Startup gründen wollen, gelingt dies oft auch mit einer Starthilfe: „Die jungen Leute haben gerade erst ihr Studium beendet oder arbeiten sogar noch an ihrer Masterarbeit. Finanzielle Mittel sind kaum vorhanden, um eine Idee zur Marktreife zu entwickeln“, erläutert Dr. Anke Rasmus, Leiterin des Zentrums für Entrepreneurship der CAU. Zwei vielversprechende Firmenteams haben jetzt die einjährige Entwicklungsphase mit Unterstützung des EXIST-Gründerstipendiums des Bundeswirtschaftsministeriums erfolgreich abgeschlossen. Nach der Firmengründung und einer Anschlussförderung für die Weiterentwicklung ihrer Technologien bereiten Silolytics und IdeaChamp den Markteintritt vor.

Die Innovationskultur in Unternehmen verändern

IdeaChamp hat eine Marktlücke im Innovationsmanagement in der Wirtschaft entdeckt. Die Mission des kürzlich gegründeten Unternehmens ist es, Firmenkunden in ihrer Zukunftsfähigkeit zu stärken und Wandel erfolgreich zu gestalten. Dies schafft das Team nach eigenen Angaben, indem es zu einer nachhaltigen Innovationskultur anregt, die die Innovationskraft bei den Kundinnen und Kunden wecke und nachhaltig stärke. „Der größte Vorteil für die Kunden liegt in der einfachen Einbindung aller Mitarbeitenden in den Innovationsprozess über alle Hierarchieebenen hinweg. Fachkräfte werden darin unterstützt, unternehmerisch zu denken und zu handeln. Projektmanager und -managerinnen können zeiteffizient Innovationsprojekte steuern. Geschäftsführer und Geschäftsführerinnen implementieren Strategien schneller und navigieren ihr Unternehmen übersichtlich in Richtung Zukunft. Somit können verborgene und ungeahnte Potenziale entdeckt, evaluiert und umgesetzt werden“, erläutert Mitgründerin Laura Röseberg (27). Die wesentlichen Vorteile von IdeaChamp für die Kunden seien: Mitarbeitende einfach einbinden, Kosten optimieren, Rentabilität erhöhen, Innovationen und neue Geschäftsmodelle entdecken sowie strategisch neu ausrichten.

Mit Laura Röseberg schlossen sich Dr. Gerrit Jochims und Dennis Struck, die alle an der CAU studiert haben, 2019 zusammen, um eine Software für das Ideenmanagement zu entwickeln. Die gemeinsame Vision war und ist es, dass Innovation künftig integraler Bestandteil eines jeden Unternehmens oder einer Organisation sein soll: „Die Idee für IdeaChamp war geboren. Unser softwarebasiertes Tool hilft unseren Kunden die Ideen zu managen, zu bewerten und Risiken für Neuausrichtungen und Neuerungen zu minimieren sowie die Kommunikation zu verbessern”, erklärt Dennis Struck (43). Aufgefallen sei dem IdeaChamp-Team, dass in manchen Unternehmen Produktideen eher zufällig oder „nach Gefühl“ ausgewählt und umgesetzt werden. „Wir haben festgestellt, dass es vielen unserer Kunden in diesem wichtigen Bereich des Innovationsmanagements häufig an Transparenz fehlt“, so Struck.

In der einjährigen Förderphase des EXIST-Programms, die wegen Corona um drei Monate verlängert wurde, konnte das Team die Technologie konzentriert bis hin zur Marktreife entwickeln sowie Kundinnen und Kunden akquirieren. „Besonders stolz macht uns, dass erste Projekte bei Kunden bereits erfolgreich abgeschlossen werden konnten und wir jetzt schon drei weitere Zusagen haben“, berichtet Dr. Gerrit Jochims. „Inzwischen haben wir das Tool offiziell gelauncht und unser Leistungsportfolio auf die Marktbedürfnisse zugeschnitten. Durch das Feedback sehen wir bereits jetzt schon ein gigantisches Marktpotenzial für IdeaChamp.“

