100.000 Euro für den Erhalt von Dissertationen

Sie sind ein Kulturgut von herausragender regionaler und überregionaler Bedeutung und dienen als landes-, wissenschafts- und universitätsgeschichtliche Quellen: die in der Universitätsbibliothek (UB) archivierten Kieler Dissertationen. Die Werke dienen als Zeugnisse für die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) erarbeitet wurden und dokumentieren zugleich die Fachgeschichte und -entwicklung der einzelnen Disziplinen der CAU. Darüber hinaus liefern die Kieler Dissertationen wichtige Quellen für die neuere Wissenschaftsgeschichte in Schleswig-Holstein. Um diese Werke zu erhalten, sie digital zugänglich zu machen und sie vor Säurefraß zu schützen, erhielt die UB erneut 100.000 Euro. Damit kann sie die Dissertationen aus dem Zeitraum von 1970 bis 1990 entsäuern und das Projekt nach drei Jahren abschließen. „Diese Maßnahmen sind ein wichtiger Beitrag der UB Kiel zum Erhalt von bedeutenden Beständen. Ohne Unterstützung des Landes und des Bundes wäre das nicht möglich gewesen!“, betont UB-Direktorin Dr. Kerstin Helmkamp.

„Wie in allen Bibliotheken und Archiven nagt auch an den Schätzen der UB Kiel der Säurefraß. Nahezu alles zwischen 1850 und 1990 zu Papier Gebrachte ist davon bedroht“, erklärt die für die Bestandserhaltung an der UB verantwortliche Mitarbeiterin Anja Steinhauer. „In dieser Zeitspanne wurde fast ausschließlich säurehaltiges Papier beschrieben und bedruckt. Das löst sich nun allmählich auf. Ein Blatt im Endstadium zerfällt bei der leichtesten Berührung zu Staub und mit ihm die Informationen, die es transportiert. Den Säurefraß aufzuhalten, ist eine große Aufgabe“, beschreibt Steinhauer ihre Arbeit.

Auch die Dissertationen sind von Säurefraß bedroht. Zudem sind sie bundesweit wie international stark nachgefragt. Das „Landeskonzept zur Bestandserhaltung in den Archiven und Bibliotheken 2013-2022“ definiert sie als „besonders schutzwürdig“. Aus diesem Grund und wegen des verpflichtenden Sammelauftrags an die Universitätsbibliothek, alle Kieler Dissertationen vollständig und dauerhaft zu archivieren und für die Benutzung bereitzuhalten, sind die notwendigen Maßnahmen zum Erhalt dieser wichtigen Quellen ergriffen worden.

„Landesgeschichtlich sind die Kieler Archiv-Dissertationen von großer Bedeutung“, erklärt der Staatssekretär für Wissenschaft und Kultur, Dr. Oliver Grundei. „Sie bezeugen zum einen den wissenschaftlichen Output der Christian-Albrechts-Universität im 20.Jahrhundert, zum anderen enthalten sie unter anderem Lebensläufe wichtiger biographischer Quellen für die neuere Wissenschaftsgeschichte in Schleswig-Holstein.“

Bisher wurden alle Dissertationen bis 1917 digitalisiert und stehen bereits Forschung und Lehre ebenso wie der interessierten Öffentlichkeit orts- und zeitunabhängig zur Verfügung. Außerdem wurde der gesamte säurehaltige Bestand der Kieler Archiv-Dissertationen bis 1970 entsäuert und anschließend in alterungsbeständigen „Stehsammlern“ untergebracht und dauerhaft aufbewahrt. Diese Arbeiten werden nun abschließend für den Zeitraum bis 1990 umgesetzt.

Die Arbeiten am Bestand vor 1970 wurden mit Landesmitteln finanziert. Die insgesamt 100.000 Euro für den Projektabschluss tragen jeweils zur Hälfte die Koordinierungsstelle für die Erhaltung schriftlichen Kulturguts (KEK) und das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Schleswig-Holstein.

Heftklammern auf einem Haufen, ein Messer und ein Buchrücken mit Heftklammern
© Anja Steinhauer

Wenn die Dissertationen von der Entsäuerung kommen, müssen die alten und rostigen Heftklammern in Handarbeit entfernt werden.

verfärbtes Papier
© Anja Steinhauer

Die unscheinbare Verfärbung zeigt, dass das Papier von Säurefraß befallen ist.

Kontakt:

Dr. Rüdiger Schütt
Universitätsbibliothek Kiel
Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit
0431/880-5419
schuett@ub.uni-kiel.de 

Claudia Eulitz
Sachgebietsleitung Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation