»2003: Schwierig, voller Kämpfe, aber schließlich erfolgreich«

"Ein ereignisreiches Jahr, das die Universität am Ende deutlich voran gebracht hat", so charakterisiert Prof. Dr. Reinhard Demuth, Rektor der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, das vergangene Jahr. Der Jahresauftakt war schwierig und geprägt von einer kompletten Besetzungssperre für alle frei werdenden Stellen, von Kämpfen für eine ausreichende Finanzausstattung sowie für die Umsetzung der Empfehlungen, die die Erichsen-Kommission ausgesprochen hatte. Mit der Unterzeichnung von Hochschulvertrag und Zielvereinbarungen ging das Jahr jedoch dann erfolgreich zu Ende. "Die Aussichten sind nun besser als jemals in den vergangenen vier Jahren. Wir haben eine Planungssicherheit erreicht, auf deren Grundlage wir die Strukturveränderungen vornehmen können, die bereits seit längerem vorbereitet sind." Trotz der schwierigen Randbedingungen konnten 2003 wichtige Akzente gesetzt werden.

Positive Berufungsbilanz

Das wichtigste: es konnten fast alle Berufungs- und Bleibeverhandlungen erfolgreich abgeschlossen werden. So konnten wir z.B. die Oberflächenphysik und die Molekularbiologie gezielt verstärken, im Bereich der Wirtschaftswissenschaften die Bereiche Statistik und Ökonometrie sehr gut wieder besetzen oder Prof. Gerhard Fouquet vom Historischen Seminar ein so attraktives Angebot unterbreiten, dass er den Ruf an die Universität Münster abgelehnt hat.

Erweitertes Angebot für den "studentischen Nachwuchs"

Auch die Bemühungen der Universität um das frühe Heranführen von Kindern und Jugendlichen an die Wissenschaft sind herauszustellen. Hier soll die äußerst erfolgreiche Kinder-Uni im Sommer oder die Reihe "Saturday Morning Physics" für Oberstufenschüler einerseits angeführt werden, andererseits das nunmehr seit fünf Jahren erfolgende, hervorragende Engagement der Technischen Fakultät bei der Durchführung von "Jugend forscht".

Bessere Studienbedingungen für besondere Zielgruppen

Die Kieler Universität wurde für besondere Zielgruppen attraktiver gemacht. Ihrer im November 2002 eingegangenen Verpflichtung zur Förderung des Spitzensports kam sie nach: Inzwischen profitierten elf junge Spitzensportler von den verbesserten Studienbedingungen, die die Vereinbarung für diese Gruppe der Studierenden vorsieht. Auch das Audit "Familiengerechte Hochschule", an dem die CAU teilnimmt, bringt neue Prioritäten, die für spezielle Gruppen von Studierenden - und darüber hinaus den Uni-Angehörigen - große Vorteile bietet. Die Ziele liegen in den Bereichen Arbeitszeit, Führungskompetenz, Informations- und Kommunikationspolitik, flankierende Serviceleistungen für Familien auf dem Campus und verbesserte Rahmenbedingungen für studierende Eltern.

Gezielte Förderung von Existenzgründungen

Auch für die Gruppe der existenzgründungswilligen Studierenden und Absolventen wurde in den vergangenen Jahren und ganz speziell 2003 eine Menge getan: Durch das Engagement der Universität im Rahmen der bundesweiten Initiative EXIST und durch die inzwischen gut angelaufene Arbeit des neu berufenen Professors für Innovations- und Gründungsmanagement konnten diverse Schulungsmaßnahmen, Existenzgründerberatung und insgesamt gesehen gute Startbedingungen für Spin-Offs auf dem Campus realisiert werden. Eine gutachterliche Untersuchung der Universität Regensburg belegt dies: in ihr konnte sich die Kieler Universität auf einen sehr guten Platz im Vorderfeld positionieren (Rang 16 von 75): in Anbetracht der wirtschaftlichen Gesamtsituation in Schleswig-Holstein und des fehlenden großindustriellen Umfeldes ein sehr gutes Ergebnis.

Wieder über 20 000 Studierende an der CAU

Nicht alleine auf diese profilschärfenden Maßnahmen zurückzuführen ist die deutliche Zunahme der Studienanfänger - sie liegt im bundesdeutschen Trend und ähnelt der Entwicklung an anderen Hochschulen. Die Christian-Albrechts-Universität hat dadurch seit Oktober wieder über 20.000 Studierende. Ein deutliches Signal geht von den überproportional steigenden Anfängerzahlen für die Studienabschlüsse Bachelor in der Agrarwissenschaftlichen Fakultät aus. Die Zahl der Neueinsteiger hat sich seit drei Jahren nahezu verdoppelt (von 165 auf 318). Die im Jahr 2000 begonnene Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master in dieser Fakultät hat sich damit als überaus erfolgreich erwiesen. Die Absolventenstatistik weist universitätsweit bereits 121 Bachelor- und 55 Masterexamen aus.

Drittmitteleinwerbung nicht voll befriedigend

Im vergangenen Jahr wurde mit einem Drittmittelvolumen von 44 Mio. € zwar ein Ergebnis erzielt, das deutlich über dem Mittel der letzten fünf Jahre von ca. 37 bis 40 Mio. € liegt, doch sind wir gegenüber dem Rekordjahr 2001, in welchem wir die Rekordsumme von rund 60 Mio. € einwerben konnten, zurückgefallen. Dies zeigt, dass einerseits die Konkurrenz auf diesem Sektor noch größer geworden ist, zum anderen aber auch, dass die rigiden Sparmaßnahmen und Stellenbesetzungssperren im Jahre 2003 nicht ohne negative Auswirkungen auf die Leistungsbilanz der Universität geblieben sind.

