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Sechsmal „Venia Legendi“

Erfolgreiche Habilitationen an der Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät

Die mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) freut sich über sechs erfolgreiche Habilitationsverfahren. „Diese sechs Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben uns und externen Gutachern bewiesen, dass sie Forschung und Lehre in ihrem jeweiligen Fach in voller Breite vertreten können“, betonte Dekan Prof. Dr. Frank Kempken bei der Übergabe der Urkunden am 25. September in Kiel. Da die Fakultät acht verschiedene Disziplinen umfasst, zeigen auch die Forschungsschwerpunkte der Habilitierten eine große Bandbreite an Themengebieten.

So erforscht Dr. phil. habil. Sascha Bernholt vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, wie mehr Schülerinnen und Schüler für die MINT-Fächer begeistert werden können. „Wir untersuchen empirisch und experimentell, wie in der Schule das Verständnis für chemische Konzepte und Prinzipien entsteht und wo die Hürden liegen“, erklärt Bernholt. Auf dieser Basis entstehen Ideen, wie und mit welchen Materialien Lehrkräfte im Chemieunterricht unterstützt werden können.  

Privatdozentin Dr. rer. nat. habil. Katja Heubel erhielt die Umhabilitation für das Fach "Zoologie". Im Bereich der Evolutionsökologie widmet sie sicham Forschungs- und Technologiezentrum Westküste insbesondere mit kontextabhängigen Fortpflanzungsentscheidungen und Verhaltensanpassungen an sich verändernde ökologische Zusammenhänge. Heubel gibt ein Beispiel: „Bei einigen Fischarten kümmern sich die Männchen um die Brutpflege. Wie lange und intensiv sie dies tun, hängt unter anderem von der Temperatur des Wassers und seinem Salzgehalt ab. Dies erforschen wir an Arten in der Nord- und Ostsee.“

Um Evolution auf einer anderen Ebene, geht es im Forschungsgebiet von Privatdozent Dr. rer. nat. habil. Sascha Trostorff, der die Umhabilitation für das Fach Mathematik erhalten hat. Am Mathematischen Seminar beschäftigt er sich mit Evolutionsgleichungen. „Mit diesen Gleichungen können wir die zeitliche Entwicklung dynamischer Systeme beschreiben“, erklärt Trostorff. In der Biologie, den Wirtschaftswissenschaften oder der Physik lassen sich damit zeitabhängige Prozesse wie die Entwicklung von Populationen oder von Wellen berechnen.

Dr. rer. nat. habil. Ulrich Schmölcke, Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie, forscht zur Landschafts- und Faunentwicklung und habilitierte im Fach Archäozoologie. „Mein Schwerpunkt ist die Entwicklung der Ostsee, die mit ihren 12.000 Jahren das jüngste Meer der Welt ist“, erklärt Schmölcke. „In Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen wie der Archäologie und Botanik, untersuchen wir, wann welche Ressourcen zur Verfügung standen und wie sich das auf die damals lebenden Menschen ausgewirkt hat.“

Dr. rer. nat. habil. Anne Kupczok, Institut für Allgemeine Mikrobiologie hat die Habilitation für das Fach "Bioinformatik" erhalten. Ihr Arbeitsgebiet umfasst die evolutionäre Metagenomik von Bakterien sowie die Genomevolution von Bakteriophagen. Bakteriophagen sind Viren, die ausschließlich Bakterien befallen. Kupczok hat dies im Zusammenhang mit der Käseherstellung untersucht, bei der die Phagen Milchsäurebakterien befallen und damit die Fermentationsprozesse stören. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Evolution des bakteriellen Immunsystems CRISPR/Cas.

Dr. rer. nat. habil. Miriam Liedvogel habilitierte am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in den Fächern "Zoologie" und "Genetik". Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf den Molekularen Grundlagen von Orientierungs- und Navigationsmechanismen im Tierreich sowie Verhaltensgenetik und -genomik. Insbesondere untersucht sie, welche genetischen Informationen dazu führen, dass selbst junge Zugvögel bei ihrem ersten Langstreckenflug ganz allein den richtigen Weg finden.

Die Habilitation ist das traditionelle Verfahren, eine Lehrerlaubnis an Hochschulen zu erhalten, und schließt mit der Verleihung der Venia Legendi, dem Recht zu lehren, ab. Verliehen wird sie von der Fakultät und dem Präsidium der Universität. Mit der Habilitation ist das Recht verbunden, den Titel "Privatdozent/in" zu tragen. Gleichzeitig entsteht durch die sogenannte Titelehre die Verpflichtung, an der verleihende Fakultät eine Lehrveranstaltungsstunde zu halten.

Beim Wechseln von einer Hochschule zur anderen, erfolgt eine Umhabilitation und damit der Übergang der Lehrverpflichtung auf die neue Fakultät. Dieses Verfahren erfolgt an der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät analog zur Habilitation, allerdings ohne zusätzliche externe Gutachten.

Gruppenfoto
© Beatrix Richter, Uni Kiel

Herzlichen Glückwunsch: Dekan Prof. Dr. Frank Kempken (re.) gratulierte zum bestandenen Habilitationsverfahren und überreichte Dr. Sascha Trostorff (v.l.), Dr. Ulrich Schmölcke, Dr. Katja Heubel und Dr. Sascha Bernholt ihre Habilitationsurkunden. Es fehlen: Dr. Anne Kupczok und Dr. Miriam Liedvogel.

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