Startup entwickelt Sensorsysteme für die Landwirtschaft

Ähnlich erfolgreich lief auch der Start bei Silolytics: Simon Ehrenstein, Ties Junge und Fehmke Böckenhauer entwickeln in ihrem frisch gegründeten Startup eine Sensorplattform für die Landwirtschaft, die exakte Futtermengen in einem Silo berechnen kann. Der fachliche Hintergrund: Futterpflanzen wie Gras oder Mais werden gehäckselt und durch das Überfahren mit einem Walzfahrzeug verdichtet. Die sogenannte Silage ist damit lagerfähig und dient dem Vieh ganzjährig als Grundnahrung. Mit dem neuen System, dessen Sensorik auf dem Walzfahrzeug befestigt ist, kann der Überwachungs- und Optimierungsprozess online ablaufen. „So ist es möglich, direkt in den Ablauf der Silagebereitung einzugreifen, um diesen zu optimieren. Die Sensoren messen Position und Lage des Fahrzeuges in Echtzeit und ermitteln exakt, wie viel Silage an welchem Platz im Silo liegt“, erläutert Informatiker Simon Ehrenstein (27).

Das Team von Silolytics wurde ebenfalls zunächst ein Jahr durch das EXIST-Förderprogramm unterstützt, die Förderung wurde wegen der Pandemie aber um zwei Monate verlängert. „Die erste Entwicklungsphase ist nun abgeschlossen. Wir entwickeln unser Sensorsystem derzeit marktreif“, kündigt Ties Junge (31) an. Zudem konnte Silolytics eine Anschlussfinanzierung akquirieren, um die Technik parallel zum Markteintritt weiterzuentwickeln. „Wir haben nun eine GmbH gegründet, das Unternehmen wird ins Handelsregister eingetragen“, berichtet Fehmke Böckenhauer (29). „Wir konnten das System mit einem Pilotpartner im Praxiseinsatz testen und so wertvolle Erkenntnisse sammeln sowie entsprechende Änderungen vor allem auf der Anwenderoberfläche vornehmen.“ Das Team zeigt sich zufrieden über den erfolgreichen Ablauf des EXIST-Projekts. „Ohne diese Förderung hätten wir unsere Ideen nicht realisieren können“, meint Böckenhauer. Froh sei man, das Produkt demnächst an die ersten Pilotkunden für den Einsatz ausliefern zu können.

Starthilfe für Startups an der Uni Kiel

Unterstützt wurden die Teams bei der Erstellung der EXIST Anträge und während der Förderlaufzeit vom Zentrum für Entrepreneurships (ZfE) der CAU. „Hier erhalten sie alle wichtigen Informationen zur Gründung eines Unternehmens, außerdem konnten beide Teams über einen kostenlosen Arbeitsplatz im ZfE Inkubator verfügen“, berichtet ZfE-Leiterin Dr. Anke Rasmus. Der Inkubator dient mit 200 Quadratmetern Fläche zugleich als Arbeits-, Veranstaltungs- und Begegnungsort. Hier können die Teams auch Pilotkundinnen und -kunden empfangen oder ihre Projekte Interessierten vorstellen, erläutert die Gründungsexpertin. „Leider wurden Kundenkontakte durch die Pandemie erschwert. Doch durch die Verlängerung der Förderung konnten die Teams ihre Projekte letztlich erfolgreich auf die Firmengründung vorbereiten.“

Mit dem auf ein Jahr angelegten EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie erhalten Gründungsvorhaben mit drei Teammitgliedern etwa 150.000 Euro. In dieser Zeit können sie sich mit Unterstützung ihrer Hochschule auf ihre Unternehmensgründung vorbereiten. Die wichtigste Voraussetzung: Die geplante Geschäftsidee muss ein innovatives technologieorientiertes oder wissensbasiertes Produkt sein, das mit klaren Alleinstellungsmerkmalen gute wirtschaftliche Erfolgsaussichten vorweisen kann.

Das Team von IdeaChamp
© Henning Drews

Das Team IdeaChamp (v. l.): Gerrit Jochims, Laura Röseberg und Dennis Struck.

Gruppenfoto mit drei Personen.
© Thomas Engel, Silolytics

Das Team von Silolytics (v. l.): Simon Ehrenstein, Fehmke Böckenhauer und Ties Junge.

Kontakt:

Dr. Anke Rasmus
Zentrum für Entrepreneurship
 0431/880-4698

arasmus@uv.uni-kiel.de

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