Was wird das Jahr 2004 bringen?

Große Herausforderungen in der Gestaltung von Studien- und Forschungsprofilen

Durch den Beschluss der Kultusministerkonferenz vom Oktober 2003 wird die Einführung von Bachelor- und Master-Abschlüssen bis 2010 für alle Hochschulen in Deutschland verbindlich. Nachdem derartige Studienabschlüsse in der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät bereits erfolgreich eingeführt sind, wird in der CAU aktuell an der Umstellung der Studiengänge in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen und der Technischen Fakultät gearbeitet. Leider wird die Einführung der gestuften Studiengänge durch ungeklärte Fragen im öffentlichen Tarifrecht sowie widersprüchliche Aussagen der Wirtschaftsverbände, was die Akzeptanz der neuen Abschlüsse betrifft, erschwert.

Wir werden die bewusste Profilbildung im Bereich der Forschung in 2004 so weit führen, dass aus ihr heraus neue, große drittmittelgeförderte Forschungsprojekte entstehen können. Konkret wird zur Zeit an der Vorbereitung von Anträgen auf Sonderforschungsbereiche und DFG-Forschergruppen in mehreren Disziplinen gearbeitet; neben der Oberflächenforschung ist dies im Bereich der Umweltforschung, der Wirtschaftswissenschaften und der interdisziplinären Kulturwissenschaften der Fall.

Dezentralisierung von Verantwortungs- und Entscheidungskompetenz

Durch eine weitere Dezentralisierung von Entscheidungs- und Verantwortungskompetenz auf die Ebene der Fakultäten bzw. der Fächer soll die Flexibilität des Handelns gestärkt und eine bessere Gewährleistung der Verantwortlichkeit dieser Bereiche erreicht werden.

Verbesserung von Service-Einrichtungen

2004 wird darüber hinaus eine weitere Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Wissenschaftler und eine Profilierung im Servicebereich bringen. Der Umbau der "alten Universitätsbibliothek" am Westring geht weiter und soll im 2. Bauabschnitt durch die Zuführung der Soziologie die Gründung eines neuen Instituts für Sozialwissenschaften möglich machen. Der Umbau setzt das Startzeichen für die Verlagerung einiger Service-Einheiten, von der die Studierenden profitieren werden: Sowohl das Studierendensekretariat als auch das International Center ziehen in großzügige Räume im vorderen Bereich der ehemaligen Bibliothek um und erhalten dadurch deutlich bessere Voraussetzungen für eine schnelle und unkomplizierte Betreuung von Studierenden und Studieninteressierten.

Neu: Studien-Informations-Tage Universität und Land

Für die letztgenannte Gruppe bietet die Zentrale Studienberatung in Zusammenarbeit mit der Universitätsgesellschaft 2004 erstmalig drei "Studieninformationstage: Universität und Land" an, die den Schülern die Gelegenheit zur ausführlichen Erforschung der eigenen Wünsche und Klärung aller offenen Fragen geben, die mit einer Studienentscheidung verbunden sind.

Tag der offenen Tür anders: Night of the Profs

Eine breite Öffentlichkeit wird mit der langen Vorlesungsnacht angesprochen, die auf vielfachen Wunsch zum zweiten Mal stattfindet und gemeinsam von Rektorat und Allgemeinem Studierendenausschuss (AStA) veranstaltet wird: Die "Night of the Profs" geht am Freitag, 14. Mai, vom frühen Abend bis in die frühen Morgenstunden über die Bühne und verbindet Campus-Flair mit intellektuellen Herausforderungen.

Großereignisse: Historikertag und Internationale Chemie-Olympiade

Etwas spezieller ist die Interessenlage derer, die sich bereits jetzt auf den Historikertag freuen: Vom 14. bis 17. September sind gut 3000 Wissenschaftler aus dem Fach Geschichte und aus angrenzenden Gebieten zu ihrer Jahrestagung in Kiel. Das vielfältige Programm bietet auch für interessierte Laien eine Menge Anregungen und hat einen besonderen Fokus auf eine Partnerregion: Polen und das Baltikum.

Die Chemie-Olympiade vom 19. Juli bis 26.Juli dagegen holt die jeweils besten vier "Nachwuchschemiker" aus den Ländern der ganzen Welt nach Schleswig-Holstein. Wir erwarten ca. 260 junge Frauen und Männer im Alter zwischen 16 und 19 Jahren in Kiel, die unter der Regie vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) ihre Kenntnisse und Kreativität als Jungwissenschaftler messen.

Wissenschaftspark Kiel: Eine große Chance für die Stadt und die Universität

Eine deutliche Verbesserung des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandortes Kiel bedeutet der Wissenschaftspark, der im Jahr 2004 durch den Start der Bautätigkeit endgültig Realität werden wird.

"Wir haben uns auf ein arbeitsreiches Jahr einzustellen, das uns viel abfordern wird," erklärt der Rektor, Prof. Reinhard Demuth. "Einen Wunsch an die Politik möchte ich für 2004 noch formulieren: ich wünsche mir, dass man Denkverbote aufgibt und es Professoren wieder ermöglicht, dass sie länger als bis zur Vollendung des 65. Lebensjahres im aktiven Dienst bleiben können. Auf die damit zu erzielenden Einsparungen im Landeshaushalt würden wir keinen Anspruch anmelden."