Zertifikatsstudiengang Forschungsethik an der Uni Kiel

Erste Studentin absolviert neues interdisziplinäres Studienprogramm

Was zeichnet gute wissenschaftliche Praxis aus? Wie lässt sich ermitteln, ob wissenschaftliche Ergebnisse zuverlässig erhoben wurden? Diesen und weiteren Fragen widmet sich der Zertifikatsstudiengang Forschungsethik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Das erste Zertifikat erhielt nun Masterabsolventin Eva-Lena Stange.

Das „Zertifikat für Forschungsethik“ wird vom Gustav-Radbruch-Netzwerk für Philosophie und Ethik der Umwelt (GRN) an der Kieler Universität angeboten. Ziel des fächerübergreifenden Studienprogramms ist es, elementare und vertiefende Kenntnisse der Forschungsethik und Wissenschaftsphilosophie zu vermitteln. „Mit dem Zertifikatsstudiengang bieten wir den Studierenden aller Fächer, begleitend zu ihrem grundständigen Studiengang an, mit ethischen Herausforderungen im Forschungsalltag vertraut zu werden, und zwar über ihre eigenen Fachgrenzen hinaus“, erläutert Professor Konrad Ott, Gründungsdirektor des GRN. Ziel der Kompetenzschulung im Studiengang sei es die Studierenden auch dafür zu sensibilisieren, dass die Entwicklung und Ausarbeitung von ethischen Leitlinien oftmals erst durch konkrete Fälle wissenschaftlichen Fehlverhaltens oder missbräuchlicher Forschungspraxis angestoßen werden.

„Die wissenschaftliche Community ist darauf angewiesen, dass offengelegt wird, wie Forschungsergebnisse im Einzelnen erhoben wurden“, ergänzt die Studienkoordinatorin am GRN Karin Kunde. „Dies setzt voraus, dass Studierende eben auch mit den methodischen Voraussetzungen guter wissenschaftlicher Forschung vertraut werden. Uns ist wichtig, dass ethische Herausforderungen von methodischen oder technischen Fragen klar unterschieden werden können. Die Studierenden können ihre Praxisphase frei wählen und über die Ausarbeitung eines forschungsethischen Themas lernen, über Frage- und Problemstellungen im Forschungsalltag angemessen zu kommunizieren.“

Fächerübergreifendes Studienprogramm

In der Praxisphase lernen Studierende forschungsethische Herausforderungen kritisch zu analysieren und ethisch informierte Positionen zu entwickeln. Mit einer Projektarbeit zu einem forschungsethischen Thema ihrer Wahl schließen sie das Programm ab. Eva-Lena Stange, die in Kiel zeitgleich ihren Master in Biochemie und Molekularbiologie erhielt, stieß durch ihre Arbeit als Masterstudentin am Quincke-Forschungszentrum in der Klinik für Dermatologie auf das Thema für ihr Praxisprojekt im Rahmen des Zertifikatsstudiengangs: In ihrer Projektarbeit beleuchtete sie die Sammlung von Mikrobiomproben der Haut und deren Nutzung im Bereich der Dermatologie aus forschungsethischer Sicht.

Der Zertifikatsstudiengang ist als freiwilliges Fach neben den grundständigen Studiengängen für Studierende aller Fakultäten ab dem dritten Bachelorsemester geöffnet und kann innerhalb von vier Semestern abgeschlossen werden. Nach dem Einführungsmodul können die Teilnehmenden wählen, ob sie den Bereich Natur- und Technikwissenschaften oder Geistes- und Gesellschaftswissenschaften vertiefen möchten. Dabei werden Themen und Fragestellungen aus dem wissenschaftlichen Alltag behandelt. Das Studienprogramm wird seit dem Wintersemester 2018/19 angeboten und kann sowohl zum Winter- als auch zum Sommersemester begonnen werden.

Weitere Informationen zum Studienverlauf und den aktuellen Lehrveranstaltungen unter www.forschungsethik.uni-kiel.de

Entwickelt und getragen wird der Zertifikatsstudiengang Forschungsethik vom Gustav-Radbruch-Netzwerk für Philosophie und Ethik der Umwelt (GRN). Das GRN ist eine gemeinsame Einrichtung aller Fakultäten der CAU.

Portrait
© privat

Eva-Lena Stange, Masterabschluss Biochemie und Molekularbiologie, ist die erste Absolventin des Zertifikatsstudiengangs Forschungsethik.

Kontakt:

Karin Kunde, M.A.
Gustav-Radbruch-Netzwerk für Philosophie und Ethik der Umwelt
0431/880-3930
kunde@philsem.uni-kiel.de

Pressekontakt:

Stabsstelle Presse, Kommunikation und Marketing der Kieler Universität
Sachgebiet Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation