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Interkulturelles Verständnis lässt sich trainieren

Studierende stellen Webprojekt zur Kulturreflexivität vor

In einem zweiwöchigen Blockseminar am Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) tauschten sich im vergangenen Jahr deutsche Studierende und Studieninteressierte mit Fluchthintergrund über ihre positiven und negativen Erfahrungen in interkulturellen Begegnungen aus. Ihre gesammelten Fälle, Erkenntnisse und Arbeitsanregungen stellen sie nun auf der Website www.kulturelldivers.de vor.

Missverständnisse sichtbar machen

Warum kommt meine Verabredung nicht zum vereinbarten Zeitpunkt? Warum ist der Gastgeber irritiert, dass ich einen Salat zur Essenseinladung mitbringe? Warum reagiert eine junge Frau verärgert, als ihr ein Mann im Bus den Platz anbietet? Begegnungen zwischen Menschen, die aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammen, führen immer wieder zu Missverständnissen und Irritationen. Gründe können unterschiedliche Erwartungen und Wertesysteme sein. Unter der Leitung von Prabhpreet Chadha-Gebauer und Jackie Gillies vom ZfS konnten die Teilnehmenden des Seminars „Perspektiven von Studierenden mit Fluchthintergrund – Multimedialer Blog über Critical Incidents” diese und andere Konfliktsituationen gemeinsam analysieren und interpretieren. Gefördert wurde der Kurs durch den Diversitätsfonds der Uni Kiel. „Mit der Critical-Incidents-Methode lassen sich viele interkulturelle Missverständnisse sichtbar machen,“ erklärt Gillies, Expertin für audiovisuelle Wissensvermittlung. Denn Fallanalysen geben nicht nur Einblicke in interkulturelle Kommunikationsprozesse, sie helfen auch, die eigene Haltung kritisch zu hinterfragen und Berührungsängste abzubauen.

Webprojekt für kulturelle Diversität

Die Studierenden aus Deutschland und die Teilnehmenden mit Fluchthintergrund, die aus dem Programm „Fit fürs Studium“ des International Centers und des ZfS kamen, haben ihre Seminarergebnisse in Video-, Audio- und Textform dokumentiert und stellen diese ab sofort online zur Verfügung. Auf Wunsch der Teilnehmenden nicht immer unter dem eigenen Namen. Zusätzlich gibt es auf der Website Theorieeinführungen, alltagspraktische Tipps, Literaturempfehlungen und einen Leitfaden zur Arbeit mit Critical Incidents – für die Anwendung in anderen Workshops, Seminaren oder zur persönlichen Sensibilisierung. „Um ein friedliches Miteinander zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen zu gewährleisten, sind von jedem und jeder einzelnen Empathie, Toleranz und Offenheit gegenüber der Perspektivenvielfalt gefragt. Und das kann man trainieren“, resümiert Prabhpreet Chadha-Gebauer aus dem Fachbereich interkulturelle Kompetenz.

Zum Webprojekt

Studierende in einer Seminarsituation
© Thomas Teucke

Deutsche Studierende und Studieninteressierte mit Fluchthintergrund gemeinsam im Seminar am Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS) der CAU.

Kontakt:

Jackie Gillies, M.A.
Zentrum für Schlüsselqualifikationen
gillies@zfs.uni-kiel.de

Anna-Kristina Pries
Sachgebiet Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation